+
Der Windtunnel in der Jochen Schweizer-Arena in Taufkirchen – auch dort kann man den freien Fall üben.

Bewerbung läuft

Millionen-Projekt Windtunnel an der Kaserne Altenstadt

Mit dem Verbleib der Fallschirmjäger am Bundeswehrstandort in Altenstadt ist die Auflösung der Feuerwache kein Thema mehr. Stattdessen sind jetzt Planungen angelaufen, in der Kaserne weiter aufzurüsten, z. B. mit einem Windtunnel. Somit könnte die Fallschirmjägerausbildung in Altenstadt verbessert werden.

Altenstadt – „Es stimmt, wir haben den Antrag für einen Windtunnel gestellt“, teilt Hauptmann Andreas Rindle, Presseoffizier vom Ausbildungsstützpunkt Luftlande-/Lufttransport, auf Anfrage mit. Ein teures Unterfangen, denn die Kosten für so ein Vorhaben liegen im siebenstelligen Bereich – also ein Millionen-Projekt. Aufgrund der umfangreichen Vorplanungen könnte eine Verwirklichung aber erst in frühestens zwei, drei Jahren erfolgen.

So ein Windtunnel – die offizielle Bezeichnung lautet „Anlage für vertikale Verbringung“ – ist ein großer, hohler Behälter mit einer Turbine, die Luft nach oben bläst. Der über 200 km/h schnelle Luftstrom im Tunnel ist so gleichmäßig wie beim Freifall eines echten Fallschirmsprungs. Einsteiger können hier ganz ohne Übung und Vorkenntnisse abheben, während Profis insbesondere das authentische Flugverhalten schätzen.

Einen solchen Windtunnel gibt es in der Kaserne in Altenstadt noch nicht. „Wir müssen bisher immer bis nach Bottrop fahren. Dort gibt es eine solche Anlage, auf der wir vertragsgemäß üben können“, verrät Andreas Rindle. Oder die Ausbildung der Fallschirmjäger wird – vor allem jetzt in der Winterszeit – gleich komplett nach Amerika verlegt. Dort sind die Wetterverhältnisse um diese Jahreszeit günstiger.

Die Ausbildung im Windtunnel ist nicht nur für Anfänger im Fallschirmspringen ideal, sondern vor allem auch für Freifaller, die ihr Drehverhalten im Luftstrom verbessern wollen.

Der Windtunnel-Antrag des Ausbildungsstützpunktes Altenstadt wird jetzt einem Prüfungsausschuss vorgelegt, der alle Details überprüft und bei Bedarf auch Nachbesserungen einfordert. Wird der Antrag befürwortet, kann die (europaweite) Ausschreibung erfolgen und anschließend der Auftrag vergeben werden. Der Kauf erfolgt dann über die Wehrbereichsverwaltung.

Aber: „Wir sind nicht die Einzigen, die so einen Windtunnel beantragt haben“, räumt der Altenstadter Presse-Offizier ein. Auch das Kommando Spezielle Kräfte in Calw hat einen solchen Antrag gestellt, und die Altenstadter Sportfördergruppe hätte ebenfalls gerne einen Windtunnel, der vom Landeskommando in München, dem sie unterstellt ist, bereits beantragt worden ist. Somit liegen also gleich drei Anträge für einen Windtunnel vor. Wer den Zuschlag erhält, das ist noch offen.

Wo der Windtunnel (so um die zehn bis zwölf Meter hoch) in der Kaserne in Altenstadt platziert werden kann, das wird im Rahmen der Infrastrukturplanungen geprüft. Bekanntlich stehen einige bauliche Veränderungen an, denn das alte Heizgebäude muss abgerissen und erneuert werden. Auch das Gebäude 11 (mit dem Materiallager) steht auf der Renovierungsliste. Schließlich muss noch eine neue Halle für die Ausbildung am neuen Transportflugzeug (A 400 M) gebaut werden, denn dieses Flugzeug ist dreimal so groß wie die bisherige Transall – also ist auch eine größere Halle erforderlich.

In den Ausbildungsstützpunkt Luftlande/Luftransport in Altenstadt wird somit umfangreich investiert. Deshalb ist es auch wichtig, dass die Feuerwache in der Kaserne verbleibt. Diese Feuerwehr-Einheit war ja bereits aufgelöst worden (zumindest auf dem Papier), weil die Fallschirmjäger nach Oldenburg verlegt werden sollten – so jedenfalls die ursprünglich Planung.

Bekanntlich wurde der Verlegungsbeschluss rückgängig gemacht, und somit muss auch die Feuerwache planerisch neu aufgestellt werden. Dies erfolgt durch das Bundeswehr-Brandschutzzentrum in Sonthofen.

Die Feuerwache vor Ort ist eine Voraussetzung für den Flugbetrieb. Dieser zivilen Einheit gehören mehr als ein Dutzend Feuerwehrmänner an, die regelmäßig Übungen abhalten und auch bei Großbränden in der Umgebung ausrücken.

Michael Gretschmann

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Der Wahlkreis ist geschrumpft
Alexander Dobrindt (CSU) führt die Liste der Direktkandidaten für die Bundestagswahl am 24. September im Wahlkreis Weilheim an. Den Bundesverkehrsminister aus Peißenberg …
Der Wahlkreis ist geschrumpft
Mord im Idyll und Herz für die Heimat
Nach fast vier Jahren Pause ermitteln Gerhard Weinzirl und Evi Straßgütl wieder – und entdecken im neuen Krimi von Nicola Förg ihr „Heimatherz“. Der 10. Fall des …
Mord im Idyll und Herz für die Heimat
Totholz in Ammer wird fast nie entfernt
Die Ermittlungen nach dem tödlichen Kajak-Unglück in der Ammer nahe Rottenbuch dauern an. Die Frage ist: Kümmert sich jemand um das Totholz, das dem 65-jährigen …
Totholz in Ammer wird fast nie entfernt
Was macht die Kutsche auf dem Radweg?
Ungewöhnlicher Einsatz für die Schongauer Feuerwehr: Sie musste am Mittwochvormittag eine Kutsche befreien, die sich festgefahren hatte. „Das hatten wir auch noch nie. …
Was macht die Kutsche auf dem Radweg?

Kommentare