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Aus dem Bernbeurer Gasthaus Doldewirt im Ortszentrum soll eine Asylbewerberunterkunft werden.

Gemeinderat Bernbeuren ist entsetzt

60 Asylbewerber für den Doldewirt?

Bernbeuren - Im Doldewirt Bernbeuren sollen Asylbewerber einquartiert werden. Der Gemeinderat ist sowohl entsetzt über den dubiosen Investor als auch über die Pläne für 60 Betten auf engstem Raum. Ein ordentlicher Bauantrag liegt indes nicht vor.

Hinter vorgehaltener Hand war in Bernbeuren schon länger über mögliche Pläne des Besitzers getuschelt worden, im Dezember hatte Andreas Sykora dies auch gegenüber den Schongauer Nachrichten angedeutet. Über die Feiertage wurde es nun konkret: Der Gemeinde bzw. dem Bauamt im Landratsamt Weilheim-Schongau wurde ein Antrag auf Nutzungsänderung für eine Flüchtlingsunterkunft vorgelegt, und zwar für insgesamt 60 Betten.

Die Begeisterung darüber hält sich in Grenzen: „Wir haben in Bernbeuren 25 Plätze für Asylbewerber, nun kämen 60 hinzu. Wir müssen uns auch Gedanken machen, wie viel wir schaffen können“, so Bürgermeister Martin Hinterbrandner in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Klar machte er aber auch: Man wehre sich nicht gegen Flüchtlinge – dies verschiebe die Problematik nur – wünscht sich jedoch eine nachhaltige Lösung für den Doldewirt: Statt der 60 Betten solle man im 1. Stock und im Obergeschoss lieber Wohnungen einbauen und günstigen Wohnraum schaffen, der dann Flüchtlingen, anerkannten Asylbewerbern, aber auch Einheimischen zur Verfügung steht.

Kritisch hinterfragt worden war im Gremium der Investor selbst. Hinter der Projekt Allianz GmbH, die sich für den Erwerb des Doldewirts interessiert – ein Notartermin hat bisher nicht stattgefunden – steht als Geschäftsführer Alexander El Naib, der unter anderem wegen der Vorwürfe des Mietwuchers in die Schlagzeilen geraten war. So betreibt El Naib etwa für die 2-Rent-Group GmbH sogenannte Boardinghäuser in München, in denen Minizimmer zu Maxipreisen vermietet werden – in verschiedenen Quellen ist von bis zu 50 Euro pro Quadratmeter die Rede. Vermietet werde an Arbeiter, aber auch an die Stadt – für Asylbewerber. Und offensichtlich ermittelt auch die Staatsanwaltschaft, wie Gemeinderat Oliver Sprenzel recherchiert hat – wegen unhaltbarer Verhältnisse in Naibs Unterkünften. Sprenzel: „Es ist ein sehr zwielichtiger Investor; wir sollten alles Menschenmögliche dafür tun, dass dieser Mann keinen Fuß bei uns in die Türe kriegt.“

Leichter gesagt als getan: Bürgermeister Hinterbrandner wünscht sich wieder einmal ein prall gefülltes Sparbuch, um den Doldewirt selbst kaufen zu können. Oder der Landkreis. Während die Ammermühle bei Rottenbuch noch erworben werden konnte, ist der Geldhahn für solche Projekte nun aber wohl endgültig zugedreht. So jedenfalls habe Kreiskämmerer Norbert Merk auf die Anfrage Hinterbrandners reagiert. „Das kann ich nicht verstehen. Der Investor macht es nur, um Geld zu verdienen – wenn es Probleme gibt, ist er dann aber ganz weit weg“, befürchtet der Bürgermeister.

Am liebsten wäre dem Rathauschef ein Investor aus dem Ort, der näheren Umgebung, oder der Landkreis selbst. Etwas Luft bleibt noch, denn bisher gibt es weder ein Betriebskonzept noch liegt für die Pläne des Münchner Investors ein ausreichender Bauantrag vor. Zwar existiert für den Doldewirt aus dem Jahr 2013 ein genehmigter Bauplan für 48 Betten in den oberen Stockwerken plus zwei Betten in einer Betriebsleiterwohnung im Erdgeschoss, jedoch nur unter Einhaltung diverser baurechtlicher Auflagen. Fraglich sei, ob beispielsweise die feuerrechtlichen Anordnungen auch für zehn zusätzliche Betten noch gelten würden. Zumal die Bettenzahl grundsätzlich zu prüfen sei. „Bei der Unterbringung auf derart beengtem Raum sind Konflikte vorprogrammiert“, so auch Vize-Bürgermeister Markus Socher.

Teil der Auflage aus dem genehmigten Bauplan für 50 Betten sind auch Brandschutztreppen außen am Gebäude, von denen freilich noch nichts zu sehen ist. Eine Bürgerin will beobachtet haben, dass bereits mit dem Ausbau begonnen wurde, wie sie dem Gremium berichtete. Eine offizielle Benachrichtigung über den Baustart ist in der Gemeinde jedoch bisher nicht eingegangen.

Elke Robert

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