EU beschließt Verbot von Einweg-Plastik

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Da passen heute zwei Antons rein: Anton Mayr mit einer XXL-Jeans, die er vor seiner Abnehmkur trug. Daneben seine Ernährungsberaterin Marita Fischer.

Anton Mayrs unglaubliche Abnehmgeschichte

Peiting - In der Fastenzeit wird viel über Enthaltsamkeit und Abnehmen geredet. Der Peitinger Anton Mayr (56) hat gehandelt – und innerhalb von nur fünf Monaten unglaubliche 50 Kilogramm Gewicht verloren. Sein Geheimrezept? Er ernährt sich gesund – zum ersten Mal in seinem Leben.

„Mei, Du hast ja abgenommen“ – diesen Spruch hat Anton Mayr aus Peiting in den vergangenen Wochen oft gehört. Er lächelt dann etwas verlegen, gibt vielleicht schüchtern Antwort. Doch er freut sich darüber. Denn einen anderen, weniger schönen Spruch musste er zuvor jahrzehntelang ertragen: „Du bist zu dick.“

Mayr wusste das, schließlich war es schon immer so. „Meine Eltern waren dick, ich auch. Übers Essen musste ich mir nie Sorgen machen“, sagt er. Das blieb auch so, als er seinen Geburtsort Peiting im Kreis Weilheim-Schongau verließ und nach München zog, wo er als Busfahrer arbeitete. Unregelmäßige Essenszeiten, viel Fleisch – Mayr hat sich über seine Ernährung keine Gedanken gemacht. „Ich wusste nie, wo und was ich esse. Kantinenessen, Metzger – immer haben andere Leute für mich gekocht.“

Zwischendurch hat Mayr, wie so viele Übergewichtige, mal die ein oder andere Diät ausprobiert, Slimfast, Weight Watchers, doch viel gebracht hat es nicht: Nahm er einige Pfunde ab, waren sie kurz später wieder drauf. Seit zwölf Jahren geht er ins Fitnesstraining, wegen seiner Bandscheiben, doch fürs Gewicht hat das nichts gebracht. Wenn ihm mal wieder jemand den „Du bist zu dick“-Satz ins Gesicht geschleudert hatte und Mayr fragte, was er denn machen solle, kam immer wieder die Antwort: „Weniger essen.“ Als ob das so leicht wäre. Denn es geht vor allem ums gesund essen. Aber das wusste Mayr damals noch nicht.

1,76 Meter groß, 120 Kilo schwer. Das waren bis vor kurzem Anton Mayrs Maße. 1,76 Meter ist er auch heute noch groß: Allerdings wiegt er jetzt nur noch 67 Kilo.

Ins Grübeln kam er erst, als er vergangenes Jahr in sein Elternhaus nach Peiting zurückgekehrt war und zum Hausarzt ging. 120 Kilo wog Mayr mittlerweile, bei einer Größe von 1,76 Meter – „der Doktor hat gesagt, dass ich kurz davor stehe, zum Diabetiker zu werden“. Diese Erkenntnis war ein Schock für den 56-Jährigen. Dauerhaft krank zu werden, „das war ein Albtraum für mich“. Vergangenen August ging er schließlich auf Abnehm-Kur, dort purzelten acht Kilo. „Das war schon toll, man bekommt da alles erklärt. Aber letztlich ist es praxisfremd, denn danach steht man wieder allein da.“

Daheim schlich sich schnell wieder der Alltag ein, der Leberkäs, die Wurst, es ging wieder schleichend nach oben mit den Pfunden und bergab mit der Gesundheit. In seiner Verzweiflung tauchte Mayr zwei Wochen später wieder bei seinem Hausarzt auf, bat um Hilfe. „Schließlich hat er gesagt: Gehen Sie zu Frau Fischer.“ Das sollte Mayrs Leben von Grund auf verändern. Marita Fischer, Krankenschwester und Ernährungsberaterin, betreibt in Peiting „Medio-Reduce“, eine Praxis zur medizinisch-biologischen Gewichtsabnahme.

Die 51-Jährige hat schon viel gesehen, aber so einen Fall wie Anton Mayr noch nie. „Er hatte überhaupt keine Ahnung von Ernährung und wie man ein Essen zubereitet, er hatte noch nicht mal einen Kochtopf daheim“, sagt sie. Dass jemand keine Lust zum Kochen hat, in Ordnung, aber kein Kochtopf? Als sie ihm erklärte, er müsse künftig täglich selber kochen, „ist fast eine Welt für mich zusammengebrochen“, erinnert sich Mayr. Bei ihm musste Fischer ganz von vorne anfangen.

In ihrer Praxis hat sie zwei kleine Körbchen mit leeren Lebensmittelschachteln von verschiedenen Peitinger Supermärkten. Mayr musste sich anschauen, was für Lebensmittel es überhaupt gibt, und dann Einkaufen gehen – zum ersten Mal in seinem Leben, um sich ein Essen selbst zuzubereiten. „Natürlich war ich ewig lang unterwegs und musste dauernd die Verkäuferinnen fragen. Aber es war beeindruckend“, sagt Mayr. Seit Anfang September ist sein Essensablauf strukturiert. Er isst regelmäßig, nicht irgendwann zwischendurch. Und er weiß, „dass dauerhaft ein fettes Wammerl ihm einfach nicht gut tut“, so Fischer.

Mayr isst jetzt viel Gemüse und Obst, oft mageres Fleisch und Fisch, zubereitet im Kontaktgrill. „Das ist wie ein Waffeleisen für Fleisch“, erklärt der 56-Jährige. „Da kann man mit wenig Fett arbeiten und es geht schnell.“ Drei Exemplare hat er bereits aufgearbeitet, und ein großer Koch wird aus ihm wohl nie werden. Aber das muss auch nicht sein. Fischer betreute Mayr bei seinen zwei Besuchen pro Woche, die Ernährung wurde perfekt auf ihn eingestellt – bei einem jüngeren oder sportlicheren Typ würde es ganz anders aussehen. „Sein Körper läuft auf Hochtouren, deshalb ist es wichtig, dass er regelmäßig isst, damit es ihm gesundheitlich gut geht“, sagt Fischer.

Mayr war sich anfangs nicht sicher, ob er durchhält. Doch er blieb tapfer, auch beflügelt durch die Erfolge: Manchmal hat er in drei Tagen 2,5 Kilo abgenommen. „Da sind natürlich viel Wasser und Ausschwemmungen dabei“, betont Fischer. Nach der kalorienreduzierten Diät kam die Aufbau- und Stabilisierungsphase, die Pfunde purzelten weiter. Mit 90 Kilo hat sich Mayr für Step-Aerobic angemeldet, seit Januar steht er stabil bei 67 Kilo. „Es gibt beim Abnehmen ja einen optischen und gesundheitlichen Aspekt“, sagt Fischer. Mayr würden fünf Kilo mehr optisch sicher nicht schaden, doch gesundheitlich sei es so optimal. „Er war krank, jetzt braucht er keine Medikamente mehr.“

Das habe ihm sein Facharzt auch bestätigt, freut sich Mayr: Die Blutwerte sind wieder alle im Normbereich. Trotzdem darf Mayr nie nachlässig sein. „Fettzellen sind fünf Jahre aktiv, man muss die Ernährung manifestieren“, warnt Fischer. Doch Mayr hat seine neuen Essgewohnheiten verinnerlicht. Wenn er tagsüber mal wegfährt, nimmt er sein Essen mit. Wenn er abends bei Freunden eingeladen ist, hat er gelernt, wie er sich tagsüber zu verhalten hat. „Er kann jetzt auch eine Pizza essen, aber nicht jeden Tag“, sagt sie. „Und er soll auch mal Kuchen essen, er muss ja keine Diät halten.“

Hunger hat Mayr keinen mehr. Nicht so wie früher, als er nicht gefrühstückt hat und dann die Heißhungerattacken kamen. „Ich werde immer satt“, so Mayr. So hat sich das Leben des 56-Jährigen in wenigen Monaten komplett gewandelt. Viele, die ihn vorher kannten, bewundern ihn für seine Leistung, manche seien sogar neidisch. „Man geht jetzt ganz anders auf mich zu, als Schlanker wird man anders behandelt, mehr respektiert.“ Im Aerobic zum Beispiel, da kann er jetzt viel besser mithalten. „Zuvor hing ich da herum wie das Leiden Christi.“ Dass er sich komplett neu einkleiden musste, war ein angenehmes Ärgernis für Mayr. „Früher war es ein großes Problem, überhaupt Klamotten in der Größe zu bekommen.“ Er musste in spezielle Geschäfte, „das war schlimm“. Zuletzt hatte er Hosenweite 62. Eine 58er Hose hat er noch aufgehoben – als Erinnerung an eine Zeit, die noch gar nicht so lange her ist.

An ein anderes Leben.

Boris Forstner

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