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Freunde, musikalisch und im Leben: (v.l.) Daniel Schmid (Gitarre), Fabian Eglhofer (Ziach) und Uli Linder (Tuba), die Gesichter der Dreieckmusi . 

Porträt 

Dreieckmusi: Drei Lechroaner bis ins Mark

Wenn etwas Besonderes los ist im Flößermuseum in Lechbruck, wird es eng. 80 Gäste rutschen zusammen, während draußen der Schnee in dicken Flocken fällt. Aber dass es allen warm wird in dem alten Kasten, dafür sorgen drei Burschen auf der Bühne: Fabian Eglhofer, 20, Uli Linder, 20, und Daniel Schmid, 26, besser bekannt als „Dreieckmusi“.

Lechrain– Sie legen gleich los, dass alles mitwippt, und mitnickt – und wegen der Platzknappheit leider nur innerlich tanzt. Mit dem „Aufbrezelmarsch“ und dem „Lausbua Boarischen“ und „Auf da Roas“: flotte Stückl, durch deren Takte Eglhofer seine Kameraden mit seiner virtuosen Steirischen Harmonika, der „Ziach“, jagt. Linder schiebt mit dem unerschütterlichen Bass seiner Tuba an, Schmid begleitet auf seiner Gitarre als dezenter Rhythmusfaktor. Mal leise, mal krachert – aber immer mit viel Spielfreude.

Hier fanden sich drei Freunde von echter, unverfälschter Volksmusik, die nichts mit dem inzwischen etwas verwaschenen „Heimatsound“ zu tun hat. „Dreieckmusi“ spielen Landler, Polka oder Walzer in traditionell-alpenländischer Form. Die Interpretationen sind originell, aber nicht auf Pop getrimmt.

Drei Freunde auf der Bühne

Daneben sind die drei auch Freunde, die sich respektieren und sich gern auf der Bühne auf die Schippe nehmen. Das wird honoriert – am Ende rumpelt und wackelt das alte Flößermuseum vor Applaus, dass noch drei Zugaben fällig sind. Beruflich verfolgen sie unterschiedliche Wege: Eglhofer ist Schreiner im Epfacher Betrieb seines Vaters, Linder studiert Agrarmanagement in Weihenstephan und Schmid ist Referendar am Weilheimer Gymnasium.

Eglhofer und Linder lernten sich 2010 auf einem Jugendwochenende des Lechgau-Trachtenverbands kennen. „Ich war im Zimmer mit der Ziach, da kam der rein und hat g’sagt: ‚Servus, i bin da Uli, spiel ma zam’“, erinnert sich Eglhofer. Die Begegnung mit Schmid an Silvester 2013 war eher rustikal. Eine Rakete, die Eglhofer aus einem instabilen „Scherhaufa“ (Maulwurfshügel) startete, traf Schmid. „Mitten auf’n Grind (Kopf)“, sagt der. Eine Brandblase und tausend Entschuldigungen später war der Grundstock für die Freundschaft gelegt. Man merkt schon: Die drei reden, wie ihnen der „Lechroaner“ Schnabel gewachsen ist. Sie machen aus ihrer Heimatverbundenheit keinen Hehl.

„Zworahalb Mo“ fiel durch

So auch der Name: Der rührt von dem Dreieck der Lechrainer Herkunftsorte Reichling (Schmid), Epfach (Eglhofer) und Apfeldorf (Linder) her. „Zworahalb Mo“ (frei nach „Two and a Half Men“) fiel durch. „Das hat dem Fabi net so recht gefallen“, berichtet Schmid. Mag sein, dass der Mann an der Ziach körperlich etwas kleiner ist. Musikalisch gibt er jedoch den Ton an.

Eglhofer bringt die meisten Ideen, probt seine Läufe stundenlang. Seinem Können gab er durch zahlreiche Seminare bei der Südtiroler Ziach-Ikone Herbert Pixner den richtigen Schliff. Das eine oder andere Stückl Pixners spielen sie auch, aber inzwischen sind es eher Eigenkompositionen. „Wir sind nur Begleiterscheinungen“, sagt Linder da bescheiden. Aber was zählt – da sind sich nicht nur die Zuschauer im Lechbrucker Flößermuseum einig – ist der Gesamteindruck.

Der erste Auftritt wurde gleich vom Bayerischen Rundfunk verewigt

2014 absolvierten sie den ersten Auftritt auf der offenen Bühne im Herzkasperlzelt der ‚Oiden Wiesn’. Der wurde vom Bayrischen Rundfunk gleich im TV verewigt. Skurril: Keinem vom BR fällt die falsche Besetzung mit Gastmusiker Georg Linder mit einer zweiten Posaune auf: Gitarrist Daniel Schmid tritt erst in den letzten Sekunden ins Bild „Ich hatte mich vor der Tür verratscht“, gesteht Schmid.

Macht nix. Neben der Freude an der Musik fallen die Burschen mit Bescheidenheit auf. Und, keine Frage: Linder ist mit seiner Tuba eine unaufhaltsame Rhythmusmaschine. Ernst Mosch, die Oberkrainer, so heißen seine Einflüsse, die er als junger Blechmusiker seit Kindesbeinen inhaliert hat. Schmid, „der mit’m Huat“ (Eglhofer), schlägt mit seiner akustischen Gitarre eher Hintergrundtöne an. Dafür ist er auf der Bühne der Entertainer, der die Stückl mit Titeln wie „Dampfnudelblues“ oder „Horch a Moll“ launig ankündigt. Immer mit einer kleinen Geschichte dazu.

Aber bei all dem Spaß ist es den dreien mit der Volksmusik doch ernst. Wenn auch nicht bierernst. „Wir wollen auf keiner Welle reiten“, sagt Linder. „Volksmusik ist die Musik unserer Heimat. Wir leben die Musik.“ Auch wenn man manchen ihrer Musette-Walzer als „Weltmusik“ bezeichnen könnte – es ist und bleibt bayrisches Kulturgut.

Ritterschlag Kulturförderpreis

2016 schließlich der Ritterschlag: Die „Dreieckmusi“ ergattert den Kulturförderpreis der Stadt Landsberg. Im selben Jahr bringen sie die erste eigene CD. Titel: „Horch a Moll“. Inzwischen haben sie schon so viele Exemplare verkauft, dass sie ihre Kosten wieder drin haben.

Vielleicht doch eine Musikkarriere? Da winken sie aber alle drei ab. „Das muss im Rahmen bleiben und soll weiter Spaß machen“, sagt Eglhofer. Wenn man die drei so sieht nach dem Auftritt in Lechbruck, macht man sich da wenig Sorgen. Sie sind sich nicht zu schade, die übrig gebliebene Brotzeit unter dem Publikum zu verteilen. Ratschen, schütteln Hände. Auf dem Boden geblieben, nennt man das.

Denn Eglhofer wird irgendwann die Schreinerei seines Vaters übernehmen. Lehrer Schmid hofft auf eine Planstelle und der Linder könnte sich vorstellen, mal ein landwirtschaftliches Gut zu leiten. „Hauptsache, im Lechrain bleiben“, sagt Linder. So schön die große weite Welt auch ist: Wäre eine Sünde, solche Prachtexemplare vom Lech aus der Heimat zu verpflanzen.

Klaus Mergel

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