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Die Bücher-Verfügbarkeit soll es künftig in Schongau per Internet geben.

Auch in Schongau

Büchersuche bald per Internet

Schongau - Die Schongauer Bücherei am Münztor will attraktiver werden und den gesamten Medienbestand ins Internet stellen. Während das ohne große Diskussion im Stadtrat durchging, wurde über die E-Book-Ausleihe länger diskutiert.

Wenn ein Bücherei-Kunde in Schongau wissen will, ob ein von ihm gewünschtes Buch gerade vorrätig oder überhaupt im Bestand ist, muss er entweder anrufen, per E-Mail nachfragen oder gleich vorbeischauen. Dass das nicht mehr zeitgemäß ist, hat Bücherei-Leiterin Kornelia Funke längst erkannt. Deshalb hat sie bei der Stadt beantragt, die technischen Voraussetzungen zu schaffen, den gesamten Bestand von rund 20 000 Medien mit dem sogenannten WebOpac-System ins Internet zu stellen. Damit können Leser bequem von daheim oder unterwegs auf den gesamten Bestand zugreifen, schauen, was verfügbar ist oder sich Bücher vormerken lassen. Und zwar rund um die Uhr, auch am Wochenende.

„Das ist wie eine digitale Zweigstelle im Internet“, schwärmt Funke. Man könne sich damit nicht nur an das veränderte Lese- und Ausleiheverhalten der Bürger anpassen, sondern auch neue Zielgruppen gewinnen, die die Bibliothek bisher selten oder gar nicht nutzen wie Berufstätige, Jugendliche und Menschen mit eingeschränkter Mobilität. „Erst kürzlich hat mich eine gehbehinderte Frau angerufen und gefragt, ob ein bestimmtes Buch gerade da ist, damit sie ihre Nachbarin zum Abholen vorbeischicken kann“, erzählte Funke im Stadtrat. Mit dem neuen System, das in vielen anderen Büchereien längst Standard ist, hätte so eine Klientel es bedeutend einfacher. Die Kosten bezifferte sie, auch wegen der zum Teil veralteten Technik, auf 7000 Euro. „Ich bin sehr begeistert, das ist absolut zeitgemäß“, sagte Gregor Schuppe. Der Beschluss wurde einstimmig gefasst.

Beim zweiten Teil des Funke-Antrags gab es dagegen mehr Diskussionsbedarf. Denn Funke hatte auch noch gebeten, die Grundlagen für die E-Book-Ausleihe zu schaffen. „Viele Studien zeigen, dass das Lesen von gedruckten Büchern mehr bringt“, sagte Siegfried Müller (ALS). Nach einer regelrechten Tirade gegen die elektronischen Bücher forderte er, „den Mode-Trend nicht zu fördern“.

Doch darauf ging kaum jemand ein. Viel wichtiger war Bürgermeister Falk Sluyterman (SPD) ein weiterer Aspekt von Funkes Antrag. Nämlich die Forderung, sich mit Peiting und Altenstadt in Verhandlungen zu treten, ob nicht bei beiden Themen ein gemeinsames Vorgehen beim Interkommunalen Entwicklungskonzept (Ikek) möglich wäre. „Sparen wir damit Geld?“, wollte Sluyterman wissen und war mit Funkes Antwort („für die Erstinstallation kann man wohl Zuschüsse erhalten“) hochzufrieden. „Das macht auf jeden Fall Sinn, um die Kosten zu minimieren. Außerdem wäre es toll, ein Buch auch in Peiting ausleihen zu können, wenn man es in Schongau momentan nicht bekommt.“ Auf Schuppes Frage, wie groß die Chancen für eine Zusammenarbeit stehen, antwortete Sluyterman: „In Peiting steht es am 2. Februar auf der Tagesordnung des Gemeinderats, und die Bücherei ist klar als Ikek-Maßnahme definiert worden.“

Michael Eberle (CSU) dagegen war skeptisch, ob das E-Book die Jugend wieder zum Buch bringt. Außerdem habe man das Thema schon durch so viele Ikek-Sitzungen geschleppt, dass in einigen Wochen die Entscheidung fallen müsse. „Sonst müssen wir es selber machen.“ Die grundsätzliche E-Book-Bereitschaft wurde mit 21:2 Stimmen beschlossen.

Boris Forstner

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