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Im flammend roten Abendkleid und mit Klunkern behangen: Margret Gilgenreiner als „befreite“ Martha.

Kabarett im Kulze in Schwabniederhofen

Zwanghafte Putzfee im flammend roten Abendkleid

Schwabniederhofen – Geschlechterkrieg an der Feudelfront präsentierte Kabarettistin Margret Gilgenreiner mit ihrem neuen Programm „Klaus muss raus! Und der nächste nur noch ambulant“ im Kulze in Schwabniederhofen. Zweimal hatte sie damit ein volles Haus.

Zuerst waren nur zwei manikürte Hände mit flammendrot lackierten Nägeln zu sehen. Dann rauschte Margret Gilgenreiner alias „Martha“ auf die Bühne. Im flammendroten Abendkleid und mit glitzernden Klunkern behangen. Schließlich muss sie die neu gewonnene Freiheit beim Ausgehen mit ihrer Freundin Kathi in vollen Zügen genießen.

Denn: Klaus flog raus! Zu unüberwindlich waren die gegensätzlichen Lebensauffassungen zwischen ihr und ihrem bisherigen Lebenspartner. Er der gemütliche Oberbayer, der die Allgäuer „Fenschterkiachla“ schnöde „Auszogene“ nennt. Sie, die leidenschaftliche Allgäuer Putzfee, die für alles ihre Lappen hat, die er wiederum nicht richtig benutzen kann. Während sie sich über Zahnpastaspritzer auf dem Badezimmerspiegel und Geschirrlappen, die zum Schuhe putzen verwendet werden, aufregt, bringt ihn nur Fliegendreck auf dem weißen Lack seines Golf GTI aus der Ruhe.

Klar, dass da Welten aufeinanderprallen. Da konnte selbst die Selbsthilfegruppe für binationale Ehen nicht weiterhelfen. Jetzt ist nach 14 Jahren Schluss, auch wenn sich Martha bewusst ist, dass „Trennen für eine Frau in meinem Alter eine Mutfrage“ ist. Gute Männer sind eben dünn gesät. Jetzt hat Klaus eine Identitätskrise und Martha macht sich mit Meditationsübungen und „Liedern der Besinnlichkeit“ locker. „Ich bin gelöst, ich bin frei, ich bin in meiner Mitte“, heißt das Mantra, das sie alle fünf Minuten beschwörend wiederholt.

Der Name ihres Exmanns wird nicht mehr ausgesprochen, sondern nur noch gepfiffen. „Ich brauche keinen Ehemann nur einen Mann für dann und wann“, singt sie. Dazwischen wird gefeudelt und gefegt, was das Zeug hält. Zu dumm nur, dass der Klaus jetzt ständig mit der Kathi telefoniert. Und eigentlich gab es ja auch schöne Momente mit dem Klaus. Hat Martha etwa zuviel „Lappendruck“ aufgebaut?

Wer Margret Gilgenreiner als zwanghafte Putzfee auf der Bühne beobachtet, die ihre ganz und gar nicht besinnlichen Lieder mit aggressivem Geschrammel auf der Gitarre und resolutem Hacken auf dem Hackbrett untermalt, kriegt allmählich Mitleid mit Klaus. Mit ausladenden schwungvollen Gesten und vielsagender Mimik bringt sie die frisch getrennte Metzgereifachverkäuferin Martha auf die Bühne. Und sinniert dabei über Männer und Frauen sowie Zeiterscheinungen wie New Age und Veganismus auf so bodenständige Art, dass das Publikum immer wieder in Lachsalven ausbricht.

Gewürzt ist das ganze mit Liedern, die die Seelenlage der Martha gekonnt unterstreichen. Von nervig schrill bis besinnlich und still ist alles dabei.

Ursula Fröhlich

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