David-Wolfgang Ebener/dpa
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Ein Drogendealer aus Altenstadt wurde verurteilt.

Ein Kilo Amphetamin geordert

Inhaftierung als Weckruf: Ex-Drogendealer packt vor Gericht aus und bekommt milde Strafe

  • Angela Walser
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Das Landgericht München II hat einen Drogendealer (28) aus Altenstadt zu vier Jahren und zehn Monaten Gefängnisstrafe verurteilt. Außerdem wurde seine Unterbringung in der Psychiatrie angeordnet.

Altenstadt – Er hatte zwei Lieferanten dazu angestiftet, ihm aus den Niederlanden ein Kilo Amphetamin und 50 Gramm Ecstasy zu beschaffen. Die beiden Kuriere, die versuchten, mit Fahrrädern über die Grenze zu fahren, wurden von der Polizei gestellt.

Als er selber im Oktober vergangenen Jahres festgenommen wurde, fanden die Fahnder bei ihm daheim 150 Gramm Marihuana und zehn Gramm Kokain. Letzeres war zum Eigenkonsum gedacht, behauptete der Angeklagte, der sofort ein umfassendes Geständnis ablegte. Vermutlich hatte er in der Vergangenheit noch mehrere Lieferungen mit Betäubungsmittel erhalten. Die Postbotin zumindest hatte sich an vielerlei Pakete erinnert.

Nach dem Tod seines Vaters war der 28-Jährige immer stärker in die Sucht gerutscht, mit dem Verkauf regelte er seinen eigenen Konsum – bis er selber festgenommen wurde. Die Taten, die ihm nachgewiesen werden konnten, räumte er ein. Und er leistete auch enorme Aufklärungshilfe. Dadurch konnte ein Betäubungsmittel-Bunker in der Wohnung eines Lieferanten-Vaters gefunden werden. Mit diesen Infos konnte ein weiterer Drogendealer festgenommen werden. Ohne diese Angaben wäre die Polizei niemals darauf gekommen.

Die Angaben wurden bei der Urteilsfindung des Gerichts entsprechend gewürdigt. Andernfalls hätte der Angeklagte eine sechsjährige Strafe kassiert. Diese war auch von der Staatsanwältin gefordert worden. Die erkannte dann aber das Urteil an und ließ es rechtskräftig werden, nachdem zuvor bereits der 28-Jährige auf einen Einspruch verzichtet hatte.

Dem Angeklagten zugute wurde der eigene Suchtdruck gehalten. Der habe den jungen Mann zum Handeltreiben gezwungen. Die Inhaftierung war quasi sein Weckruf. Er kümmerte sich um psychiatrische Hilfe, soweit das im Gefängnis möglich ist. In seinem letzten Wort bat er darum, so schnell wie möglich zu seiner Mutter zu dürfen, die seine Hilfe benötige.

Die Richterin sah in diesen Worten eine gute Einstellung und attestierte ihm sehr gute Aussichten auf eine nachhaltige Therapie. In die Ferne schweifend, wünschte sie dem Dealer alles Gute für die Zukunft und wenn möglich vielleicht irgendwann eine nette Frau an seiner Seite. „Ich glaube, Sie sind ein Familienmensch“, sagte sie.

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