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Nach Großbrand auf Bauernhof: Familie in Schockstarre - „Das war ein Inferno“

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Von: Barbara Schlotterer-Fuchs

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Ein Bild der Zerstörung am „Gäßele“ in Ober-Apfeldorf: Das frühere Bauernhaus samt Stadel liegt nach den Löscharbeiten in Schutt und Asche.
Ein Bild der Zerstörung am „Gäßele“ in Ober-Apfeldorf: Das frühere Bauernhaus samt Stadel liegt nach den Löscharbeiten in Schutt und Asche. © Hans-Helmut Herold

Ein Brand hat ein Haus in Ober-Apfeldorf zerstört. Die Familie steht vor dem nichts. Doch das wichtigste konnten die Bewohner retten: ihre Leben.

Apfeldorf – Ein Gerippe, die Fassade verkohlt: So stehen sie da, die Überreste des Hauses in Ober-Apfeldorf am Morgen nach der Brand-Katastrophe. An den Fassaderesten läuft das Löschwasser herunter, das am Montagabend bis 20 Uhr hektoliterweise in das brennende Gebäude gespritzt werden musste. Verkohlte Holzbalken, zerbröselte Dachziegel, eine verkokelte Rechnung, zwischen den Haufen persönliche Unterlagen in kaputten Schnellheftern: Die Stimmung ist düster am Morgen nach einer langen, kalten Nachtwache, die den Feuerwehrmännern in den Gliedern steckt.

Nach Brand-Katastrophe: Familie steht vor dem Nichts

Vor den Trümmern seiner Existenz steht 24 Stunden nach Ausbruch des Brandes Roland Bayer. Viele glückliche Jahre hat er hier gewohnt. Heute blickt er wie in Schockstarre auf das, was ihm und den Kindern geblieben ist. „Meine Frau, mein Sohn und ich sind im Wohnzimmer gesessen und haben gefrühstückt“, erzählt er von dem Morgen, der sein Leben und das seiner Familie von Grund auf verändern sollte. Es klingelt an der Haustür. Ein Bekannter steht da. „Der hat gesagt: Bei Euch brennt’s!“

Großbrand: Nachbar rettet Bewohner - „Wäre das nachts passiert, hätten wir keine Chance gehabt“

Roland Bayer schnappt sich einen Feuerlöscher, rennt zur Tenne. „Da hat es schon lichterloh gebrannt.“ Dort, wo jetzt alle Maschinen zum Holz machen nur noch schemenhaft zu erkennen sind, der neue Bulldog in Schutt und Asche liegt, dort ist nichts mehr zu retten, erkennt der Familienvater schnell. Er weiß: Jetzt muss es schnell gehen. „Wir haben nur noch geschaut, dass wir rauskommen.“ Schließlich wohnt er im Gebäudeteil, das an die Scheune angrenzt.

Mitgenommen haben die Bayers nichts. Was Roland Bayer an diesem Tag am Leib trägt, hat er von einem Bekannten zum Anziehen bekommen, erzählt er. Eines allerdings, das haben er, seine Frau und der Sohn gerettet: ihr Leben. „Gott sei Dank. Wäre das nachts passiert, hätten wir keine Chance gehabt. Rauchvergiftung, dann bist weg und verbrennst.“ Ein bitterer Trost.

Kaum mehr zu erkennen: Vom Traktor für Holzfällarbeiten ist nicht mehr viel übrig.
Kaum mehr zu erkennen: Vom Traktor für Holzfällarbeiten ist nicht mehr viel übrig. © Hans-Helmut Herold

Untergekommen ist die Familie in einer Ferienwohnung in Apfeldorf. Die Heimat am „Gäßele“ dürfte so in dieser Form nie mehr bewohnbar sein. So viel steht fest. Roland Bayer steht da und wartet. Auf die Brandermittler. Er darf ja nicht mal rein in die Überreste vom Haus, schauen, was vielleicht noch übrig ist vom alten Leben – die Brandstelle ist großzügig mit Flatterband abgesperrt.

Dass er von den Brandermittlern der Kripo bis dato noch nichts gehört hat, dürfte auch daran liegen, dass es alleine im Zeitraum von Montag bis Dienstag immerhin sieben Brände im Landkreis Landsberg gegeben hat. Unter anderem auch in Kinsau, wo in der Nacht, als die Apfeldorfer Brandwache hielten, die Kameraden aus dem benachbarten Kinsau um 3 Uhr morgens zu einem Garagen-Brand ausrücken mussten.

Großbrand auf Bauernhof: Nachbar entdeckt Rauchsäule über Tenne

Die Sirenen haben auch Nachbar Anton Erhard wieder aus dem Schlaf gerissen. Ungläubig blickt er auf das, was vom Haus der Bayers übrig ist. „Wir haben ja wahnsinnig Angst gehabt, dass das Feuer wegen dem Wind übergreift auf unsere Seite.“ Auch er ist gerade beim Frühstücken, als er beim Freisitz hinausschaut – und stutzig wird wegen einer Rauchsäule, die da über dem Himmel hängt. „Da hab ich schon gesehen, dass am Brettermantel der Tenne Feuer ist.“ Hinüber traut er sich nicht mehr. „Da war alles voller Rauch“, erinnert er sich. „Das war ein Inferno.“

Wie gefährlich nicht nur der Rauch ist, bekommt ein Apfeldorfer zu spüren, der helfen will. Als er einen Kompressor herbeischaffen will, muss er am brennenden Stadel vorbei. „Bei dem hat sich die ganze Haut von der Backe abgelöst“, erklärt einer von vielen, die am gestrigen Dienstag fassungslos am Brandort vorbeischauen.

Und ein Schicksalsschlag für die Nachbarn. „Das ist schon was, wenn du deine Heimat verlierst“, sagt er traurig. Wie andere Apfeldorfer ist auch Erhard schon am überlegen, wie er der Familie helfen kann. „Bei uns auf dem Dorf, da funktioniert so was noch.“

Bauernhof in Flammen: Westwind erschwerte die Löscharbeiten

Gut funktioniert hat der Riesen-Einsatz mit 150 Helfern am Montag insgesamt, zieht der Apfeldorfer Feuerwehrkommandant Bilanz. Dank Birkländer Löschwasser-Fass, einer Leitung, die zum Ritzinger Weiher gelegt worden ist und der dorfeigenen Löschwasserreserven in einer alten Odelgrube, konnten die Flammen von allen Seiten bekämpft werden. Keine leichte Aufgabe für die Feuerwehrmänner: Vor allem der Westwind sei eine Herausforderung gewesen. „Die Nachbar-Bebauung war in Gefahr.“

Zudem hatte der Wind immer wieder das Feuer unter dem Dach entflammt – zuletzt um 2 Uhr morgens. Nach einer arbeitsintensiven Feuerwache ging es am gestrigen Dienstag weiter für die Feuerwehr in Apfeldorf. Die Aufräumarbeiten vor Ort zogen sich bis zum Abend hin.

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