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Bei der Sitzung in der Mehrzweckhalle hat der Apfeldorfer Gemeinderat den Haushalt besprochen.

Haushalt beschlossen

Apfeldorf muss Geld zusammenhalten - Großprojekte weiter im Visier

  • Klaus Mergel
    vonKlaus Mergel
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Beim neuen Haushaltsentwurf im Apfeldorfer Gemeinderat ist klar geworden: Die Lechrainer müssen wegen Corona-bedingten Steuerausfällen mehr denn je das Geld zusammenhalten. Großprojekte wie Wasserversorgung, Dorfgemeinschaftshaus oder Feuerwehrhaus bleiben jedoch im Visier.

Apfeldorf – Eigentlich soll der gemeindliche Haushaltsentwurf im November des Vorjahres vorgestellt werden. Dass dies in Apfeldorf über ein halbes Jahr später erst geschehen ist, hat mit der Corona-Pandemie ausnahmsweise nichts zu tun. Sein Vorgänger Georg Epple, erklärte Bürgermeister Gerhard Schmid in der jüngsten Sitzung des Apfeldorfer Gemeinderates, habe es angesichts des Amtsinhaberwechsels für sinnvoll erachtet, dass „dies sein Nachfolger macht“.

Eine Haltung, die Schmid teilt: Seien es doch finanzielle Dinge, mit denen sich er und der neue Gemeinderat erst einmal auseinandersetzen müssten. Vor allem: Angesichts der Corona-Krise wäre ein früh verfasster Haushaltsentwurf ohnehin Makulatur.

Die jüngste Apfeldorfer Gemeinderatssitzung hatte daher etwas von einem Einführungskurs in kommunale Finanzen. Schließlich ist der Haushalt ein komplexes Thema, in das sich das neue Gremium erst einarbeiten muss. Der neue Rathauschef Schmid, selbst Profi in diesen Dingen weil Geschäftsleiter im Fuchstaler Rathaus, machte seine Sache ganz gut und erklärend. Und auch die Gemeinderäte waren durch die Bank gut vorbereitet und konzentriert. Dass bei der Sitzung in der Apfeldorfer Mehrzweckhalle die Akustik leidlich war, da nebenan die Trachtenkapelle probte, störte nicht groß – das führte eher zu einem gelegentlichen Schmunzeln.

Einnahmen sinken deutlich

Eines steht fest: Die Apfeldorfer müssen das Geld zusammenhalten – mehr noch als sonst. Statt 334 000 Euro Gewerbesteuer werden für das aktuelle Haushaltsjahr nur 115 000 Euro veranschlagt. Auch bei der Einkommenssteuer werden die Einnahmen vermutlich von gedachten 750 000 Euro auf 390 000 Euro sinken.

Der Verwaltungshaushalt wurde auf rund zwei Millionen Euro prognostiziert, der Vermögenshaushalt auf rund 2,7 Millionen Euro. Doch einige große Ausgaben, die aus den Projekten und deren Planung resultieren, müssen jetzt schon einberechnet werden: Darunter 200 000 Euro für ein neues Feuerwehrauto oder –haus, je nachdem. 25 000 Euro für das digitale Klassenzimmer, 345 000 Euro für die Erweiterung des Kindergartens, die bereits über die Bühne ist. Und 500 000 Euro für das Dorfgemeinschaftshaus, vorsorglich. 220 000 Euro Kostenbeteiligung am Straßenbau, 50 000 Euro für Kanalbefahrungen, 50 000 Euro für den neuen Bauhofstadel, der gemeinsam mit Kinsau genutzt werden wird. Eingeplant sind auch 100 000 Euro für die Planung des Trinkwasser-Hochbehälters.

Auch ein Darlehen wird benötigt

Um den Haushalt auszugleichen, müssten, so Schmid, 660 000 Euro aus den gemeindlichen Rücklagen entnommen und eine Gesamtsumme von 900 000 Euro an Darlehen aufgenommen werden. „Wir hoffen, dass wir das nicht wirklich brauchen, aber wenn es der Fall ist, sind wir gewappnet“, sagte Schmid.

Die Steuersätze werden folgendermaßen festgesetzt: Die Grundsteuer A liegt bei 330 Prozent von Hundert, die Grundsteuer B ebenfalls bei 330 und Gewerbesteuer bei 350.

Der Haushaltsplan wurde vom Apfeldorfer Gemeinderat einstimmig genehmigt. Aber wie gut sich die Gemeinderäte eingelesen hatten, zeigte sich an der Frage von Robert Frühholz: Wieso denn der Besuch aus Wehrheim – dem anderen Apfeldorf in Hessen, deren Delegation schon da war, im Haushalt stehe, wollte Frühholz wissen. Mit 4000 Euro verbucht für Bewirtung, Transfer und Getränke. Der Einwand war nicht abwegig: In Corona-Zeiten ist so eine Veranstaltung extrem unwahrscheinlich. „Mei, das steht halt noch vom Vorjahr drin“ gab Schmid zu. „Aber Ihr braucht jetzt keine Angst haben, dass ich allein nach Wehrheim fahre.“

Da eine eventuelle offizielle Partnerschaft mit der Gemeinde in Hessen an dieser Stelle angesprochen wurde, fügte er hinzu: „Mir ist Freundschaft wichtig, aber ein Feuerwehrauto und ein Dorfgemeinschaftshaus sind mir derzeit wichtiger.“

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