Ende einer Ära: Am Donnerstag fand der vorerst letzte Amtstag des Amtsgerichts Weilheim im Dachgeschoss des Schongauer Rathauses statt. Bürgermeister Karl-Heinz Gerbl verabschiedete und dankte bei dieser Gelegenheit Rechtspfleger Max Martin für die bürgernahe Arbeit in den vergangenen viereinhalb Jahren. foto: spe

Amtstag gestrichen: Justitias letzte Bastion ist gefallen

Schongau - In Schongau ist eine weitere Ära zu Ende gegangen. Letztmalig beriet Rechtspfleger Max Martin die Bürger des westlichen Landkreises im Rathaus in Nachlassfragen.

„Hintergrund der Maßnahme ist, dass Herr Martin künftig nur noch 60 Prozent arbeitet. Wenn er dann noch einen Tag in Schongau wäre, würde sich das arbeitstechnisch bei uns nicht mehr ausgehen“, klärt Michael Eberle, stellvertretender Direktor des Amtsgerichts Weilheim, auf. Ob an einen Nachfolger gedacht ist, der Martins Arbeit in Schongau übernehmen könnte? „Derzeit sicher nicht“, so Eberle, der aber noch nicht vorausgreifen möchte - und auch nicht kann. „Das kommt auf unsere künftige Personalausstattung und auch auf die Bereitschaft des Rechtspflegers an“, sagt der Vize-Direktor, der deutlich macht, „dass wir Probleme hätten, einen Rechtspfleger, der aus München kommt, bis nach Schongau zu lotsen“. Anders verhalte sich dies, „wenn ein potentieller Bewerber wieder aus dem Schongauer Raum kommt“.

Max Martin sieht den Abschied aus Schongau mit einem lachendem und einem weinenden Auge. Lachend deshalb, „weil ich in Altersteilzeit gehen darf“, weinend, „weil natürlich wieder ein Stück Bürgerservice verlorengeht“.

Zur Chronologie. Nachdem die Zweigstelle des Amtsgerichts Weilheim im September 2007 geschlossen worden war, blieb eine letzte Bastion des Amtsgerichts in der Lechstadt erhalten - der Amtstag des Nachlassgerichts am Donnerstag.

Max Martin hatte deshalb beim damaligen Bürgermeister Friedrich Zeller vorgesprochen, der sofort einwilligte, ein Büro im Dachgeschoss des Rathauses zur Verfügung zu stellen - noch dazu kostenlos. Nachfolger Karl-Heinz Gerbl behielt die Linie bei, stellte den Raum ebenfalls kostenfrei zur Verfügung, berechnete auch keine Strom- , Heizungs- und Wasserkosten. „Uns war ja dringend daran gelegen, wenigstens diesen Service aufrechtzuerhalten“, erklärte er gestern zum Abschied Martins. Der wusste übrigens noch so einiges zu erzählen über die vergangenen fast viereinhalb Jahre. Zwischen zwölf und 16 feste Termine seien des jede Woche gewesen, die er wahrgenommen hätte, dazu seien noch zahlreiche Bürger gekommen, die nicht angemeldet waren. Und da nahm es Martin mit den Amtszeiten auch nie so genau. „Wenn jemand erst um 17 Uhr Zeit hatte, hat er auch noch einen Termin bekommen“, blickt er zurück. Und erzählt dabei, dass er sich im Rathaus stets wohl gefühlt habe. „Ich hatte kein Luxusbüro, aber das habe ich auch nicht gebraucht“, gibt er sich bescheiden.

Und wie schaut’s mit Gefährdungspotential aus? „In meiner Zeit hat’s nie etwas gegeben, ich wurde nie bedroht oder gar körperlich angegangen“, erzählt er, um dann noch anzufügen: „Dass so etwas aber hätte durchaus passieren können, zeigt ja das Beispiel des Doppelmords in Krailling. Für den waren schließlich auch Erbschaftsstreitigkeiten ursächlich.“ Angst habe er im Rathaus allerdings nie gehabt.

Bei der Verabschiedung durch den Hausherrn, Bürgermeister Karl-Heinz Gerbl, war aber gestern auch eine gehörige Portion Wehmut im Spiel.

Gerbl will nun alles daran setzen, dass es wieder einen wöchentlichen Amtstag gibt. Auch wenn das vermutlich schwierig werden dürfte.“

spe

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