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Fühlt sich in Altenstadt wohl: Oberregierungsrätin Heidemarie Schmid.

FRAUEN BEI DER BUNDESWEHR (4 und Schluss) 

„Ich führe ein Inseldasein“

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Als Frau Karriere bei der Bundeswehr? Auch in Leitungsfunktionen stehen immer mehr Frauen bestens ihren Mann – ob als Soldatin, als Bundesbeamtin oder Zivile Angestellte. Wir waren in der Franz-Joseph-Strauß- Kaserne in Altenstadt zu Gast und haben die Chefinnen an ihrem Arbeitsplatz besucht. Heute: OberregierungsrätinHeidemarie Schmid (45).

Altenstadt– Die gebürtige Starnbergerin studierte in München an der LMU Meteorologie und arbeitete beim Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven. Spannend war schon der Berufseinstieg: Heidemarie Schmid überwinterte 1999 in der Antarktis, lebte 14 Monate in der Neumayer-Station, der deutschen Polarstation. Eine beeindruckende wie frostige Zeit bei Temperaturen zwischen 2 Grad plus und minus 47 Grad.

Nach zwei Jahren beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberfaffenhofen stolperte Schmid über eine Stellenausschreibung als Lehrer für Meteorologie an der Fachhochschule des Bundes in Fürstenfeldbruck – Fachbereich Wetterdienst. Zwischen 2002 und 2015 war sie dort Lehrer im Fachbereich Wetterdienst. „Nach 13 Jahren habe ich gemerkt, da muss noch etwas anderes sein“, erzählt Schmid. Sie bewarb sich als Leiterin der Geoinfoberatungsstelle in Altenstadt und bezog ihr Dienstzimmer in der Burg.

Die Beratungsstelle ist zuständig für alles, was mit Wetter und Klima zu tun hat. Im Wesentlichen geht es um die Wetterbeobachtung und die Flugwetterberatung für den Flug- und Sprungdienst in Altenstadt. Jedes Flugzeug, das startet, braucht eine gültige Flugwetterberatung, im militärischen Flugbetrieb darf diese Wetterberatung nur vom Geoinfodienst durch einen lizensierten Flugwetterberater kommen – „der Blick in eine App reicht da nicht“, schmunzelt Schmid. Aus aktuellen Messdaten, Analysen, Satelliten- und Radarbildern werden Wettervorhersagen für die Springer und Piloten in Altenstadt entwickelt.

Die Aufgaben verteilen sich auf zehn Wetterbeobachter und drei Berater. Heidemarie Schmid ist als Leiterin nicht nur Chefin der Bundesbeamten und zuständig für die ganze Koordination, sondern kümmert sich um die Zuarbeit für den Leiter des Ausbildungsstützpunktes, Oberstleutnant Christian Schoebel. Auch der Wetterunterricht bei den Fallschirmspringern fällt in die Zuständigkeit der Oberregierungsrätin, übrigens der einzigen in der gesamten Kaserne.

In Altenstadt ist Heidemarie Schmid angekommen, „Zwei Sommer und zwei Winter braucht man, bis man sich mit den lokalen Besonderheiten auskennt – so lange ich mich wohlfühle, bleibe ich da.“ Fragt man sie nach ihren weiteren Karrierewünschen, verweist sie auf den dann fälligen Ortswechsel zum Beispiel ans Zentrum des Geoinfodienstes in der Voreifel. „Dort würde ich mit meinem Grüß Gott auffallen, hier erschrickt wenigstens keiner“, lacht sie.

Gearbeitet wird im Schichtdienst – teilweise auch nachts. Eine Kollegin sitzt mit im Team, der Rest sind Männer. Wetter zählt zu den Naturwissenschaften, das Meteorologie-Studium ist quasi eine Sparte des Physikstudiums. „Allein das ist schon sehr männerlastig, und die Bundeswehr zieht einfach mehr Männer an als Frauen – wir haben also einen doppelten Effekt.“ Für Schmid ist das im Arbeitsalltag kein Problem.

Auch in der Führungsriege im Ausbildungsstützpunkt ist sie die einzige Frau in einer Leitungsfunktion. Einsam fühlt sie sich nicht. „Ich habe so einen exotischen Bereich, ich bin auch die einzige zivile Leiterin, alle anderen sind Soldaten, ich führe also ohnehin eine Art Inseldasein.“ Im Klartext heißt das: Sie darf als Bundesbeamtin die militärischen Dinge wissen und sich militärisch verhalten, muss es aber nicht. „Das genieße ich sehr – ich bin ganz bewusst kein Soldat.“ Die Dienstgrade lesen zu können, sei aber sehr hilfreich. Sie selbst sitzt in ihrer „Standarduniform“ am Schreibtisch, sportlich-leger.

Privat ist die Oberregierungsrätin ebenfalls sportlich unterwegs. Höhenangst hat sie keine. Der Höhenmesser im Büro zeugt von ihrem Nebenjob als Ballonpilotin. Seit 22 Jahren arbeitet sie bei einem kleinen Luftfahrtunternehmen. Sie heuerte als „Verfolger“ am Boden an, wurde dann „vom Autopiloten zum Ballonpiloten“. 300 Ballonfahrten hat sie absolviert.

Fasziniert war Heidemarie Schmid von ihren fünf Wochen auf der Gorch Fock, das Segelschulschiff der Deutschen Marine. Als Bordmeteorologin begleitete sie eine Seefahrt von Malaga über Lissabon bis nach Kiel. Untergebracht war sie mit allem Komfort, genoss den maximal möglichen Luxus im Rang eines Offiziers. Was aber nicht unbedingt nur Vorteile hatte: „So eine Hängematte geht mit dem Schiff mit, die festen Kojen geben halt nicht nach.“

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