Oberleutnant Susanne Schmidt mit angelegter Fallschirmausrüstung bei der Überprüfung durch den Absetzer vor Besetzen des Transportflugzeugs. Der Springerin wird gerade die Aufziehleine gereicht, mit der sie sich dann in das Ankerseil des Flugzeugs einhakt.

Frauen bei der Bundeswehr (3)  

„Kein Job wie jeder andere“

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Als Frau Karriere bei der Bundeswehr? Auch in Leitungsfunktionen stehen immer mehr Frauen bestens ihren Mann – ob als Soldatin, als Bundesbeamtin oder Zivile Angestellte. Wir waren in der Franz-Joseph-Strauß- Kaserne in Altenstadt zu Gast und haben die Chefinnen an ihrem Arbeitsplatz besucht. Heute: Personaloffizier Susanne Schmidt (37).

Altenstadt– Ursprünglich hatte sie Sozialpädagogik studieren wollen, doch für Susanne Schmidt wurde ihr berufliche Werdegang letztendlich ein ganz anderer. Geboren und aufgewachsen in Güstrow in Mecklenburg-Vorpommern, absolvierte die junge Frau nach dem Abitur zunächst eine Ausbildung zur Kauffrau für Bürokommunikation bei der Deutschen Bahn AG. „Eine bessere Sekretärin, das hätte mich auf Dauer nicht erfüllt“, blickt sie heute zurück. Auf Arbeitssuche stolperte Susanne Schmidt mehr zufällig über ein Werbeplakat der Bundeswehr – bewarb sich spontan beim Kreiswehrersatzamt in Rostock. Und wurde sofort genommen. Weil sie bereits eine abgeschlossene und „verwertbare“ Ausbildung hatte, wurde sie als „Eignungsübner“ eingestellt mit dem zukünftigen Dienstposten als Rechnungsführer-Feldwebel. Ihr erster Dienstgrad war Stabsunteroffizier-Feldwebelanwärter.

Die Stammeinheit wurde das Panzerbataillon Schwerin. Reisekostenberechnung, Trennungsgeld und Wehrsoldberechnung waren die Hauptaufgaben. 2009 entschied sie sich für die Offizierslaufbahn und legte in Fassberg den staatlich geprüften Betriebswirt mit Zentralfach Personalmanagement ab. Als frisch gebackener Personaloffizier kam sie nach Garlstedt bei Bremen zur Logistikschule. Nach einer Zwischenstation in Seedorf beim Fallschirmjägerregiment ging es 2016 in den Süden – an den Wunschstandort Altenstadt als Personaloffizier beim Feldwebel-/Unteroffizieranwärterbataillon 3.

Das Einleben in einem Dorf im Landkreis Landsberg war nicht schwer, „die Nachbarschaft ist aufgeschlossen – ich fühle mich absolut wohl“. Auch beruflich. Als Abteilungsleiterin ist sie Chefin von fünf Soldaten, die ihr fachlich unterstellt sind. Sie berät den Kommandeur in Personalangelegenheiten und bearbeitet als Personaloffizier Eingaben und Beschwerden, prüft die Beurteilungen der Soldaten. „Grundsätzlich ist die S1-Abteilung dazu da, dass der richtige Mann am richtigen Platz sitzt.“

Nebenamtlich ist Susanne Schmidt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig, auch für die Nachwuchsgewinnung und die Nachwuchswerbung. In Verbindung mit der Bundeswehr-Karriereberatung in Weilheim rührt sie etwa bei der Ausbildungsmesse in Schongau die Werbetrommel. Keine einfache Aufgabe, denn in der Region herrsche Vollbeschäftigung. Zu viele Unternehmen bieten Ausbildungs- oder Arbeitsplätze an. „Und weil junge Leute Action suchen, ist es für sie vielleicht auch attraktiver, als Fallschirmspringer zur Bundeswehr zu gehen, als bei uns im Personalbereich zu sitzen“, so Schmidt.

„Die Bundeswehr ist aber unbedingt attraktiv auch für Frauen.“ Warum ist für sie völlig klar. „Es ist kein Job wie jeder andere.“ Denn auch wenn Susanne Schmidt viel am Schreibtisch sitzt, Action hat sie mehr als genug. Und kannte den Standort Altenstadt, die Mutterschule der Fallschirmjäger, schon von einem Springerlehrgang 2008 – eine Leidenschaft, der sie noch immer regelmäßig und voller Leidenschaft nachgeht. „Ich bin froh, dass ich zum Springen verpflichtet bin“, sagt sie. So kommt Schmidt zu mindestens vier Pflichtsprüngen im Jahr, versucht aber immer, mehr zu machen. 52 militärische Sprünge sind es bereits.

Dieser Leidenschaft frönt sie auch privat: Sie hat die Freifallausbildung gemacht. In Seedorf hatte sie die erste Gelegenheit zu einem Tandemsprung – und war sofort infiziert. „Am Anfang war ich sehr aufgeregt, wenn sich die Türe öffnet, pocht einem schon das Herz.“ Vor allem die Geräusche des Windes waren dominant. Mittlerweile hat sie so viel Routine, dass sie sich ganz auf die Formationen beim Springen mit ihren Kameraden konzentrieren kann. Jetzt ist es ein Erlebnis, von der Luft eher sanft und leise wie von einem Wasserbett gebremst zu werden.

Was für Susanne Schmidt noch aussteht, ist ein Auslandseinsatz. „Ob Bosnien, Mali oder Afghanistan, jedes Mal war ich dienstlich nicht abkömmlich“, erklärt sie bedauernd. Da sie jedoch in ihrem Bataillon zum Schlüsselpersonal gehöre, wird daraus wohl erst einmal nichts. Aber es muss ja nicht der letzte Dienstposten gewesen sein.

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