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Ruhe nach dem Sturm: Rund 80 Personen waren an der Schlägerei im Altenstadter Asylbewerberheim beteiligt. 

Polizei mit zehn Streifen ausgerückt

Massenschlägerei in Asyl-Unterkunft: Suche nach der Wahrheit

Altenstadt - Dienstagnacht kam es zu einer Massenschlägerei in der Asyl-Unterkunft in Altenstadt: 80 Beteiligte, vier Verletzte. Wir haben uns auf Spurensuche begeben. 

Schwarze Augen. Fragend. Ein wenig ängstlich. Auf jeden Fall verunsichert. Wer ist das? Was passiert jetzt mit uns, sagen die Augen ohne Worte. Diese Nacht hat Spuren hinterlassen. Auch bei den Asylbewerbern, die am Haupteingang der Massenunterkunft in Altenstadt warten. Auf was? Wer weiß das schon.

Eine Nacht, in der laut Schongauer Polizei an die 80 von insgesamt 127 Bewohnern aufeinander losgegangen sein sollen. Was ist passiert heute Nacht? Schlägerei deutet einer an, der barfuß in Zehensandalen in der Kälte steht. Ein anderer deutet an „drinking“. Sie wollen einen holen, der Englisch kann. Ein Security-Mann schreitet ein, drängt die Männer ab. „Sie dürfen die nichts fragen. Wir haben die Anweisung, nichts nach draußen zu geben!“

So viel Information ist – in Form einer Pressemeldung der Polizei – auf jeden Fall nach draußen gelangt: Gegen 0.30 Uhr meldet die Security im Nachtdienst eine größere Schlägerei in der Asylunterkunft in Altenstadt. Aneinandergeraten sind zunächst ein Afghane (21) und ein Pakistani (20). Die Streithähne können vom Sicherheitsdienst getrennt werden, trotzdem ist laut Polizei eine „Massenschlägerei“ nicht mehr aufzuhalten.

Es kann noch dauern, bis die Hintergründe geklärt sind

Acht Streifenbesatzungen aus Schongau, Landsberg, Kaufbeuren und Weilheim mit insgesamt 20 Polizisten rücken an – da hat sich die Lage bereits beruhigt. Die Bilanz vor Ort: Vier Verletzte, zwei davon werden im Krankenhaus behandelt – Platzwunden, Stauchungen und Prellungen. Der 20- und der 21-Jährige werden über Nacht in Gewahrsam genommen.

Bis die Hintergründe geklärt sind, könnte es dauern, betont der Leiter der Schongauer Polizeiinspektion, Herbert Kieweg. Die Sprachbarriere. „Wir brauchen einen Dolmetscher.“ Auf Anfrage der Zeitung hält er jedoch erstmal fest: Möbel oder gar Messer seien bei der Prügelei nicht im Einsatz gewesen. Kieweg betont: „Probleme hatten wir da draußen in Altenstadt noch nicht, bisher war alles unauffällig.“

Vielleicht war das Glück. Wir erinnern uns an einen Tag Anfang Dezember, an dem 23 Pakistani am Europakreisel gegen die Verlegung in die Unterkunft nach Altenstadt protestiert hatten. Mit ihnen und Flüchtlingen aus Afghanistan unter einem Dach: Das gäbe nur Probleme, hatten sie erklärt. Eine Frage der Zeit also, bis der Kessel überkocht?

In der Flüchtlingsunterkunft selbst möchte man das so nicht stehen lassen. Auch wenn Presse hier alles andere als willkommen ist, gibt man nach einem – gelinde ausgedrückt – kühlen Empfang schließlich doch Auskunft. „Wenn zwei streiten, stehen schnell fünf da, dann kommen wieder fünf, wieder fünf“, sagt einer der Security-Männer, der an fünf Tagen in der Woche nahezu rund um die Uhr im Haus ist. 80 Schläger: niemals, sagt er, spricht von wenigen, die mitgeprügelt haben, von vielleicht 50 Beteiligten insgesamt. Vielen Schaulustigen. Einigen Schlichtern. Bei so viel Gewühle, da könne man schon mal den Überblick verlieren.

Im Haus ist es normalerweise friedlich

Im Haus ginge man friedlich miteinander um, „jede Nation und Religion versteht sich hier“, so der Security-Mann. Klar: Mitunter gäbe es kleine Wortgemenge. „Da kommt halt auch ein kleiner Lagerkoller dazu.“ Nach dem Vorfall in der Nacht auf Dienstag: „Da gibt es hier ein Unwohlsein.“ Man kann sie spüren, bei den Männern, die uns ängstlich durch die Glasscheibe beobachten. Was passiert jetzt? Die meisten von uns haben doch gar nichts getan. Die Anerkennung: Sie schwebt wie ein Damokles-Schwert über ihnen.

Wer tatsächlich wie an besagter Massenschlägerei beteiligt war, das dürfte sich jetzt schwer rausfinden lassen. Sicher: Er hätte seine Ahnung, „das hier ist meine Westentasche“, sagt der Security-Mann. Aber Recherchen ergäben tatsächlich wenig: „Die Afghanen sagen, die Pakistani sind schuld und umgekehrt.“

Als wir gehen, will uns einer der Männer etwas erzählen. Aber er darf ja nicht. Anweisung von oben. Wo immer oben auch sein mag. Der Ruf der Unterkunft ist nach dieser Nacht leider erstmal: ganz unten. Traurig auch für diejenigen, die mit den Vorkommnissen garantiert nichts zu tun haben.

Barbara Schlotterer-Fuchs

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