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Neue Leitung für die Rumänienhilfe: Rudolf und Helga Lang (Mitte) übergeben die Führung an Michael Kögel, Josef Miller, Hermann Hartmann und Matthäus Unsin.

Rumänienhilfe Altenstadt-Denklingen 

„Die richtigen Leute zur richtigen Zeit“

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Aus Altersgründen ziehen sich die Initiatoren der Rumänienhilfe Altenstadt-Denklingen, Helga und Rudolf Lang, nach 28 Jahren aus der Organisation zurück. In dieser Zeit hat das Altenstadter Ehepaar viel erlebt und bewegt. Die Rumänienhilfe soll unter neuer Leitung weitergeführt werden.

Altenstadt– Im Tagebuch seines Vaters las Rudolf Lang aus Altenstadt damals Schilderungen über Rumänien. Langs Vater hatte während des ersten Weltkrieges in dem Land gelebt. Das Bild, das ihm beim Lesen über Rumänen vermittelt wurde, faszinierte den Sohn. Er wollte es selbst kennenlernen.

Schon während der Ceausescu-Diktatur reisten Helga und Rudolf Lang oft nach Rumänien und beschlossen: „Wenn der Ceausescu weg ist, würden wir helfen. Das war damals aber noch undenkbar“, erzählt Helga Lang. Als Nicolae Ceausescu dann aber an Weihnachten 1989 hingerichtet wurde, verloren die Langs nicht mehr viel Zeit und setzten ihr Vorhaben in die Tat um. Im Januar 1990 startete der erste Hilfstransport nach Rumänien – und markierte den Beginn der Rumänienhilfe Altenstadt-Denklingen.

„Von Lebensmitteln und Kleidung über Medikamente und Schulmöbel wurde alles gebraucht“, schildert Lang ihre Eindrücke des osteuropäischen Landes. Unterstützung erhielten sie von der Pfarrkirchenstiftung Altenstadt, über die sie ein Spendenkonto einrichten durften. Das sei eine große Hilfe gewesen, für die sie sehr dankbar seien.

Das Engagement der Langs beschränkte sich schon bald nicht mehr nur auf Transporte. In der rumänischen Stadt Caransebes wurde ihnen das Kinderheim Zagujeni gezeigt: „Wir überlegten uns, dass das zukünftig unsere Aufgabe sein wird“, erzählt Helga Lang. Als erstes größeres Projekt bauten sie dort ein neues Gebäude für die Kinder. In der örtlichen Caritas fanden sie einen wichtigen Ansprechpartner. Durch die Zusammenarbeit unterstützt die Rumänienhilfe mittlerweile auch ein Jugendhaus sowie eine Suppenküche und bietet Essen auf Rädern für Senioren an.

Außerdem weiteten die Langs ihre Tätigkeiten auf Ungarn aus. „Mit dem Jugoslawienkrieg 1991 kam ein Hilferuf aus Mohacs in Ungarn, zehn Kilometer von der serbisch-kroatischen Grenze entfernt“, erklärt Lang. Nicht nur die Flüchtlinge versorgte die Rumänienhilfe Altenstadt-Denklingen damals. Seitdem steht die Organisation auch in Verbindung mit dem Behindertenheim Pandy Kalman. Für die Menschen dort organisierte die Rumänienhilfe alte Betten aus dem Unfallklinikum Murnau und Medikamente. Außerdem renovierten sie viele Räume und bauten eine kleine Kapelle.

Helga und Rudolf Lang bedanken sich bei allen Unterstützern, die die Projekte ermöglicht haben – sei es durch finanzielle Mittel oder Sachspenden. Und auch beim Bautrupp: Mehr als 30 Helfer reisten immer wieder nach Rumänien, um vor Ort Häuser zu bauen und zu renovieren, sowie Heizungen und Wasserleitungen zu verlegen. „Wir hatten Glück, immer die richtigen Leute zur richtigen Zeit um uns zu haben“, weiß Helga Lang.

Die beiden haben sich über 27 Jahre lang mit vollem Herblut für die Rumänienhilfe engagiert, erzählen Helga und Rudolf Lang. Aber alles habe seine Zeit, und nun sei es eben an der Zeit, die Leitung der Hilfsorganisation an Jüngere abzugeben, meinen sie. Ihr Rückzug aus der Organisation bedeutet aber keinesfalls das Ende der Rumänienhilfe. Vier treue Mitstreiter übernehmen die Leitung: Hermann Hartmann, Michael Kögel, Josef Miller und Matthäus Unsin.

Das neue Führungsquartett aus dem Schongauer Land ist ebenfalls seit vielen Jahren in der Hilfsorganisation aktiv und kennt die Projekte und die Ansprechpartner vor Ort alle sehr gut. So sind die Langs zuversichtlich, ihr Lebenswerk in verantwortungsbewusste Hände zu übergeben. Sie seien sehr dankbar, dass es weitergeht, betonen sie. Zunächst gibt es für das neue Leitungsteam aber eine organisatorische Hürde zu überwinden: Weil die Spendenabwicklung nicht mehr über die Kirchenverwaltung Altenstadt laufen kann, wollen die neuen Verantwortlichen einen gemeinnützigen Verein gründen.

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