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Apotheker einig: 25 Cent mehr pro Packung sind viel zu wenig

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Für viele Apotheken auf dem Land (wie hier in Peiting) wird die Lage immer bedrohlicher. foto: spe
Für viele Apotheken auf dem Land (wie hier in Peiting) wird die Lage immer bedrohlicher. foto: spe

Schongau - 25 Cent pro Medikamentenpackung mehr - das ist auch für die Apotheker des Schongauer Lands kein wirklicher Gesprächsansatz. Das Angebot der FDP lässt sie vielmehr nur mit dem Kopf schütteln.

„Das deckt nicht mal annähernd die Inflationskosten“, meint der Peitinger Apotheker Frank Schauf. Dass die Uhren für Land-Apotheker auf fünf vor Zwölf stehen, ist nichts Neues. Die Apothekerverbände warnen deshalb schon länger vor einem kontinuierlichen Apotheken-Sterben. Pharmazeut Schauf kann das gut nachvollziehen. „Die 25 Cent wären gleichbedeutend mit einer jährlichen Lohnsteigerung von 0,3 Prozent“, macht er die Entwicklung anschaulich. Und: Bedenke man die gestiegenen Mieten, den teurer gewordenen Strom und den höheren Personalaufwand, so sei dies eine Farce.

Und dann wird Schauf noch deutlicher. „Die Krankenkassen haben in etwa die gleiche Mitarbeiterzahl wie die Apotheken deutschlandweit. Mit dem Unterschied, dass deren Verwaltungsausgaben seit 2004 um 1,5 Milliarden Euro gestiegen sind, die in den Apotheken hingegen überhaupt nicht.“

Dass die FDP sich für die Apotheker nicht ins Zeug lege, führt er darauf zurück, „dass die genug Watschn bekommen haben, als sie seinerzeit die Mehrwertsteuer für Hoteliers gesenkt haben. Das wollen sie nicht noch einmal erleben.“. Schauf, der eine Apotheke in Peiting und eine weitere in Rottenbuch betreibt, kann indes noch ein weiteres Beispiel unzureichender Vergütung ins Feld führen. „Bei meinem letzten Bereitschaftsdienst in Rottenbuch am Wochenende hatte ich genau zwei Kunden, die für insgesamt 15 Euro eingekauft haben. Ich war aber 24 Stunden am Stück vor Ort.“

Grund genug auch für den bayerischen Gesundheitsminister Marcel Huber, mehr Gerechtigkeit einzufordern. Und Schauf kann sich da nur anschließen. „Der Bereitschaftsdienst muss pauschal besser vergütet werden“. Existenzgefahr? „Wie es bei mir weitergeht, wird auch vom Ergebnis der Verhandlungen abhängen“, sagt er.

„Alles, was oberhalb der 25 Cent angesiedelt ist, ist besser“, sagt auch Apothekerin Sigrid Nienhaus aus Schongau, die sich allerdings ein Ergebnis von „50 Cent plus“ wünschen würde. Der Verwaltungsaufwand werde immer mehr, die von den Kassen zugestandene Vergütung sei da „ein Witz“. Zumal die Großhandelskonditionen immer schlechter würden. Und: „Das, was wir reinkriegen, wird immer weniger.“

Kollege Klaus Flitsch pflichtet uneingeschränkt bei. „25 Cent auf 8,10 Euro sind gerade mal drei Prozent. Das kann ja nicht kostendeckend sein“. Zudem habe der Wegfall der Rabatte zusätzliche Lücken geschlagen. Und: Laut Gesetzgeber habe man eine öffentliche Aufgabe zu erfüllen. „Die sollte dann vom Staat aber auch entsprechend honoriert werden“, argumentiert Flitsch.

Und ergänzt noch: Beschäftigte von Bund, Landkreis oder Stadt würden sich massivst beschweren, wenn sie mit so geringen Lohnzuwächsen auskommen müssten. Eigentlich müsste man einen Euro mehr fordern, doch im Zeitalter der Kompromisse „könnte ich auch mit 50 Cent mehr pro Packung leben“.

Auch Apotheker Siegfried Baab kann die Politiker nicht verstehen. „In den vergangenen acht Jahren sind die Personalkosten um 20 Prozent gestiegen, unsere Honorierung aber geblieben. 25 Cent pro Packung, das wären im Monat 350 Euro mehr und beileibe nicht ausreichend bzw. kostendeckend. Der Kassenanteil müsse zumindest die Kosten decken. Und: Große Stadtapotheken könnten das überleben, für Land-Apotheken sei es aber fatal.

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