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So könnte es von außen aussehen, das geplante Dorfgemeinschaftshaus in Apfeldorf. 

Dorfgemeinschaftshaus

Apfeldorfer schaffen einen „echten Dorfmittelpunkt“

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Die Pläne für das Dorfgemeinschaftshaus Apfeldorfs werden konkreter: Architekt Thomas Barbist war in der jüngsten Gemeinderatssitzung zu Gast, im Gepäck hatte er mehr Details über die Planung und Antworten auf Fragen. Die Gestaltung stößt auf Gefallen, die Kosten sind nachvollziehbar – bald ist eine Entscheidung gefragt.

Apfeldorf – Eineinhalb Stunden hat man sich in der jüngsten Sitzung des Apfeldorfer Gemeinderates dem Thema Dorfgemeinschaftshaus gewidmet – und das war es wert: Architekt Thomas Barbist – bei der Sitzung zuvor wegen Bandscheibenvorfalls verhindert – war aus Tirol angereist und räumte bei seiner Präsentation zahlreiche Zweifel aus.

Die wichtigste Antwort betraf die Frage um die Kosten, die viele Gemeinderatsmitglieder umtrieb: „Ja, es ist alles in den 3,7 Millionen Euro drin“, bestätigte Barbist. Sprich: auch Vollwärmeschutz, Fenster, Heizung, Lüftung und Elektroinstallation und ein neuer Turnhallenboden. Dafür bekommen die Apfeldorfer ein repräsentatives Dorfgemeinschaftshaus, in dem große Veranstaltungen – mit Bestuhlung – mit bis zu 120 Besuchern durchgeführt werden können.

Architekt: In den Kosten von 3,7 Millionen Euro „ist alles drin“

Barbist waren einzelne Anmerkungen mitgeteilt worden. „Da haben wir noch zwei, drei Adaptionen durchgeführt“, so der Planer. Wie etwa beim Landjugendraum ein eigener Zugang mit Treppe, Teeküche und Toiletten sowie zusätzlich eine Ausschachtung vor den Fenstern für mehr Belichtung.

Ein weiterer Vorschlag war ein Pellet- oder Hackschnitzelraum angrenzend an das Gebäude, da der Heizungsraum der Schule eventuell zu klein sein könnte. „Wir brauchen für die Versorgung von Dorfgemeinschaftshaus, Schule und Kindergarten eine Leistung von 300 Kilowatt. Und deswegen haben wir vorsichtig Raum für 120 Kubikmeter Pellets einberechnet“, so Barbist. Beim Dach, dessen Konstruktion vom Altbau bestehen bleibt, schlug Heinrich Keller vor, dass man die Statik angesichts der Schneelasten auch überprüfen solle.

Dorfgemeinschaftshaus erhält vertikale Lamellenfassade

Spannend wurde es bei der Erläuterung der Gestaltung: Das Hauptgebäude sollte mit einer vertikalen Lamellenfassade aus Lärchenholz mit etwa 80 Zentimetern Abstand verkleidet werden. Zum einen, um die Vor- und Rücksprünge im Altbau „optisch zu beruhigen“. Zum anderen, um für Beschattung im Inneren zu sorgen: ein Element moderner Architektur, das in den vergangenen Jahren immer mehr in Tirol und Vorarlberg Anwendung findet. Hier werde er noch Ansichtsbeispiele liefern, so Barbist.

Zu dem Gestaltungselement gab es zahlreiche Fragen: Naturholz oder behandeltes? Oder wie man die Fenster dann reinigt, und wie sieht es mit der Lebensdauer aus?

Bürgermeister schlägt Busfahrt vor, um ein Beispiel zu besichtigen

Apfeldorfs Bürgermeister Georg Epple schlug vor, eventuell „mit dem Bus hinzufahren, um ein Beispiel vor Ort zu besichtigen“. Auch zweiter Bürgermeister Gerhard Schmid stellte fest: „Man wird sich einigen Diskussionen stellen, wenn man so etwas Neues baut.“

Der neue Anbau soll mit Platten – wahlweise aus Kunststoff, Aluminium oder Eternit abwechselnd mit Holz – verkleidet werden. Dessen Eingangsbereich soll laut Planer „als Spannungsbogen“ in Sichtbeton entstehen. Dank Sandwichbauweise stellt dieser dann keine Kältebrücke dar.

Umbau ist mit 1,53 Millionen Euro der größte Posten

Schließlich die Kosten im Detail: Barbist schlüsselte diese so auf: 28 000 Euro Erschließung und Abbruch, 1,53 Millionen Euro Umbau, 390 000 Euro Baukonstruktion, technische Anlagen 450 000 Euro, Ausstattung (Bühne) 113 000 Euro, Außenanlagen 144 000 Euro und Baumehrkosten 738 000 Euro. Macht brutto 3,7 Millionen Euro.

Schmid wies darauf hin, dass man realistisch sein müsse und die Bausumme erfahrungsgemäß mehr werde. „Für mich ist das auch viel Geld. Doch bei dieser Kubatur bezahlen wir für einen Neubau bedeutend mehr. Was wir hier schaffen, ist ein echter Dorfmittelpunkt“, so Schmid.

In Sachen Förderung sei bereits mündlich eine förderfähige Summe von 1,9 Millionen Euro anerkannt, es komme noch ein Teil wegen der Schulnutzung dazu. Zeitnah werde man den Zuwendungsantrag stellen, um eine verlässliche schriftliche Zusage zu bekommen.

Bau des Dorfgemeinschaftshauses könnte im Juni 2020 starten

Als möglichen Baubeginn nannte Architekt Barbist den Juni 2020: Eingabeplanung, Genehmigung, Ausschreibungen und Detailplanung würden bis dahin viel Zeit fressen. Die Bauzeit setzte er mit einem Jahr an. „Und das ist sportlich kalkuliert“, so Barbist.

Der nächste Schritt wird nun sein, „die eigene Gemütslage der Gemeinderatsmitglieder zu überprüfen“, so Schmid. Und den Wissensstand mit den beteiligten Vereinen abzustimmen. Danach wird sich das Gremium zu einer separaten Sitzung über das Projekt zusammensetzen. „Voraussetzung ist natürlich, dass das Ganze finanzierbar ist“, sagte Schmid.

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Die hohe Summe von 3,7 Millionen Euro für das Dorfgemeinschaftshaus sorgte im Juni bei einigen Apfeldorfer Gemeinderäten noch für Bedenken.  

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Nachdem von Elternseite schon 16 Anmeldungen vorliegen, wird die Gemeinde Apfeldorf im nächsten Schuljahr eine Mittagsbetreuung für Schüler anbieten. Allerdings in Kinsau.

Schmankerl schmecken auch an einem heißen Sommertag: Über 1000 Besucher tummelten sich beim 11. Apfeldorfer Schmankerltag und ließen sich italienische Pizza, amerikanisches Pulled-pork oder chinesische Frühlingsrollen schmecken.

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