+
Das Betriebsgelände der Firma Emter aus der Vogelperspektive. Die geplante Klärschlammtrocknungsanlage wird das Gelände rechts oben Richtung Wald vergrößern.

Im Gespräch mit Johann Emter

Emter: „Bei uns gehen null Emissionen nach draußen“

  • Elke Robert
    vonElke Robert
    schließen

Das Vorhaben der Firma Emter aus Altenstadt steht im Fokus einer breiten Öffentlichkeit, nicht nur in der eigenen Gemeinde.  Was ist geplant? Und wie sieht dies Firmenchef Johann Emter?

Altenstadt – Kurzgefasst soll eine Klärschlammtrocknungsanlage mit einer Leistung von 49,2 Tonnen am Tag einschließlich eines Schlammbunkers mit einem Volumen von 400 Kubikmetern errichtet werden. Dem hat der Gemeinderat Altenstadt jetzt zugestimmt.

Wie die Regierung von Oberbayern mitteilt, liegen die Antragsunterlagen einschließlich des Geruchsgutachtens nicht öffentlich aus, „da das Genehmigungsverfahren im Hinblick auf die Größe und die Auswirkungen des Vorhabens ohne Beteiligung der Öffentlichkeit durchgeführt werden kann“.

Johann Emter ärgert sich ein wenig über den Beschuss aus Schongau. „Ich habe alle Stadträte mit einem persönlichen Schreiben eingeladen“, so der Firmenchef, das Interesse, sich wirklich vor Ort einmal zu informieren, sei jedoch sehr mäßig, stattdessen werde lieber geschimpft. 

Güllegeruch von den Feldern

Die Wahrnehmung, dass die Emter-Anlage bei Westwind üble Gerüche in die Schongauer Wohngebiete trage, könne er nicht verstehen. „Bei Emter gehen null Emissionen nach außen“, ist er sicher. „Das ist vermutlich Güllegeruch von den Feldern“, schätzt Emter. 

Gerüche entstehen aber auch auf dem Gelände der Tochterfirma Ökopower, wo Bioerdgas aus überlagerten Lebensmitteln sowie Abfällen der Lebensmittelindustrie gewonnen wird. „Methan und Schwefel stinken, die müssen nachverbrannt werden.“ 

Die Nachverbrennungsanlage der Fremdfirma Erdgas Schwaben sei schon etwas in die Jahre gekommen, weiß Emter, falle ab und an aus.

Johann Emter

Emter arbeite aber mit eigenem hergestellten Biogas. „Wir haben eine Zertifizierung, dass wir nachhaltig arbeiten.“

Die Klärschlammentsorgung in Altenstadt läuft seit über 30 Jahren. „Betriebswirtschaftlich wäre es natürlich Unsinn, nur den Klärschlamm aus Schongau zu entsorgen“, so Emter mit Blick auf eine Einwendung aus dem Stadtrat Schongau (wir berichteten). 

Einzugsgebiet ist der gesamte südbayerische Raum vom Münchener Osten bis Lindau am Bodensee, von Anlagen aus einem Umkreis von rund 100 Kilometern. 250 bis 300 Tonnen Klärschlamm würden derzeit täglich verwertet. 

Der Wasseranteil ist hoch, liegt bei 80 Prozent. Nach der Trocknung würden nur noch 60 Prozent vom Klärschlamm übrig bleiben, rechnet der Firmenchef vor.

Klärschlamm nicht mehr auf die Felder

„Mit der Düngemittelverordnung darf der Klärschlamm nicht mehr auf die Felder ausgebracht werden“, nennt Emter einen Grund für die Änderung seiner Anlagen. Die Verbrennungskapazität bleibe im übrigen gleich, nur die Trocknung des Klärschlamms werde in einem neuen Verfahren durchgeführt. 

Die notwendige Energie für die Trocknungsanlage soll aus einer sogenannten Brüdenkondensation mit Wärmerückgewinnungsanlage stammen, die auch mit zwei Luftkühlern ausgestattet wird. „Die Wärme wird zu 100 Prozent ausgenutzt“, betont Emter, im Gegensatz zur Anlage im benachbarten Heizkraftwerk. Der Transport des getrockneten Klärschlamms erfolgt umweltschonend über eine Rohrbrücke.

Die Erweiterungspläne umfassen auch das in die Jahre gekommene Büro und das Logistikzentrum. Die ganze Emter-Gruppe am Standort Altenstadt beschäftige derzeit rund 100 Mitarbeiter. „Nach der Erweiterung können wir sicher mal 150 Mitarbeiter haben“, schätzt Emter. Einen weiteren Standort hat Emter seit 1990 in Zeitz (Sachsen-Anhalt).

Besichtigungstag im Herbst geplant

Rund sieben Millionen Euro umfasst nun der Investitionsrahmen. Und Emter plant schon weiter in die Zukunft. Schon jetzt würden Phosphate aus dem Klärschlamm aufbereitet, das Verfahren soll in der nächsten Anlage noch verbessert werden, so dass auch Düngemittel für die Biolandwirtschaft hergestellt werden können.

„Wir haben schon noch was vor“, so Johann Emter, will aber noch nicht mehr verraten. Nur so weit: „Biomethan ist schon viel, aber Wasserstoff ist die Zukunft.“

Damit sich die Bevölkerung ein Bild machen kann, möchte Johann Emter voraussichtlich im Herbst zu einer großen Besichtigung seines Betriebs einladen.

Das könnte Sie auch interessieren:

Jetzt gibt es 463 neue iPads für die Schulen im Landkreis.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Demo gegen Pläne des Heizkraftwerks: „Wir brauchen diese Anlage nicht“
Demo gegen Pläne des Heizkraftwerks: „Wir brauchen diese Anlage nicht“
Auch Peiting unterstützt Aktionsbündnis gegen Müllverbrennung in Altenstadt
Auch Peiting unterstützt Aktionsbündnis gegen Müllverbrennung in Altenstadt
Demenz und Corona: Aktionswochenende in Schongau
Demenz und Corona: Aktionswochenende in Schongau
Nachbarn beschweren sich bei Stadt: Zu hoher Sichtschutz sorgt in Schongau für Ärger
Nachbarn beschweren sich bei Stadt: Zu hoher Sichtschutz sorgt in Schongau für Ärger

Kommentare