1. Startseite
  2. Lokales
  3. Schongau
  4. Apfeldorf

Theater Apfeldorf: Perfekte Rollenbesetzung beim „Rauberpfaff“

Erstellt:

Kommentare

Bürgermeister, Bräu, Pfarrer und Gendarm: alle versammelt in der Sakristei. Mit dem Stück „Rauberpfaff“ bieten die Apfeldorfer Theaterer kurzweilige Unterhaltung, und die elf Rollen sind perfekt besetzt.
Bürgermeister, Bräu, Pfarrer und Gendarm: alle versammelt in der Sakristei. Mit dem Stück „Rauberpfaff“ bieten die Apfeldorfer Theaterer kurzweilige Unterhaltung, und die elf Rollen sind perfekt besetzt. © Rosi Geiger

Im „Rauberpfaff“ lebt die „guade alte Zeit“ Ende des 19. Jahrhunderts wieder auf, in das die Apfeldorfer Theaterer ihre Besucher derzeit entführen. Die Premiere war ein voller Erfolg.

Apfeldorf – Es geht gesittet zu, zweimal wird auch gesungen, und die Pointen sind hintersinnig. Selbst der Räuberhauptmann Gust (gespielt von Markus Wagner) stellt auf der Bühne fest: „I bin seit 25 Jahr a anständiger, braver Räuber“. Im vorigen Jahr hatten die Apfeldorfer eine zeitgenössische städtische Komödie gespielt, in der es in zwei Hotelzimmern drunter und drüber ging.

Zum Inhalt des „Rauberpfaff“: Zusammen mit seinen Kumpanen, der Rothen Res (Uschi Ritzinger) und dem Hetzinger Jackl (Alex Marx), versteckt sich Räuberhauptmann Gustl sich in den Bergen. Plötzlich hört man ein Pferdegespann verunglücken, und die Res bemerkt: „I glaub, der hot si s´Gnack brocha, und des, bevor mir eahn ausgraubt ham“.

„Rauberpfaff“ im Theater Apfeldorf: Wie den Spielern auf den Leib geschrieben

Als sie den Koffer des Verunglückten plündern, stellen die Räuber fest, dass es ein Pfarrer auf dem Weg zu seiner neuen Pfarrstelle in Kaitersberg war. Schnell entsteht der Plan, dass Gust in die Gewänder des Pfarrers schlüpft und sich im Ort als neuer Seelsorger ausgibt. Die Res kann als Haushälterin alles auskundschaften, und während die Pfarrgemeinde in der Kirche sitzt, geht der Jackl auf Raubzüge.

Wandernd singen die drei Hauptdarsteller das Lied vom „boarischen Hiasl“ mit ein paar abgewandelten Strophen zum „Jennerwein“ oder „Räuber Kneißl“, und im Nu wird das Bühnenbild von der Berglandschaft in eine Sakristei verwandelt. Der neue Pfarrer wird im Ort schon sehnlichst von Bürgermeister, Bräu und Dorfbewohnerinnen erwartet. Und als Zuschauer fragt man sich: „Hat Autor Peter Lantsdorfer das Stück den Apfeldorfer Spielern auf den Leib geschrieben?“ Nein, lautet die Antwort. Er hat es 1994 für sein Münchner Ensemble verfasst.

„Riedl-Bande“ raubte einst tatsächlich den Apfeldorfer Pfarrer aus

Doch die Apfeldorfer Theatergruppe hat die elf Rollen hervorragend besetzt. Herrlich, wie Lisa Krötz die „Siachlerin“ spielt und dem Pfarrer im Beichtstuhl ihre unkeuschen Träume verrät. Dabei sitzt gar nicht der Pfarrer, sondern der dorfbekannte Schlucker mit einer Flasche Messwein nebenan. Nur das Lesen der Messe hat der „neue Pfarrer“ nicht so ganz drauf, vor allem seine Schlussworte „Pfiat eich, bis nochad beim Bräu“ stoßen dem Mesner auf. Letztendlich ist es auch der Mesner, der den Schwindel aufdeckt, aber weil der Pfarrer im Dorf so gut ankommt, nimmt das Ganze eine überraschende Wendung.

(Unser Schongau-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus Ihrer Region. Melden Sie sich hier an.)

Nach nur zwei Stunden ist das kurzweilige Theater vorbei, und so blieb das Premierenpublikum gerne noch sitzen, um die Verpflegung zu genießen. An den Tischen wurde darüber gelacht, ob die Apfeldorfer das Räuberische noch im Blut haben, denn es gab ja mal die „Riedl-Bande“, die auch einen Pfarrer ausraubte und so manchen Messkelch aus Kirchen stahl. Von Rosi Geiger

Die Vorstellungen an den kommenden Wochenenden sind laut der online-Reservierung unter www.theater-apfeldorf.de fast ausverkauft, es gibt aber immer Restplätze an der Abendkasse.

Alle News und Geschichten aus Schongau sind auf unserer Facebook-Seite zu finden.

Auch in Schwabniederhofen wurde jüngst leidenschaftlich Theater gespielt: Der Theaterverein „Treibhaus“ spielte Agatha Christies „Mord im Orientexpress“.

Auch interessant

Kommentare