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Ihre Zielstrebigkeit hat sich längst ausgezahlt: Ulrike Rittner wird Hauptmann.

Frauen bei der Bundeswehr (1)

Das Gewissen der Vorgesetzten

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Als Frau Karriere bei der Bundeswehr? Auch in Leitungsfunktionen stehen immer mehr Frauen bestens ihren Mann – ob als Soldatin, als Bundesbeamtin oder Zivile Angestellte. Wir waren in der Franz-Joseph-Strauß-Kaserne in Altenstadt zu Gast und haben die Chefinnen an ihrem Arbeitsplatz besucht. Heute: Frau Oberleutnant Ulrike Rittner (36).

AltenstadtUlrike Rittner treffen wir bei unserem ersten Termin in der Altenstadter Kaserne. Die 36-Jährige ist Oberleutnant, aufgewachsen in Stralsund, und nur noch bis Ende März in Altenstadt. Dann wird sie Chefin von geplant 300 Soldaten.

Nach dem Abitur und der Ausbildung bei der Stadt Stralsund in der mittleren Beamtenlaufbahn Öffentlicher Dienst, erschien ihr die Aussicht, über Jahre hinweg bei der Stadt zu arbeiten, zu langweilig – sie bewarb sich 2003 bei der Bundeswehr für die Feldwebellaufbahn bei der Marine. „Ich wollte an der Küste bleiben, wollte zur See fahren, egal auf welchem Dienstposten“, erinnert sich Rittner. Es wurde jedoch das Heer. Bei der Grundausbildung beim Panzerbataillon in Schwerin war sie eine der ersten Frauen überhaupt, zwei Frauen unter 50 Männern. „Anfänglich war man überfordert, unsicher, aber es war unproblematisch“, erinnert sich Rittner zurück.

Eingesetzt wurde sie dann als IT-Soldat. „Ich habe nicht mal einen eigenen Rechner besessen.“ Kein Hindernis für die junge Frau, im Gegenteil. Sie absolviert die Ausbildung zur IT-Systemkauffrau, dann zur geprüften IT-Beraterin. „Ich dachte mir, das ist noch nicht alles.“ Sie bewirbt sich als Berufssoldat, schlägt die Offizierslaufbahn ein, macht den IT-Techniker.

Der erste Dienstposten als Offiziersanwärter war in Altenstadt, 2013 wird sie Leutnant. Ulrike Rittners täglich Brot? Sie ist verantwortlich für die Einrichtung, Betreuung und Nutzung im gesamten IT-Bereich. Jeder Rechner, jedes Programm geht über ihren Tisch. Ihre Aufgaben sind vielfältig: das Schalten einer Video-Konferenz, die IT-Sicherheit, die gesamten Kommunikation. Einen Namen hat sie sich längst gemacht. Rittner: „Es gibt zwar eine eigene Hotline, aber es ist natürlich schöner, wenn man Frau Oberleutnant anrufen kann, die einem hilft.“

Sie ist die Hotline für die Kollegen gleich in mehrerlei Hinsicht. In Nebentätigkeit ist sie für die Gleichstellung zuständig, als Vertrauensfrau eingesetzt. Gleichstellungsvertrauensfrau, aber keine Frauenbeauftragte, wie sie gleich hinterherschickt. Natürlich sind es meist Männer, die das Gespräch suchen. Es geht um sexuelle Belästigung, Diskriminierung, Probleme mit Kameraden und Vorgesetzten. „Das Vertrauen ist da. Das ist ein guter Schritt, ich bin Ansprechpartner und Vermittler.“ Auch in Abstimmungsgesprächen, in denen Beurteilungen besprochen werden, sitzt sie dabei. „Frauen haben eine andere soziale Kompetenz, Männer wissen das zu schätzen“, so Rittner. Auch die Vorgesetzten, die sie berät. „Ich bin das Gewissen, das der ein oder andere Vorgesetzte nicht hat.“

Vereinbarkeit von Familie und Dienst oder gegenderte Befehle sind Alltag bei der Bundeswehr. „Hier ist die Gleichberechtigung angekommen“, so Rittner. „Es darf keine Rolle spielen, ob Mann oder Frau.“ So simpel darf man es sich trotzdem nicht vorstellen. „Einfach ist es nicht. Man muss sich schon behaupten“, sagt Rittner. „Man darf sich nicht alles gefallen lassen, sich aber auch nicht wichtiger nehmen, als man ist.“ Im Dienst sei man nicht Mann oder Frau, sondern eine Person, die ihren Posten macht. Der Ton bei der Bundeswehr habe sich durch die Frauen geändert, sei aber dennoch rau. „Nicht jeder von uns ist ein Kämpfer, aber wir sind ein besonderer Beruf. Deshalb hab ich ihn mir ausgesucht und nicht, weil ich hier rumkichern kann, wie beim Friseur.“

Die Zielstrebigkeit der jungen Frau hat sich längst ausgezahlt. Die Tage in Altenstadt sind gezählt. Ende März wird sie versetzt nach Straußberg östlich von Berlin – zurück in Richtung Heimat. Sie wird Leiterin der ZAW-Betreuungsstelle, die zivile Aus- und Weiterbildung. Derzeit werden dort 150 Soldaten auf ihr Berufsleben vorbereitet. Bis Ende des Jahres sollen unter ihrer Obhut 300 Auszubildende einen zivil anerkannten Berufsabschluss anstreben. So wie sie selbst vor 15 Jahren. In Straußberg hatte sie ihre Karriere nicht nur begonnen. Dort geht sie weiter. Die Beförderung steht bevor. Im kommenden Jahr wird Ulrike Rittner Hauptmann. Frau Hauptmann.

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