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Pfusch bei Apfeldorfer Breitband-Ausbau?

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Noch sind beim Breitbandausbau in Apfeldorf etliche Löcher offen: Laut Gemeinderat werden sie falsch verfüllt und auch nicht verdichtet. © Mergel

Apfeldorf - Der Breitbandausbau der Telekom wurde gefeiert in Apfeldorf – in die „Champions League der Internetversorgung“ sollte die Lechraingemeinde zum Schnäppchenpreis aufsteigen. Doch kaum liegen die Leitungen im Boden, liegt Ärger in der Luft: Die Tiefbauarbeiten, die eine portugiesische Firma im Auftrag der Telekom durchführte, sollen unsachgemäß ausgeführt sein.

Ungewohnte Temperaturen für die Männer von der iberischen Halbinsel: Dick eingemummelt stehen die Arbeiter der Baufirma Candido Rodriguez SA aus dem nordportugiesischen Guimarães um den Bagger, der Kies aus einem Graben schaufelt. Einer gräbt, ein zweiter siebt den Kies, ein anderer rollt das Leerrohr ab. Diese Tiefbauarbeiten in der Straße An der Breite sind Teil des Auftrags für die Telekom: die Breitbanderschließung des Apfeldorfer Oberdorfs.

Auf den ersten Blick eine ganz normale Baustelle, wie sie derzeit überall in Bayern zu sehen sind: Das Arbeitsaufkommen für das schnelle Internet ist immens, mit regionalen Baufirmen nicht mehr zu schaffen. Darum greift die Telekom auf Firmen aus dem Ausland zu. Doch kommen in Apfeldorf Zweifel auf, ob es nur die Temperaturen sind, die für die portugiesischen Arbeiter ungewohnt sind. Der Verdacht: Die Erdarbeiten wurden nicht so durchgeführt, wie es die Regeln der Technik verlangen.

Peter Strommer nannte in der jüngsten Gemeinderatssitzung das Kind beim Namen: „Ich kann doch nicht das Bankett ausgraben und das Unterste nach oben legen.“ Nach seinen Beobachtungen habe man in den Löchern und Gräben oben nicht mit Kies – wie vorgeschrieben –, sondern einfach mit Humus aufgefüllt. „Da wurde hinterher auch nicht verdichtet. Schaut da hinterher keiner drüber?“ Und zwar bitte durch Leute, die Ahnung hätten, forderte Strommer.

Der zweite Bürgermeister Gerhard Schmid, der Bürgermeister Georg Epple (fehlte entschuldigt) vertrat, ging sofort darauf ein: „Da werden wir eine Bestandsaufnahme machen, vielleicht kann man eventuell Probebohrungen machen.“ Denn was alle Ratsmitglieder beschäftigt: Können die unsachgemäß durchgeführten Arbeiten überhaupt noch dokumentiert werden, wenn die Löcher zu sind?

„Die Abnahme sollte eigentlich am offenen Graben stattfinden“, sagte Schmid. Er empfahl eine Inspektion des Ingenieurbüros Buchner, das sich als erfahrener Partner der Gemeinde in diesen Dingen erwiesen hatte. „Zur Not behalten wir einfach einen Teil der Rechnung ein, bis das geklärt ist“, sagte Schmid.

Bei den Arbeiten sei die Telekom der Vertragspartner der Gemeinde – sie sei zuständig, dass die Arbeiten richtig durchgeführt werden. Derzeit sieht man etliche Löcher in Apfeldorf, wo Glasfaserkabel und Leerrohre lose heraushängen.

Für den Laien sieht das Material, das die Kabel bedeckt, tatsächlich wie homogenes Erdreich aus – und nicht wie sorgsam aufgeschichtet. Mögliche Risiken: Absenkungen, mangelhafte Wasserversickerung oder Frostschäden am Asphalt.

Im Laufe der Sitzung traf Wolfgang Buchner vom gleichnamigen Ingenieurbüro aus Dießen ein. Er fand klare Worte: „Bei uns in Dießen hat das eine ungarische Firma gemacht, und zwar katastrophal. Bei Euch sieht es ähnlich aus.“ Auch Bürgermeister Epple habe ihn bereits gefragt, ob er eine Abnahme durchführen könne. Man könne derzeit „nur die offensichtlichen Mängel“ dokumentieren. Aber er habe genug gesehen, bereits seine Beobachtungen in der Schlossbergstraße seien aussagekräftig. Der einstimmige Beschluss des Gemeinderates: Die Verwaltung wird beauftragt, beim Vertragspartner Telekom eine Mängelanzeige mit ausführlicher Begründung zu machen. Das Ingenieurbüro Buchner solle die Gemeinde dabei unterstützen.

Doch damit war der Grant der Apfeldorfer mit der Firma aus Portugal noch nicht verraucht: Die Feuerwehr habe einiges zu tun gehabt, um die verschiedenen Baustellen für den Verkehr zu sichern. „Man hat da schon einige Stunden damit verbracht“, sagte Robert Zwick, in der Birkländer Straße seien noch einige Löcher offen. Der zweite Bürgermeister Schmid empfahl, Kommandant Dominik Bauer solle doch eine Kostenaufstellung machen, die man dem Vertragspartner ebenfalls weitergeben werde.

Klaus Mergel

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