Georg Preisinger erinnert sich gut an die Gemeindereform.

Amtstag war in Sachsenried früher immer sonntags im Wohnzimmer des Bürgermeisters

Sachsenried - Georg Preisinger, Sohn des letzten Sachsenrieder Bürgermeisters, erinnert sich an die Zeit vor der Eingemeindung

Eigentlich ist der Blick von Georg Preisinger immer nach vorn gerichtet. „Das ist noch ein Relikt aus meiner Zeit bei der Sparkasse“, verrät der 68-jährige, der ein Sohn des letzten Sachsenrieder Bürgermeisters Josef Preisinger ist. Jener wurde nach 30-jähriger Amtszeit zwischen 1948 und 1978 quasi Opfer der Gemeindereform. „Aber durch die Gebietsreform war er ja vorgewarnt, überraschend kam das nicht“, erinnert sich der Sohn an die Geschehnisse von damals.

Und überhaupt, der Vater sei damals schon 69 Jahre alt gewesen und damit „als Bürgermeister quasi auf dem Absprung“. Zudem sei die Arbeit für ihn auch nicht mehr zu bewältigen gewesen, nachdem das neue Gesetz für Standesamt und Meldewesen gegriffen habe. „Mein Vater hat damals noch ohne Verwaltung gearbeitet, war gewissermaßen ein Ein-Mann-Rathaus.“ Am Sonntag zwischen 10 und 12 Uhr war immer Amtstag. Im privaten Wohnhaus. „Das Zimmer war für uns immer tabu, weil er es rein als Amtszimmer genutzt hat“, erinnert sich Sohn Georg. Nach den Gesetzesänderungen war das Geschichte.

Problematisch sei der Übergang damals aber nicht gewesen, „es gab bis heute keine Missstimmung, weil wir nie benachteiligt wurden“. Was er damit meint, sind die Regentschaften der drei Bürgermeister, die bis heute das gemeindliche Zepter für Schwabsoien und Sachsenried in Händen hielten - Anton Berkmüller, Willi Helmer und der heute noch amtierende Konrad Sepp. Ihnen sei in erster Linie zu verdanken, dass die Stimmung nicht aufgewühlt war, „weil sie Schwabsoien und Sachsenried absolut gleich behandelt haben“.

Vielmehr habe die Sachsenrieder damals bewegt, „ob wir zu Ingenried oder Schwabsoien kommen“. Das sei lange nicht klar gewesen. Und in der Bevölkerung sei die Stimmung wechselhaft gewesen. „Die einen tendierten mehr nach Ingenried, die anderen mehr nach Schwabsoien.“

Sich mit anderen zu arrangieren, damit hatten die Sachsenrieder schon Erfahrung. „Es gab vor der Gebietsreform schon einen Schulverband mit Schwabsoien und Schwabbruck, der gut funktioniert hat“, erzählt Preisinger. Als dann die Volksschule aufgelöst wurde, seien die Kinder nach Schwabsoien gewechselt. Preisingers Töchter beispielsweise besuchten die Schule in Schwabsoien, „was sich auch in den Kontakten niedergeschlagen hat“. Er selbst hat vergleichsweise wenig Berührungspunkte mit Schwabsoien, „meine Tochter wegen ihrer Schulzeit hingegen einige“. Und dann ergänzt er noch: „Der Schulverband hat die Kinder zusammengebracht, da ist viel gewachsen.“Als positiv für das Zusammenwachsen habe sich auch erwiesen, „dass es immer gute Wahlergebnisse für Sachsenried gab. Das hat sicher geholfen.“

Alles in allem habe sich grundsätzlich aber nicht viel verändert. „Die Vereine sind genauso eigenständig wie vor der Reform, man versteht sich aber untereinander.“ Rathauschef Konrad Sepp kann das nur bestätigen. „Die Sachsenrieder sehen sich auch heute noch sehr eigenständig. Aber das soll ja auch so sein“, meint er, um noch anzufügen: „Aus der Zwangsehe ist mittlerweile eine Vernunftehe geworden.“

Auch kirchlich ist man übrigens bisher getrennt gefahren. „Pater Victor hat sowohl in Schwabsoien wie auch in Sachsenried gepredigt.“ Das ändere sich erst jetzt dank des Sprengels mit Altenstadt. „Dann wird’s vermutlich nicht mehr jeden Sonntag einen Gottesdienst in Sachsenried geben.“

Georg Preisinger ist und bleibt indes ein überzeugter Sachsenrieder. „Wenn ich einen Brief schreibe, steht immer Sachsenried auf dem Kuvert. Ich denke, dass wird bei meiner Tochter anders sein.“ Eine Abneigung gegen Schwabsoien will er davon aber nicht abgeleitet wissen. Und er sagt: „Wer nimmt schon gern einen Verlust hin?“

stephan penning

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