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Asylbewerber statt Sportler: Bürgermeister Sluyterman wollte die Unterbringung in der Berufsschul-Turnhalle abwenden.

Asylbewerber in Berufsschul-Turnhalle

„Gefahr für den sozialen Frieden in Schongau“

Schongau - Wenig begeistert ist Schongaus Bürgermeister Falk Sluyterman (SPD) über die angekündigte Unterbringung von bis zu 160 Asylbewerbern in der Berufsschul-Turnhalle. Das hat er Landrätin Andrea Jochner-Weiß auch mehrfach mitgeteilt, zuletzt vergangene Woche.

Sluyterman bitte dringend, nach einer anderen Unterbringung zu suchen, heißt es in dem Schreiben an die Landrätin. Der Landkreis solle doch besonders in den vielen Kommunen Örtlichkeiten suchen, die noch keine Flüchtlinge aufgenommen haben oder in denen Baumaßnahmen „aus welchem Grund auch immer“ nicht so zügig vorankommen.

Diese beiden Punkte sind Sluyterman ein großes Anliegen. „Wenn die Asylbewerber in Deutschland per Quote auf die Bundesländer verteilt werden, danach per Quote auf die Bezirke und schließlich in die Landkreise, verstehe ich nicht, warum es bei den Gemeinden ein rechtliches Problem geben soll“, fragte er sich. Jochner-Weiß hofft noch immer, dass die Kommunen freiwillig ein Prozent ihrer Bevölkerungszahl als Asylbewerber aufnehmen. „Aber das funktioniert nicht“, so Sluyterman – diese Quote haben bisher neben Schongau nur Weilheim, Wildsteig und Rottenbuch erfüllt. 20 von 34 Landkreis-Gemeinden beherbergen noch keinen einzigen Asylbewerber. Sluyterman wünscht sich mehr Druck: „Ein ehemaliger Chef von mir hat gesagt, man darf nicht nur immer bitten, sondern muss auch mal die Folterwerkzeuge zeigen.“

Auch die langwierigen Baupläne für Unterkünfte in Penzberg und Peiting stoßen Sluyterman auf. „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht, rücken aber in den Fokus, weil man in anderen Kommunen, wo Asylbewerber-Plätze geschaffen werden, nicht in die Pötte kommt“, ärgert er sich. In Peißenberg gebe es auch eine Turnhalle, in der man Asylbewerber unterbringen könnte, ebenso in Peiting die Schloßberghalle, „wenn dort nichts weitergeht“.

Grundsätzlich sieht Sluyterman, dass das Mittelzentrum Schongau-Peiting-Altenstadt spätestens im kommenden Jahr, wenn auch die Vorhaben in Peiting und Altenstadt fertig sein sollen, mit dann weit über 500 Asylbewerbern genug belastet ist. Vor allem, weil viele Freiwillige vom Schongauer Helferkreis Asyl aus Peiting und Altenstadt kommen und sich dann möglicherweise um die Flüchtlinge in ihren Heimatorten kümmern. Dass der Helferkreis mit den Asylbewerbern in der Berufsschul-Turnhalle überfordert ist, wie es Hans Atzenbeck bereits in der gestrigen SN-Ausgabe bestätigt hat, ist für Sluyterman völlig verständlich.

Der Bürgermeister befürchtet aber auch, dass die Integrationsbereitschaft der Bürger irgendwann am Ende ist. „Ich sehe eine deutliche Gefahr für den sozialen Frieden in der Stadt“, schrieb Sluyterman in deutlichen Worten an die Landrätin. Denn wenn der Schul- und Vereinssport nicht mehr möglich sei, werde das die Asyl-Debatte zusätzlich anheizen. Er überlegt, bei der Stadt einen Beauftragten zu ernennen, der sich um die Asyl-Koordinierung zwischen Helferkreis und Landratsamt kümmert.

Boris Forstner

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