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Robert Bocksberger (links) vom Forstbetrieb Landsberg hatte zu Thema Wildschweinjagd einiges zu sagen.

Ausweitung der Seuche droht

Afrikanische Schweinepest macht Sorgen

Die Afrikanische Schweinepest hat seit 2014 die Nordostgrenze der EU erreicht. Im Sommer 2017 wurde sie nun auch in Tschechien erstmals festgestellt und droht, in weitere EU-Mitgliedstaaten eingeschleppt zu werden. Einen Überblick gab dazu Andreas Tyroller vom Bayerischen Bauernverband.

Schwabniederhofen – Noch gibt es derzeit keinen Fall von Afrikanischer Schweinepest in Bayern, dennoch hängt die Bedrohung wie ein Damoklesschwert über den Wildschweinhabitaten, und das Schwarzwild verzeichnet große Zuwächse trotz intensiver Bejagung.

Die für den Menschen ungefährliche und nicht übertragbare Erkrankung, erstmals aufgetreten an afrikanischen Warzenschweinen und übertragen durch Lederzecken, „hat absolut nichts mit der Klassischen Schweinepest gemeinsam“, sagte Tyroller, Geschäftsführer der Forstwirtschaftlichen Vereinigung Oberbayern. Es sei ein völlig anderes Virus, das jedoch extrem aggressiv sei und binnen einer Woche für Wild- oder Hausschweine zum Tode der Tiere führt.

Zudem bleibt das Virus wesentlich länger ansteckend als das der klassischen Schweinepest, infizierte Tiere bluteten an Organen und aus allen Körperöffnungen.

Die EU hat bereits massiv eingegriffen und einen Zaun entlang der Grenzen errichtet, um Einwanderungen von Schwarzwild aus den betroffenen Gebieten zu verhindern.

Doch das Problem liege wo anders, erklärte Tyroller vor rund 80 Zuhörern, bestehend aus Landwirten, Jägern und Behörden. In diesem Fall gehe die Gefahr vom Menschen aus. Denn oft würden im Osten Europas erkrankte Tiere beispielsweise zu Salami oder anderen Rohfleischprodukte verarbeitet, der Virus ist dabei überlebensfähig.

Durch den Fernverkehr könne das Virus so große Strecken zurücklegen, „da braucht ein Lkw-Fahrer nur seine restliche Semmel aus dem Fenster zu werfen“. Aber auch Arbeitskräfte aus Tschechien und der Ukraine oder Polen brächten gerne Lebensmittel dieser Art aus ihrer Heimat mit.

„Da ist auf jeden Fall viel Aufklärungsarbeit nötig, um die Menschen dafür zu sensibilisieren“, sagte Tyroller. Damit sei zunächst noch nichts passiert. Finde beispielsweise eine Wildsau Reste der so kontaminierten Nahrungsmittel etwa aus Mülltonnen von Parkplätzen an Landstraßen oder Autobahnen und fresse diese, bricht die Seuche aus, verbreite sich schnell und ziehe einen großen Katalog von Maßnahmen nach sich (siehe Kasten unten). Man spreche von einer so genannten Habitatseuche, denn der Virus bleibe durch das Blut des Kadavers am Boden haften und rund 200 Tage aktiv.

„Bislang gibt es noch keinen Impfstoff dagegen“, so Tyroller, und der werde auch noch lange auf sich warten lassen. „Die Seuche kommt, um zu bleiben“. In Tschechien umfasse das betroffene Gebiet etwa 150 000 Hektar, „da können Sie sich überlegen, wie oft der Sachsenrieder Forst im Ernstfall da hineinpasst“, machte Tyroller deutlich. Trete ein Fall hier auf, erstrecke sich das gefährdete Gebiet mindestens von Kaufering bis Tegernsee und von Obergünzburg bis Tutzing. Und die Gefahr, dass der Virus dann beispielsweise durch Heu oder anderweitig seinen Weg zu Mastbetrieben finde, sei extrem hoch.

Hohe Populationvon Wildschweinen

Das andere Problem sei, dass ohnehin der Zuwachs der Wildschweinpopulation im gesamten Bundesgebiet enorm sei, pro Jahr bis zu 30 Prozent. Einer der Spitzenreiter ist dabei Rheinland-Pfalz, aber auch in Oberbayern sei sie so hoch wie nie.

Vehement wurde Tyroller beim Thema Kirrung. Erlaubt sind derzeit ein Kilogramm pro 100 Hektar. „Alles andere ist Fütterung, damit muss Schluss sein!“, wetterte er. Damit bleibe nicht zuletzt auch der Wildschaden auf Äckern und Wiesen weiterhin ein Thema. Eine Reduzierung des Bestandes sei in jedweder Hinsicht vonnöten, so Tyroller.

Myrjam C. Trunk

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