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Das Heftchen der Kirche bringt Isabella La Rosa mit ans Krankenbett. Trost spendet den Patienten aber vor allem das Gespräch mit der Apfeldorferin. 

Serie: Ehrenamt im Porträt

Die gute Fee am Krankenbett

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In der Kirche, bei der Feuerwehr oder in anderen Vereinen und Institutionen: Ohne Ehrenamtliche würde in der Gemeinschaft nichts richtig funktionieren. Was bewegt diese Menschen, die unentgeltlich einen großen Teil ihrer Freizeit der Allgemeinheit opfern? In einer Serie stellen wir in loser Reihenfolge Ehrenamtliche aus dem Altlandkreis Schongau vor, die seit Jahrzehnten tätig sind. Heute: Isabella La Rosa aus Apfeldorf.

Apfeldorf– Wer aus Apfeldorf kommt und sich das Bein bricht, darf sich getrost auf einen Besuch von Isabella La Rosa freuen. Die 49-jährige Apfeldorferin fährt seit Jahren zu ihren Mitbürgern ins Krankenhaus, weil es ihr ein Bedürfnis ist. „Es gibt mir total viel, wenn ich die Leute ein paar Stunden aufbauen kann und sie mich anlachen“, sagt La Rosa.

Offiziell macht die Frisörin, die auch im Zimmereibetrieb ihres Mannes mitarbeitet, die Besuche im Dienst der Kirche. Deshalb hat sie auch immer ein kleines Hochglanzheft dabei, das mit Gedichten und anderen Texten den Kranken Trost spendet. Die Apfeldorferin bringt den Kranken aber immer auch etwas Persönliches mit. Oft ist es Schokolade, berichtet La Rosa. Die 49-Jährige ist eine gebürtige Apfeldorferin und im Ort aufgewachsen. Sie kennt jeden Winkel im Dorf. Da sie obendrein beim örtlichen Frisör arbeitet, kommt ihr meistens schnell zu Ohren, wenn jemand im Krankenhaus liegt.

Für Besuche nimmt sie auch weite Wege in Kauf

Für die Besuche nimmt die 49-Jährige mitunter weite Wege in Kauf. Zumeist ist sie zwar in den Krankenhäusern in Schongau, Landsberg und Weilheim zu Gast, aber sie fährt auch schon mal nach Garmisch oder Murnau, wenn dort ein Apfeldorfer oder eine Apfeldorferin im Krankenbett gelandet ist. La Rosa macht das rein ehrenamtlich, sogar den Sprit zahlt sie selbst. „Ich mache es gerne und erwarte nichts.“

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Nicht immer sind die Besuche für die 49-Jährige erfreulich, es gibt auch schwere Schicksale. „Damit musst du umgehen können“, weiß die Mutter von zwei erwachsenen Kindern. Die Apfeldorferin ist mit diesen Situationen aber nicht allein. Bei regelmäßigen Treffen der Pfarreiengemeinschaft Lechrain kann sie sich mit ihren ehrenamtlichen Kollegen der Nachbarorte austauschen. „Und es gibt natürlich auch Fortbildungen“, sagt sie.

Die Besuche im Krankenhaus sind ihr ans Herz gewachsen

Übernommen hatte La Rosa den Krankenhausbesuchsdienst der Pfarrei vor etwa sieben Jahren von ihrer Vorgängerin Edeltraud Ehle, die sich seitdem mehr den Jubilaren widmet und bei runden Geburtstagen zum Gratulieren kommt. Die Besuche im Krankenhaus – ein bis zweimal pro Monat macht sich La Rosa auf den Weg – sind ihr ans Herz gewachsen. Vor allem schätzt sie die „sehr persönlichen Gespräche, die oft auch in die Tiefe gehen“, sagt die Apfeldorferin. Dafür nimmt sich die 49-Jährige soviel Zeit, wie nötig ist. Drei Stunden sind keine Seltenheit. Die Patienten können sich ihren Kummer von der Seele reden und sich La Rosas Diskretion absolut sicher sein. „Es bleibt zu 100 Prozent da“, versichert sie.

Ein Bewunderer der Apfeldorferin ist unter anderen Bürgermeister Georg Epple, der der 49-Jährigen größten Respekt zollt. Denn sie besuche nicht nur die Kranken, sondern helfe bei Bedarf den Menschen auch bei Erledigungen, Besorgungen und sonstigen Bedürfnissen, weiß er. Diese freiwillige Hilfe könne nicht hoch genug bewertet werden, findet der Rathauschef. „Zumal es meist Menschen sind, die nicht von Angehörigen betreut werden können, weil sie zu weit entfernt wohnen oder niemand mehr für den Personenkreis da ist.“

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