Insgesamt rund 300 Demonstranten zogen von Schongau zum Altenstadter Heizkraftwerk, um vor Ort ihrem Unmut über die Erweiterungspläne Luft zu machen
+
Insgesamt rund 300 Demonstranten zogen diesmal von Schongau zum Altenstadter Heizkraftwerk, um vor Ort ihrem Unmut über die Erweiterungspläne Luft zu machen.

300 Menschen machen ihrem Unmut Luft

Demo gegen Pläne des Heizkraftwerks: „Wir brauchen diese Anlage nicht“

Kampfansage an den Betreiber des Heizkraftwerks in Altenstadt: Rund 300 Demonstranten forderten erneut, die Pläne, in der Anlage Ersatzbrennstoffe aus Abfällen zu verfeuern, zu beerdigen.

  • Im Heizkraftwerk Altenstadt sollen Ersatzbrennstoffe aus Abfällen verfeuert werden
  • Viele sehen diese Pläne kritisch
  • Am Samstag wurde in Schongau und Altenstadt erneut gegen das Vorhaben protestiert

Altenstadt/Schongau – Schon von weitem waren die Einsatzfahrzeuge der Polizei zu sehen. Die Triebstraße, die zur Wiese nahe dem Heizkraftwerk führt, wurde für den öffentlichen Verkehr gesperrt. Trillerpfeifen- und Trommelwirbel erklangen. Transparente mit wütenden Aufschriften wurden in die Höhe gehalten, darunter „Schusters Profit auf Kosten unserer Gesundheit?“ Das erfreuliche Ergebnis vorweg: Es war eine friedliche Demo. Die Corona-Auflagen mit Abstandspflicht und Mund-Nase-Bedeckung wurden eingehalten, nach rund zwei Stunden löste sich die Gruppe ohne Zwischenfälle auf.

Rund 300 Teilnehmer waren nach Polizeiangaben anwesend. Die Demonstranten bekundeten nichts als den einen Wunsch: Flagge zu zeigen. Für die Zukunft. Gegen den Müll. Und deswegen, so forderten sie, müssen die Pläne der Firma „Heizkraftwerk Altenstadt GmbH & Co.KG“, das bestehende Heizkraftwerk für die Verfeuerung von so genannten Ersatzbrennstoffen zu erweitern, ad acta gelegt werden. Oder die Öffentlichkeit muss über das Vorhaben umfassend informiert werden. Eine weitere Etappe im Kampf des Bündnisses „Aktionsgemeinschaft gegen die Müllverbrennungsanlage Altenstadt“ gegen das Vorhaben von Seniorchef Siegfried Schuster nahm ihren Lauf.

Demo gegen Vorhaben des Heizkraftwerks in Altenstadt: Redner sind über Pläne empört

Als sich der ansehnliche Tross auf der Wiese an der Römerstraße in Bewegung setzte, ahnten die meisten noch nicht, dass sich die vorgesehene Rednerliste inzwischen beträchtlich erweitert hatte. Neun Sprecher brachten sich in Stellung, angekündigt waren ursprünglich fünf. „Toll, dass es noch mehr geworden sind“, freute sich Renate Müller von der „Umweltinitiative Pfaffenwinkel“ bei der Begrüßung. Auf den Anhänger für die Kundgebung stiegen unter anderem Hans Schütz, einer der Sprecher der Aktionsgemeinschaft, Schongaus Bürgermeister Falk Sluyterman (SPD), Katharina von Platen (Kreisverband Grüne), Walter Popp (SPD) und Josef Metzger („Das Bessere Müllkonzept“). Neu hinzu kamen der stellvertretende Landrat Wolfgang Taffertshofer (BfL), Burggens Bürgermeister Josef Schuster, Markus Keller vom Kreisverband des Bund Naturschutz und Markus Zimmermann von den Landkreis-Jusos.

Josef Metzger („Das bessere Müllkonzept“) war einer der neun Redner, die auf der Demonstration gegen die Heizkraftwerk-Pläne in Altenstadt das Wort ergriffen.

Über allen Redebeiträgen prangte wie ein dickes Ausrufezeichen die Empörung. Empörung darüber, dass eine Anlage, in der entgegen der ursprünglichen Nutzungsabsicht auf der Basis von nachwachsenden Rohstoffen bereits Altholz verfeuert wird, jetzt noch Ersatzbrennstoffe hinzukommen sollen. Das bedeutet, dass im Kraftwerk, sollte der Antrag durchgehen, aus Sicht des Aktionsbündnisses künftig auch Teppichreste, Kunststoffe, Textilien und andere synthetische Materialien verbrannt werden dürfen – was weiter giftige Schadstoffe in die Luft freisetzen und toxische Schlacken erzeugen werde, die dann in Deponien gelagert werden müssten. Aus der Biomasseanlage werde somit eine Müllverbrennungsanlage.

Demo gegen Vorhaben des Heizkraftwerks in Altenstadt: „Haben schon funktionierendes Abfallkonzept“

„Mein Unmut richtet sich vor allem dagegen, dass hier ein Genehmigungsverfahren unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet“, schimpfte Sluyterman. Die Einladung zu einer Podiumsdiskussion, auf der die Pläne umfassend hätten dargestellt werden können, sei von Schuster abgelehnt worden. Der Schongauer Rathauschef forderte den Firmenchef auf, sein Vorhaben publik zu machen und Anwohnern die Möglichkeit zu geben, ihre Bedenken zu äußern. Schuster beteuere zwar, dass in der künftigen Anlage kein Müll verbrannt werde, sondern eine Abfallverwertung stattfinde, führte Sluyterman weiter aus: „Nur, worin liegt die Verwertung, wenn die Energie ungenutzt in die Luft geht?“ Man sei empört über dieses Vorgehen. „Bei uns wird kein Müll verbrannt“, hatte Schuster unlängst gekontert.

In ein ähnliches Horn stieß auch Popp. „Wir brauchen diese Anlage nicht. Wir haben ein funktionierendes Abfallkonzept in unserem Landkreis“, sagte er. Die zweite Sache, die ihm stinke, „ist dieses Übergehen der betroffenen Bevölkerung. Und da reden wir jetzt nicht von 20 Anwohnern, sondern von mehr als 30 000 Menschen, die im direkten Einflussbereich leben.“

„Was sind das für Stoffe, die verbrannt werden sollen?“, fragte Burggens Bürgermeister Josef Schuster. „Wir sind Laien, wir wissen das nicht. Klären Sie uns darüber auf, Herr Schuster!“

Metzger fürchtet, dass es aus genehmigungsrechtlichen Aspekten heraus wahrscheinlich nicht möglich sein werde, die Anlage zu verhindern. Dazu seien die Emissionsgrenzwerte „viel zu lasch“. Es gelte daher, den Widerstand zu stärken: „Ich möchte hier das nächste Mal nicht 300, sondern 10 000 Menschen sehen.“

Rafael Sala

Lesen Sie auch: Nachbarn beschweren sich bei Stadt: Zu hoher Sichtschutz sorgt in Schongau für Ärger

Und hier gibt es weitere Nachrichten aus Schongau und Umgebung.

Auch interessant

Kommentare