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Altstadt-Haus in Schongau wird fast komplett abgerissen

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Schongau - Mitten in der Schongauer Altstadt soll ein Haus nahezu komplett abgerissen und neu aufgebaut werden: Gerhard Wöhnl vom gleichnamigen Malergeschäft in der Münzstraße ist jetzt beim Schongauer Bauausschuss vorstellig geworden. Doch nur eine Variante kam bei den Stadträten gut an.

Wie alle Häuser in der Altstadt hat das Gebäude mit der Hausnummer 28 schon einige Jahre auf dem Buckel. Und das merkt man, vor allem in Inneren: „Bei mir regnet es rein“, sagte Wöhnl im Bauausschuss. Einige Bereiche des Hauses seien gar nicht mehr betretbar, weil Durchbruchgefahr besteht, ergänzte sein Architekt Manfred Ullmann. Deshalb soll das Haus bis auf ein Gewölbe im Keller nahezu komplett abgerissen und im Ensemble der Stadt neu aufgebaut werden. Weil der Ortstermin mit der zuständigen Mitarbeiterin der Denkmalschutzbehörde, die seit Monaten erkrankt ist, noch nicht geklappt hat, der Bauherr aber keine Zeit mehr verlieren will, wurde das Projekt jetzt als Voranfrage im Bauausschuss behandelt, um abzuklopfen, ob das grundsätzlich in Ordnung ist.

Für Stadtbaumeister Ulrich Knecht zumindest war es erfreulich, „dass Herr Wöhnl das Haus erwerben konnte und ein Geschäft in der Altstadt bleibt“. Von den zwei vorgelegten Umbau-Varianten konnte er sich aber nur mit einer anfreunden, die der derzeitigen Situation ähnelt. Das Haus würde 80 Zentimeter höher werden und mit zusätzlichen Giebeln und schmaleren Erdgeschoss-Fenstern aufwarten. Bei der anderen Version („Wir wollten einfach mehrere Möglichkeiten aufzeigen“, so Ullmann) wäre der Giebel gedreht, ähnlich den Nachbarhäusern. „Da wäre aber die Dachneigung zu flach, das passt nicht zu den Nachbarhäusern“, sagte Knecht. Und außerdem lebe die Altstadt vom Wechsel zwischen Giebel- und Traufseite. Er betonte aber, dass der Denkmalschutz dabei ein gewichtiges Wort mitzureden habe.

Michael Motz (UWV) wollte vor einer Festlegung wissen, welche Variante für den Bauherrn besser wäre. „Wir könnten mit beiden leben“, antwortete Ullmann. So oder so müsse ein massiver Eingriff her, weil das marode Gebäude nicht mehr zumutbar sei. Die verkleinerten Schaufenster seien ein positiver städtebaulicher Aspekt, und die Anhebung würde besser zum Nachbargebäude passen, das in den 60er Jahren aufgestockt wurde. Und auf die Idee mit der neuen Ausrichtung sei man gekommen, weil es früher so gewesen sein könnte. „Im Stadtarchiv haben wir dazu leider keine Unterlagen gefunden“, sagte Ullmann.

Knecht plädierte trotzdem dafür, die bestehende Situation mit der traditionellen Variante aufzunehmen, ebenso wie Kornelia Funke (CSU) und Robert Bohrer (SPD. Und auch für Helmut Schmidbauer (CSU), gleichzeitig Kreisheimatpfleger, war klar: „Ohne dem Denkmalschutz vorgreifen zu wollen, aber die Optik muss gewahrt werden. Herr Knecht hat Recht, diese Abwechslung zwischen Giebel und Traufe ist die Identität der Altstadt und der Sinn des Ensembles.“ Der Wechsel könne nicht funktionieren. Der Beschluss fiel schließlich einstimmig.

Ullmann hofft, dass die Besprechung mit dem Denkmalschutz möglichst schnell klappt. Denn die Zeit drängt, spätestens vor der Sommerpause soll der endgültige Bauantrag genehmigt sein. Im Herbst, so der ambitionierte Zeitplan, soll der Rohbau bereits stehen.

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