Der Abtransport des Pavillons erfolgte mit Hilfe eine Anhängers und verlief reibungslos.

Attraktion für Apfeldorf

Ein Pavillon auf Wanderschaft

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Im Frühjahr wird Apfeldorf um eine Attraktion reicher: Am Kastanienplatz wird künftig ein historischer Pavillon das Ortsbild schmücken. Eigentümer Sven Clormann hat das gute Stück bereits an den Lech geholt, die Gemeinde hat nichts dagegen.

Apfeldorf – Es ist einer dieser Jobs, bei denen nur Zähne zusammenbeißen hilft. Bei strömendem Regen fahren Anfang November Sven Clormann und vier Männer von La Rosa Holzbau (Apfeldorf) mit zwei Fahrzeugen und zwei Anhängern los: In einem eingewachsenen Grundstück in Hausham (Landkreis Miesbach) steht der Pavillon: achteckig, ganz aus Holz gefertigt, auf vier Seiten verglast, über hundert Jahre alt.

Zuvor hatte Clormann ihn gemeinsam mit Zimmerermeister Robert La Rosa besichtigt. Die beiden Männer machten sich vor Ort schlau, wie sie das Ding aus dem Grundstück bekommen, um es unbeschadet nach Apfeldorf zu bringen. Dort will ihn Grundstückseigentümer Clormann später auf dem Kastanienplatz aufstellen.

Der alte Pavillon ist auf einem eingewachsenen Grundstück in Hausham abgebaut worden.

Das Problem: Um das Holzgebäude stehen riesige, alte Bäume. Da tut sich ein Autokran schwer, wenn die Baumkronen nicht leiden sollen. Also machen die Männer aus der Not eine Tugend: Zwischen den Ästen spannen sie stabile Gurte. „Das haben wir ganz simpel einen Flaschenzug daran aufgehängt und das Dach herunter gelupft“, erklärt Clormann später. Auch wenn es ständig schifft und das Blätterdach tropft, wird es nicht allzu nass für die schuftenden Männer. „Wir hatten ja die ganze Zeit ein Dach über dem Kopf“, sagt der 45-Jährige und lacht. Auf den einen Anhänger wird mit vereinten Kräften das kunstvoll gefertigte Blechdach gehievt und verzurrt. Auf den anderen kommen liegend die Seitenwände. Und zwar ohne sie zu zerlegen. Die Zimmerer gehen vorsichtig vor: Damit das achteckige Gebäude nicht auseinanderbricht, spannen sie zwei kräftige Gurte darum und versteifen es innen mit Kanthölzern. So gesichert geht der Pavillon auf die Reise – vermutlich seine letzte. Natürlich haben sie eine Schwerlastgenehmigung, sonst wird’s teuer bei einer Kontrolle.

Jetzt stehen das Dach am Hof von Clormann und die Seitenteile in der Halle von La Rosa – Clormann hat in seinen „Apfeldorfer Möbelwerkstätten“ leider nicht den Platz dafür: Der Pavillon ist 2,80 Meter hoch und 3,30 Meter breit. Die acht Sockelsegmente aus Holz müssen jedoch erneuert werden. „Die sind total verfault“, sagt Clormann. „Das Ding stand einfach im Dreck, kein Wunder.“ Auch an der Tür und den drei Glassegmenten muss der Schreiner einiges nachbessern, u.a. Scheiben ersetzen. Aber als Mann der Ästhetik will er kein „schöner als neu“: das Motto, mit dem so manche Hobbyrestauratoren historische Substanz zugrunde richten.

Sven Clormann wird den alten Pavillon in Apfeldorf wieder auf Vordermann bringen.

Clormann will die schöne Patina in hellgrün erhalten. „Ich muss mal überlegen, ob ich das vielleicht mit einer transparenten Versiegelung hinbekomme“, sagt der Holzfachmann. Bis zum Frühjahr bleibt also das gute Stück noch freundlicherweise bei La Rosa in der Halle. Die Gemeinde Apfeldorf hat auch schon ihren Segen dazu gegeben: Der Bebauungsplan, der eigentlich am Kastanienplatz keine Bauwerke erlaubt, wurde dafür geändert. Schließlich stand – so belegen es alte Fotos – dort einst schon einmal ein Pavillon. In dem die örtlichen Honoratioren der Lechgemeinde genüsslich ihr Bier aus dem Steinkrug tranken.

Allerdings ist dort ausschließlich der Pavillon erlaubt: kein Wohnhaus, keine Lagerhalle. Schließlich ist der Kastanienplatz ein zentraler Fleck in Apfeldorf. Dessen ist sich Clormann auch bei der geplanten Nutzung bewusst. Der Pavillon solle nicht im Weg stehen, findet er, wenn Schmankerltag ist oder Weihnachtsmarkt. „Wir werden es eventuell für Grillpartys nutzen oder halt zum draußen sitzen. Aber schön soll das Ensemble werden, und auf jeden Fall unser Ortsbild aufwerten.“

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