Seinen weiß-blauen Anstrich bekommt derzeit der Apfeldorfer Maibaum. Malermeister Alois Ehle (von rechts) wird dabei unterstützt von Trachtenvorstand Theo Albert und Karl Schreiegg. Rosi Geiger

Apfeldorf vs. Leeder

Streit nach missglücktem Maibaumdiebstahl

Dass Brauchtum bitter ernst werden kann, erleben derzeit die Apfeldorfer Trachtler und die Mitglieder des Maibaumvereins Leeder: Nachdem die Leederer versucht hatten, den Maibaum der Apfeldorfer zu stehlen, herrscht nun offener Streit zwischen den beiden Vereinen. 

Apfeldorf – Diesmal wollten sich die Mitglieder des Apfeldorfer Trachtenvereins ihren Baum nicht wegnehmen lassen. Sie wollten nicht das gleiche erleben wie 2012, als die Birkländer ihren unbewachten Maibaum gestohlen haben. Die Apfeldorfer haben ihre Lehren aus dem Vorfall gezogen und Wachen organisiert. Sie haben den Baum keine Minute unbewacht gelassen, seit er am Dienstag nach Ostern in eine örtliche Halle gebracht worden war. 

In der Nacht auf Freitag haben vier Männer Wache gehalten in Apfeldorf. Einer von ihnen war Vorstand Theo Albert. „Wir waren im Nebenraum“, sagt er. Plötzlich seien etwa zehn Männer im Raum gestanden, die den Ausgang versperrt hätten, damit keiner der Bewacher zum Maibaum kommen konnte. Denn, so sieht es das Brauchtum vor, wenn einer der Bewacher die Hand auf den Maibaum legt, ist der Plan, den Maibaum zu stehlen, vereitelt. „Sie haben uns den Zugang zu dem Raum verwehrt, in dem der Maibaum lag“, sagt Albert, „und das entspricht nicht der Tradition.“

Während die Apfeldorfer im Nebenraum festsaßen, luden etwa 40 Leederer den Baum auf einen Anhänger und spannten ihn vor ein Zugfahrzeug. Albert versuchte, aus dem Fenster zu steigen, um den Abtransport doch noch zu verhindern. Dabei sei er auf den Boden gefallen. Anschließend sei ihm schlecht geworden und er habe sich übergeben müssen, schildert Albert.

Daraufhin hätten die Leederer ihm und seinen Vereinskameraden gestattet, den Nebenraum zu verlassen. Daraufhin sei es den Apfeldorfern gelungen, die Hand auf den Maibaum zu legen und zu verhindern, dass dieser gestohlen wird. „Obwohl wir schon am Baum gestanden sind, wollten sie ihn trotzdem noch mitnehmen“, sagt Albert. Schließlich hätten die Leederer eingewilligt, den Baum dazulassen unter der Bedingung, dass sie quasi als Auslöse 100 Liter Bier erhalten.

In Leeder wird das gescheiterte Maibaumstehlen ganz anders gesehen: „Wir haben nichts Böses getan, wir sind nur der Tradition nachgegangen“, sagt Vorstand Stefan Schmid, der bei dem nächtlichen Ausflug nach Apfeldorf dabei war. Beim Maibaumstehlen dürfe keine Gewalt angewendet werden, daran hätten sie sich strikt gehalten. Aber der Zugang zum Baum dürfe verwehrt werden – unter der Voraussetzung, dass keine Gewalt im Spiel ist.

„Wir haben die Apfeldorfer ausspioniert und festgestellt, dass der Baum schlecht bewacht wird“, schildert Schmid. In der nächsten Nacht seien sie nach Apfeldorf gefahren. Einer sei durch den Lichtschacht geklettert und habe den anderen die Türe geöffnet, damit sie in den Raum mit dem Maibaum gelangen konnten. Zehn Mann seien ins Wachlokal gegangen und hätten sich dort vor die Tür und die Fenster gestellt.

Nachdem es dem einen Bewacher schlecht geworden sei, hätten sie diesem aus Kulanz gestattet, den Nebenraum zu verlassen. Zu diesem Zeitpunkt sei der Maibaum bereits abfahrbereit auf dem Anhänger gelegen. Auch den anderen Bewachern hätten sie nur deswegen gestattet, aus dem Nebenraum zu gehen, damit diese ihrem Freund helfen können. „Es war vereinbart gewesen, dass wir den Baum auf jeden Fall mitnehmen – auch, wenn sie die Hand auflegen.“

Schmid und seine Kollegen haben bereits Erfahrung im Maibaumstehlen: Sie haben bereits das Germeringer und das Schwabsoiener Exemplar abtransportiert. Immer habe man sich gut geeinigt und dann beim anschließenden Auslösungsfest prächtig verstanden. „So wie die Apfeldorfer reagiert haben, hat noch keiner reagiert.“ Der Verein ist inzwischen bemüht, den Streit nicht weiter eskalieren zu lassen.

In Apfeldorf gehen indes die Vorbereitungen fürs Maibaumaufstellen in die Endphase. Der Baum wird bemalt und weiterhin gut bewacht. „Wir lassen ihn nicht mehr aus den Augen“, sagt Albert, „bis er steht.“

Kathrin Hauser

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