Schon vorbildlich: Am Rathaus in Apfeldorf stehen zwei Ladestationen für Elektroautos.
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Schon vorbildlich: Am Rathaus in Apfeldorf stehen zwei Ladestationen für Elektroautos.

Gemeinde muss dafür tiefer in die Tasche greifen, will aber als gutes Beispiel vorangehen

Apfeldorf will Ökostrom

  • Klaus Mergel
    vonKlaus Mergel
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Apfeldorf zeigt Flagge bei der Energiewende: Der Gemeinderat hat entschieden, den Energiebedarf der Gemeinde für die kommenden Jahre mit Ökostrom zu decken.

Apfeldorf - Es ist zwar noch keine Eile geboten, doch wer rechtzeitig ausschreibt, kann sparen. In der jüngsten Apfeldorfer Gemeinderatssitzung kam eine Bündelausschreibung auf den Tisch: Der Dienstleister Kubus schreibt demnächst die Stromversorgung für mehrere Gemeinden für die Jahre 2023 bis 2025 aus. Der Stromanbieter mit dem günstigsten Angebot erhält dann den Zuschlag. „Unser Vertrag läuft zwar erst in knapp zwei Jahren aus, aber wir müssten bis Monatsende wissen, was wir wollen“, sagte Bürgermeister Gerhard Schmid. Vor allem, welche Art von Strom.

Drei Varianten stünden, so Schmid, zur Auswahl: Normalstrom, der auch mit fossilen Brennstoffen erzeugt wird. Ökostrom, der aus nachhaltigen Quellen stammt. Und Ökostrom mit einer Neuanlagenquote, bei der in weitere regenerative Energien investiert wird.

Für Ökostrom müsse man laut Schmid wahrscheinlich circa 0,5 Cent mehr pro Kilowattstunde ausgeben, bei Ökostrom mit Neuanlage bis etwa einem Cent. Klar ist: Der Strom, der aus der Steckdose kommt, ist physikalisch der gleiche, wie Daniel Strommer in der Sitzung erläuterte: Und es stamme beim „Normalstrom“ ebenso ein Anteil aus regenerativen Quellen drin. Man zahlt als Kunde nämlich nur in einen bestimmten Topf beim Versorger ein, der genau diesen Anteil an Ökostromquellen betreibt.

„Ich finde das mit Ökostrom grundsätzlich richtig“, sagte Strommer, „aber ich frage mich, ob wir für das Geld nicht in ein eigenes nachhaltiges Projekt investieren sollten, etwa eine eigene Photovoltaikanlage.“ Denn: Auch wenn vom Centbereich die Rede sei, habe Apfeldorf mit seinen Liegenschaften einen Jahresverbrauch von etwa 200 000 Kilowattstunden. Da mache ein halber Cent pro Kilowattstunde mehr schon tausend Euro pro Jahr aus. Einerseits.

Andererseits: „Das ist schon alles richtig“, sagte Rathauschef Schmid. „Man sollte aber meiner Ansicht nach hier als Gemeinde mit gutem Beispiel vorangehen.“ Dabei handele es sich um dieselbe Frage, die sich mancher beim Lebensmitteleinkauf stelle: „Warum soll ich nicht das billige Fleisch kaufen, ist doch eh’ schon geschlachtet?“

Ulrich Streit warf ein, ob man nicht doch die 2000 Euro für ein solches Projekt zurücklegen solle. „Schmids Antwort: „Mit 2000 Euro kommen wir nicht weit, da kriegt man grade eine Zwei-Kilowatt-Anlage dafür.“ Auch Robert Frühholz verwies auf die Vorbildfunktion als Gemeinde. Und: „Mittelfristig erreichen wir mit der Entscheidung für Ökostrom eine positive Außenwirkung. Wer weiß, ob uns das nicht in einer Situation der Zukunft, wenn es etwa um ein Förderprogramm geht, etwas nützt?“

Denn Apfeldorf habe auch in der Vergangenheit in Sachen Klimaschutz bereits Flagge gezeigt: Beim Rathaus steht etwa eine öffentliche Ladestation für Elektrofahrzeuge, die Altbürgermeister Georg Epple noch initiiert hatte.

Bei der Abstimmung schließlich votierten die Gremiumsmitglieder für die goldene Mitte: Mit 12 zu 1 stimmten sie für Ökostrom ohne Neuanlagenquote – sicherlich ein Signal.

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