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Hier ist das neue Baugebiet Römerring-Nord geplant – anschließend an die Siedlung, deren Bewohner gegen die Bebauung protestieren. 

Gemeinderat Apfeldorf

Apfeldorfer Anwohner-Protest gegen neues Baugebiet

Apfeldorf bereitet ein neues Baugebiet vor. Gegenwind bekommt die Gemeinde dabei ausgerechnet von Apfeldorfern, die gleich daneben vor einigen Jahren gebaut haben. Ein Argument der besorgten Bürger: Die Neuankömmlinge könnten nicht „sozialverträglich integriert“ werden.

Apfeldorf Die Nachfrage an Bauland ist auch in Apfeldorf groß, für die Jungen gibt es zu wenig Wohnraum. Deshalb will die Gemeinde ein neues Baugebiet schaffen: Römerring-Nord soll es heißen, dafür müssen Flächennutzungsplan und Bebauungsplan geändert werden. Im Vorfeld wurden alle Behörden angeschrieben, in der jüngsten Gemeinderatssitzung kamen die Reaktionen auf den Tisch. Nur zwei Einwände gingen ein: Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten wollte sichergehen, dass kein Bauherr später klagt, wenn es auf den angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen gelegentlich nach Gülle stinkt oder im Sommer auch mal nach 22 Uhr Mähdrescher unterwegs sind. Die Aufnahme der so genannten Dienstbarkeit in die Verkaufsurkunden der Grundstücke sei kein Problem, so der zweite Bürgermeister Gerhard Schmid, der Bürgermeister Georg Epple vertrat (der hatte sich beim Schweißen verletzt).

Zudem monierte die Regierung von Oberbayern und die Baubehörde vom Landratsamt, dass ein 1,3 Hektar großes Wohngebiet geschaffen werde, obwohl im Ortskern 2,3 Hektar als unbebaute Wohnbaufläche im Flächennutzungsplan eingetragen waren. Auch kein Problem: Beim Thema Nachverdichtung sind die Apfeldorfer am Interkommunalen Städtebaukonzept dran. „Wenn die Grundbesitzer im Ortskern keine Verkaufsabsichten haben, hilft uns das nichts“, bedauerte Schmid. Aber die Umwidmung dieser Flächen wieder in landwirtschaftliche Nutzflächen wurde in den Beschluss aufgenommen.

Danach folgte eine Stellungnahme, die manchem im Saal die Kinnlade runterfallen ließ. Im Namen von einem knappen Dutzend Anwohner am Römerring teilte der Apfeldorfer Bürger Rainer Gerstung ausführlich mit, warum das Neubaugebiet schädlich sei für den Ort. Der scharf geschriebene Brief sorgte für Raunen, ungläubige Gesichter und sogar Gelächter im Saal. Die Argumente: Das Gebiet sei zu groß für Apfeldorf. Es gäbe keinerlei Bedarf. Hier handle es sich um eine „gewaltsame Maßnahme, dem Schrumpfen der Gemeinde um jeden Preis Einhalt zu gebieten“. Dann: Das Baugebiet würde den Ort zersiedeln. Das Problem von Schmutz- und Niederschlagswasser würde nicht gelöst, es seien keine Verteilerkästen fürs Breitband da. Kurzum: die Infrastruktur sei mangelhaft.

Dann der Verkehr: So, wie der Plan es vorsehe, existiere keine eigene Zufahrt. Damit würde die Gemeinde den Anwohnern „mehr als das zweifache Verkehrsrisiko“ zumuten. Denn in den 16 Grundstücken seien bis zu drei Wohnungen vorgesehen. Und der Grundstückverkauf, so der Verdacht, könne bei der Menge wohl nur ohne Einheimischenmodell stattfinden.

Auch die Kosten wurden angesprochen: Die würden wahrscheinlich auf die Anlieger umgelegt. Man befürchte eine „sinnlose Verschwendung von Steuergeldern“ (Schmid: „Die Schaffung von Bauland als Verschwendung von Steuergeldern titulieren? Puh.“) Schließlich heißt es: „Eine sozialverträgliche Integration neuer Mitbewohner ist damit nicht zu bewerkstelligen“. Man werde „mit aller Härte dagegen vorgehen“.

„Ich finde das starken Tobak“, sagte Schmid unverblümt. Auch unter den Gästen der Sitzung wurde Protest laut: etwa zehn junge Paare, alle in Apfeldorf verwurzelt und offensichtlich Baulandbewerber. Schmid mit Verweis auf sie: „Das sind doch alles nette Leute!“ Er erinnerte daran, dass jeder der Unterzeichner seinerzeit selbst am Ortsrand bauen durfte und dies gerne in Anspruch nahm. „Vor einigen Jahren sind sie in den Genuss gekommen und nun werfen sie uns eine Fehlentwicklung vor.“

Über Gerstung sagte Schmid, der habe „bis 2015 als aktives Mitglied des Gemeinderat an der ‚Zersiedelung‘ des Esele mitgewirkt“. Aber man wolle den Anwohnern , so Schmids Vorschlag, die Ängste nehmen. Er gehe davon aus, dass sich die Probleme im persönlichen Gespräch ausräumen lassen. Im folgenden Beschluss hieß es unter anderem: Die Kosten sollen durchaus von den Einnahmen gedeckt werden. Es lägen bereits jetzt zahlreiche Bewerbungen vor – vor allem von Apfeldorfern. Es handle sich um „keine nennenswerte Zersiedelung“, da das neue Gebiet an die selbe Siedlung angebunden sei. Es werde zwar Mehrverkehr geben – den jedoch die drei Straßenzüge gut verkraften könnten. Der Beschluss fiel einstimmig.

Klaus Mergel

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