Im September 2020 demonstrierten die Erweiterungsgegner vor dem Heizkraftwerk in Altenstadt gegen die Pläne, dort künftig sogenannte Ersatzbrennstoffe mit zu verheizen. In Kürze wird Anlagenbetreiber Siegfried Schuster die Genehmigung dafür in den Händen halten. Von einem Probebetrieb im kommenden Jahr abgesehen, sollen zunächst aber keine Ersatzbrennstoffe in Flammen aufgehen.
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Im September 2020 demonstrierten die Erweiterungsgegner vor dem Heizkraftwerk in Altenstadt gegen die Pläne, dort künftig sogenannte Ersatzbrennstoffe mit zu verheizen. In Kürze wird Anlagenbetreiber Siegfried Schuster die Genehmigung dafür in den Händen halten. Von einem Probebetrieb im kommenden Jahr abgesehen, sollen zunächst aber keine Ersatzbrennstoffe in Flammen aufgehen.

Dank Novelle des EEG

Trotz Ersatzbrennstoff-Genehmigung bleibt das Heizkraftwerk in Altenstadt vorerst beim Holz

  • Jörg von Rohland
    vonJörg von Rohland
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Das Heizkraftwerk in Altenstadt erhält demnächst die Genehmigung, Ersatzbrennstoffe (EBS) verbrennen zu dürfen. Umsetzen will Anlagen-Chef Siegfried Schuster die Erlaubnis dennoch fürs Erste nicht. Eine Novelle des EEG ist der Grund.

Altenstadt – Kurz vor Weihnachten hatten die Regierungsfraktionen von Union und SPD im Bundestag das auf den Weg gebracht, womit in Altenstadt kaum einer mehr gerechnet hatte: Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) wurde in der Form novelliert, dass die Stromerzeugung aus Holz auch in Zukunft kräftig gefördert werden kann. Auch Altholz, das in Altenstadt bekanntlich mit in Flammen aufgeht, bleibt „umlagenprivilegiert“. Die Förderung läuft 2021 und 2022 wie gewohnt weiter, anschließend soll sie bis Ende 2026 schrittweise sinken.

Nach der Bundestagssitzung im Dezember hatten deutschlandweit in den Holzverbrennungsanlagen die Sektkorken geknallt. In Altenstadt war es nicht anders. Im Gespräch mit den SN erklärte Anlagenbetreiber Siegfried Schuster jetzt, dass er in den kommenden zwei Jahren auf die Verbrennung von Ersatzbrennstoffen (EBS) verzichten werde.

Sobald Ersatzbrennstoffe in Flammen aufgehen, fällt die Förderung weg

Das aus gutem Grund: Sobald in Altenstadt Ersatzbrennstoffe in Flammen aufgehen würden, fällt das Kraftwerk aus der Förderung heraus. Und auf die will Schuster nicht verzichten. Der Zuschuss liegt seinen Angaben nach fast ein Drittel über dem Strompreis an der Börse.

Genehmigung als „Lebensversicherung“

An den Plänen, das Kraftwerk auf EBS auszurichten, hält der Geschäftsmann dennoch fest. „Das ist unsere Lebensversicherung“, macht Schuster klar. Die Beton-Arbeiten auf dem Werk-Gelände zwischen Triebstraße und B472 sollen im Sommer beginnen. Die Genehmigung dafür dürfte Schuster demnächst auf dem Tisch liegen haben. Ein Entwurf mit den Auflagen, die ihm die Regierung von Oberbayern macht, hat Schuster in dieser Woche erhalten. Bis 25. März kann er jetzt Stellung dazu nehmen. „Soweit ich es gelesen habe, sind die Auflagen erfüllbar“, gab sich Schuster optimistisch. Seine Experten waren aber noch dabei, die Unterlagen zu prüfen.

Für 2022 ist ein Probebetrieb mit Ersatzbrennstoffen geplant

Läuft alles wie geplant, kann 2022 mit dem Probebetrieb der erweiterten Anlage begonnen werden. In dieser Zeit werden dann auch Ersatzbrennstoffe in den Ofen wandern, die Anlage fällt währenddessen aus der Förderung heraus. Nach dem Probebetrieb beschränkt man sich laut Schuster aber wieder ausschließlich aufs Holz.

Was nach 2022 kommt, ist noch offen

Was die Jahre nach 2022 betrifft, dazu kann und will der Anlagenbetreiber zum derzeitigen Zeitpunkt noch keine Prognosen abgeben. „Wir müssen schauen, was die Politik die nächsten Jahre macht“, sagt Schuster.

Der Wunsch auf Nutzung der Abwärme ist groß

Für das Thema Abwärmenutzung bleibt das Heizkraftwerk derweil nach allen Seiten offen. 500 000 D-Mark habe er seinerzeit in eine Turbinen-Auskopplung investiert, erinnert sich Schuster. Ihm steht die Enttäuschung darüber im Gesicht, dass sich bis heute kein Großabnehmer an die Anlage angeschlossen hat. „Der Anschluss weiterer Wärmeabnehmer in Form von Industriebetrieben, öffentlichen Einrichtungen und Privathaushalten ist technisch möglich und vorgesehen“, heißt es dazu auch auf der Homepage des Kraftwerks. „Aber dazu bräuchten wir Unterstützung und nicht Knüppel zwischen den Füßen“, macht der Chef im Gespräch mit den SN klar.

Für den Westen Schongaus wäre ein Anschluss eine interessante Option

Dabei sind die Voraussetzungen für einen Anschluss derzeit so gut wie nie. Nach Angaben der „Energiewende Oberland“ gibt es sehr hohe staatliche Förderungen für Fernwärmeleitungen. Vor allem für den Westen Schongaus wäre nach Meinung der Experten das Heizkraftwerk in Altenstadt eine interessante Option.

Kraftwerksbetreiber würde Wärme „bis zum Zaun“ liefern

Siegfried Schuster würde sich dem sicher nicht verschließen: „Für eine Energieabnahme am Zaun, dafür steht das Kraftwerk bereit“, sagt er. Dass das Kraftwerk selbst Fernwärme-Leitungen über sein Grundstück hinaus verlegt, schließt der Geschäftsführer dagegen aus. Das sei auch nicht üblich, so Schuster.

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