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Aus den Händen von Oberst Jürgen Baron von Bistram übernahm Sven Tillery (r.) die Bataillonsfahne.

Sven Tillery folgt auf Robert Badstübner

Kommandoübergabe in der Kaserne Altenstadt: Ein Hamburger als neuer Chef

  • Boris Forstner
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Seit der Gründung Ende 2013 in Altenstadt ist Sven Tillery der vierte Leiter des Feldwebel-/Unteroffizieranwärterbataillons 3 – aber der erste Hamburger. Er übernahm gestern die Truppenfahne von seinem Vorgänger Robert Badstübner. Auch die Rassismus-Debatte in der Bundeswehr kam zur Sprache.

Altenstadt – Noch vor einigen Wochen war wegen Corona unklar, ob der feierliche Übergabeappell überhaupt stattfinden kann. Doch die Verantwortlichen hatten ihre Hausaufgaben gemacht: Sie verlegten die Veranstaltung vom Appellplatz auf das weitläufige Sportgelände, statt des sonst aufspielenden Gebirgsmusikkorps kam die Musik vom Band, es wurden weniger Ehrengäste eingeladen und die Soldaten trugen Mundschutz – so stand einer würdigen Amtsübergabe nichts mehr im Weg. 

Sogar vier Fallschirmspringer der Sportfördergruppe des Altenstadter Ausbildungsstützpunkts Luftland/Lufttransport landeten zu Ehren Badstübners auf dem Sportplatz, zwei mit weiß-blauer Rauten- sowie Deutschlandfahne. „Eine tolle Geste, sie wird meinem Nachfolger und mir mit Sicherheit in Erinnerung bleiben“, freute sich Badstübner.

Viel Engagement und Flexibilität

In seiner Abschiedsrede bedankte er sich vor allem bei seinen Soldaten für ihr Engagement, aber auch bei allen Beteiligten für die „schöne, interessante und spannende Zeit an einem beeindruckenden Standort“. 

Viel Engagement und Flexibilität habe es erfordert, während der Corona-Krise die Lehrgänge anzupassen. „Und die Unwägbarkeiten der geplanten Umstellung der Ausbildung werden naturgemäß Auswirkungen auf den Verband und vielleicht auch auf den Standort haben“, sagte er.

Vier Fallschirmspringer der Sportfördergruppe flogen zur Verabschiedung ein.

Als freundlicher Zeitgenosse entpuppte sich Oberst Jürgen Baron von Bistram, der Vize-Kommandeur der Unteroffiziersschule des Heeres. Erst begrüßte er die Riege der Ehrengäste drei Mal der reihe nach mit einem „schön, dass Sie hier sind“, anschließend erlaubte er den noch jungen Soldaten, die erst wenige Wochen oder sogar Tage in der Ausbildung sind, aufgrund der Hitze ihren Mundschutz abzunehmen.

Die Lehrgangsteilnehmer sprach er auch direkt an wegen der „herausfordernden Rahmenbedingungen“ mit Covid-19, der Diskussion um das Kommando Spezialkräfte und die Wiedereinführung der Wehrpflicht. „Jedes dieser Themen muss einen jungen Menschen, der sich bisher außerhalb der Streitkräfte bewegt hat, verunsichern“, sagte von Bistram.

Nicht nur eine Antwort

Kann militärische Ausbildung mit Abstandsregeln funktionieren? Kann man sich das militärische Handwerk per Distance-Learning am heimischen PC erarbeiten? Kann sich Rechtsextremismus in einer Berufsarmee stärker entwickeln als in einer Wehrpflichtarmee? 

„Auf alle diese Fragen gibt es nicht nur eine Antwort und sicher keine einfachen Antworten“, sagte von Bistram. Eine könne lauten „Verantwortung und Kameradschaft als wesentliche Pfeiler unserer militärischen Gemeinschaft“. Die öffentliche Debatte sei eine Chance zur Selbstreflexion, zur Weiterentwicklung „und vor allem zur Veränderung“.

Per Geländewagen wurde Badstübner verabschiedet.

Für Badstübner hatte von Bistram einige warme Worte übrig – vor allem gleich zu Beginn, als er sagte, dass Badstübner die Bundeswehr Ende September verlasse und diese Entscheidung „Respekt und Anerkennung“ verlangt. Er habe zwei Jahre Verantwortung für rund 180 Soldaten Stammpersonal und bis zu 480 in der Ausbildung getragen. Badstübner und sein Personal hätten fast 2500 Lehrgangsteilnehmer geführt, ausgebildet und erzogen.

Dabei seien ihm vom Dienstherr immer wieder „kleinere oder größere Gewichte zusätzlich in den Rucksack gepackt worden“, vor allem durch Covid-19. Es habe keine Blaupausen und Erfahrungskonzepte gegeben, geschweige denn eine dienstliche IT-Ausstattung und Hygienekonzepte. 

„Diese Herausforderung haben Sie, Oberstleutnant Badstübner, mit ihrem Team dank Übersicht, Gestaltungskraft und Eigenständigkeit in kürzester Zeit bewältigt“, lobte von Bistram.

Dreifaches „Horrido“

Anschließend folgte die feierliche Übergabe der Bataillonsfahne von Badstübner an von Bistram und weiter zu Tillery. Mit einem dreifachen „Horrido“ verabschiedeten die Soldaten ihren ehemaligen Chef, der stehend im Wolf-Geländewagen zum Abschluss noch einmal die Front entlangfuhr. 

Für den 40-Jährigen und seine Frau, die sonst in Rheinland-Pfalz leben, geht es erst einmal in einen langen zweimonatigen Urlaub, ehe ein neuer Lebensabschnitt beginnt: Er arbeite künftig im zivil-militärischen Bereich, sagte Badstübner, ehe er bei einem Empfang seine Abschiedsurkunde in Empfang nahm.

Zur Person Sven Tillery:

Einmal war er dienstlich in Altenstadt, 2007 zu einem Fallschirmspringerlehrgang, sagt Sven Tillery. Doch sonst, gibt der gebürtige Hamburger zu, war er noch nie so weit südlich stationiert. 

1998 ist der heute 40-Jährige beim Panzerflugabwehrkanonenbataillon 111 in Achim (nahe Bremen) in die Bundeswehr eingetreten, er durchlief zahlreiche Führungs-, Ausbildungs- und Stabsfunktionen. Drei Mal war er im Auslandseinsatz, 2007 und 2012 in Afghanistan und 2018 im Kosovo. Bis vergangenen Freitag war er als Einsatzstabsoffizier bei der 10. Panzerdivision in Veitshöchheim eingesetzt.

 „Unser Lebensmittelpunkt war die letzten elf Jahre Tauberbischofsheim“, sagt der lang aufgeschossene Tillery, dort bleiben seine Frau Ivonne und sein Sohn Erik auch wohnen. „Ich werde ein Wochenendpendler sein“, sagte Tillery. 

Bemerkenswert: Beim Übergabeappell war auch Tillerys Vater Jens dabei, der selbst einmal Oberstleutnant war und dementsprechend stolz auf seinen Sohn ist.

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