Kritisch stehen die Rottenbucher dem geplanten Asylheim in der Ammermühle gegenüber. Hier ein Foto von der Bürgerversammlung. foto: ab

Asylbewerber in Rottenbuch und Wildsteig

Ammermühle: Gemeinde will Fußweg

Rottenbuch - Gemeinde stellt Forderungen ans Landratsamt – Mobilität der Bewohner ist ein Problem. Deshalb wird ein Fußweg benötigt.

Es ist ein Spagat, den Rottenbuchs Rathauschef Markus Bader in Sachen Ammermühle zu vollziehen hat. Auf der einen Seite vertritt die Gemeinde „weiterhin die Meinung, dass die Unterbringung von 100 Flüchtlingen in abgelegener Lage in einem kleinen Dorf unverhältnismäßig ist“. Aber auf der anderen Seite erkenne man „die Bemühungen und die Zwangslage des Landkreises Weilheim-Schongau“. So steht es im neuen Positionspapier, dass Bader mit seinem Gemeinderat abgestimmt hatte und nun an Landratsamt und Regierung von Oberbayern schickte – es soll Grundlage der Zusammenarbeit zwischen ehrenamtlichen Helfern und staatlichen Stellen sein.

Zähneknirschend hat also die Kommune das Asylheim akzeptiert. Doch die Rottenbucher machen deutlich, dass es für sie noch Probleme gibt, die unbedingt zu lösen sind. Bader sprach diese in der Bürgerversammlung gegenüber Landrätin Andrea Jochner-Weiß und Regierungs-Vizepräsidentin Maria Els an. Drei Forderungen stellt die Gemeinde: Die Betreuung muss passen, ein Fußweg hoch ins Dorf soll her, und es brauche Regelungen für das sensible Ammer-Gebiet.

Gerade die Betreuung brennt unter den Nägeln. Grundsätzlich seien die Bürger bereit, sich ehrenamtlich zu engagieren, so Bader. Aber: Bei einer Größe wie der Ammermühle „muss hauptamtliche Unterstützung der Menschen im Mittelpunkt stehen“. Kreisbehörde und Regierung scheinen der Gemeinde entgegenzukommen: Wie berichtet, sollen durch eine Verwaltungseinheit von Ammermühle und den zwei Unterkünften in Schongau drei volle Stellen geschaffen werden. Auch eine ganze Sozialpädagogenstelle kann es dank des finanziellen Einspringens des Landkreises geben. Zudem ist die ärztliche Versorgung laut Jochner-Weiß gesichert: Mit Ärzten wurde verhandelt, diese bieten Sprechstunden in der Ammermühle an – zu der dann auch Flüchtlinge aus Wildsteig gebracht werden.

Landkreis kaufte Ammermühle

Größtes Problem dürfte aber die Mobilität der Bewohner werden. Der vorhandene Fußweg ins Dorf ist ein Umweg, der wohl kaum genutzt wird, mahnte Bader. Es sei zu befürchten, dass die Ammermühle-Bewohner die unübersichtliche Staatsstraße nach Rottenbuch nutzen. „Deshalb ist ein neuer Fußweg unerlässlich.“ Darauf hat laut Bader auch die Polizei hingewiesen. Doch der Bau „ist nicht so einfach“, wies die Landrätin auf die ungeklärte Grundstückssituation hin. Auch brauche es erstmal eine Kostenschätzung.

Was die Ammer betrifft, ist noch keine Entscheidung getroffen. Das Areal ist FFH-Schutzgebiet und einige Stellen beliebte Badeplätze bei den Einheimischen – Schwarzfischerei, Feuerstellen und Müllentsorgung müssen deshalb verhindert und die Bademöglicheiten offen bleiben, fordert die Gemeinde. „Wir haben momentan keine Absichten, dass der Zugang eingeschränkt wird“, gab Regierungsvertreterin Els zwar bekannt – allerdings wies sie auf die tragischen Badeunfälle mit Asylbewerbern in jüngster Zeit hin.

Dass Security patrouillieren wird, schließt Els derzeit aus. So was sei in Gemeinschaftsunterkünften „eigentlich nicht vorgesehen“. Die Polizei habe die Erfahrung gemacht, dass es „keine besonderen Auffälligkeiten“ gibt. Allerdings hält sich die Regierung bei Problemen eine Tür offen: „Wir schließen nicht aus, dass man einen temporären Wachdienst einsetzt.“ andreas baar

Im Internet zu finden

Das Positionspapier gibt es unter www.rottenbuch-boebing.de.

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