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Eine Maschinenpistole, ein Kochgeschirr und Gefechtshelme sind unter anderem in der Sammlung zu sehen.

Kaserne Altenstadt

Der Stahlhelm darf bleiben

Nachdem angeordnet wurde, dass alle Bundeswehrstützpunkte nach Nazi-Symbolen durchforstet werden müssen, sind die Verantwortlichen auch in der Kaserne in Altenstadt auf die Suche gegangen. Doch obwohl sich dort unter anderem Stahlhelme finden, gab es nichts zu beanstanden.

Altenstadt – Sie haben die Stabsräume durchforstet und die Büros unter die Lupe genommen, sie sind jeden Raum abgegangen, der öffentlich zugänglich ist. Sie haben die Aufenthaltsräume durchsucht und sind sogar die Unterkunftsstuben abgeschritten – auf der Suche nach Nazi-Symbolen und Andenken an die Wehrmacht. Doch sie haben nichts gefunden, die verantwortlichen Vorgesetzten, die in Altenstadt die Anordnung des Generalinspekteurs der Bundeswehr, Volker Wieker, umgesetzt haben, nach der alle Überbleibsel aus der Zeit des dritten Reichs aus den Kasernen entfernt werden müssen.

„Hier in der Kaserne ist nichts aufgefallen“, sagt Oberstleutnant Heinz Hangs, der eigentlich schon seit fünf Jahren im Ruhestand ist, derzeit aber die Geschäfte am Ausbildungsstützpunkt Luftlande und Lufttransport in Altenstadt vertretungsweise führt. Dabei gibt es diverse Wehrmachts-Utensilien wie zum Beispiel Stahlhelme in der Kaserne, doch diese dürfen bleiben, denn sie sind Teil der militärgeschichtlichen Sammlung, die am Stützpunkt ausgestellt ist. In diesem Fall sind auch nach der jüngsten Anordnung Wehrmachtsgegenstände erlaubt, weil sie in einem „didaktischen Kontext“ gezeigt werden.

Soldat in einer zerbombten Stadt: Diese Darstellung einer Kriegsszenerie ist ebenfalls in der Kaserne in Altenstadt aufgebaut.

„Die Sammlung zeigt eine Abfolge von militärischen Gegenständen – auch aus der Zeit der Wehrmacht“, erläutert Hangs. Was dort zu sehen ist, stehe im Zusammenhang mit anderen Sammlungsstücken und werde durch Texte ergänzt und erklärt. „Wenn ich einen einzelnen Stahlhelm auf einer Bude finde, hat der dort nichts verloren“, sagt Hangs, im Kontext mit anderen Helmen, wie sie in der Vergangenheit des Militärs getragen worden seien, sei das aber etwas anderes. Jeder einzelne Gegenstand, der in der Kaserne zu sehen ist, sei genehmigt, sagt Pressesprecher Andreas-Rindle. Spätestens jedes zweite Jahr werde die Sammlung unter die Lupe genommen und geschaut, „ob etwas anrüchig ist.“

Seit 1997 die Altenstadter Kaserne als Nazi-Hochburg durch die Presse ging, weil Soldaten mit NS-Utensilien hantierten, sei dort immer besonders genau darauf geachtet worden, dass alles in Ordnung sei. „Und das ist auch gut so“, sagt Rindle: „Wir wurden immer wieder für dieses Thema sensibilisiert.“ So sei es nicht verwunderlich, dass sich bei der jüngsten Durchsuchung nichts gefunden habe.

Dass alle Kasernen nach nationalsozialistischen Gegenständen durchforstet werden, findet Hangs richtig: „Ich denke, dass insgesamt eine unkommentierte Darstellung von Wehrmachtsgegenständen zu falschen Urteilen kommen lässt.“ Deswegen sei es wichtig, diese Dinge in einen Zusammenhang zu stellen. Es habe in der Altenstadter Kaserne keinen Protest gegen diese Anordnung gegeben. „Es haben alle konstruktiv mitgearbeitet“, sagt Hangs.

Kathrin Hauser

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