Gut besucht war der Abend im Bernbeurer Pfarrstadl mit Dr. Bernhard Ziegans.

Forschungsergebnisse vorgestellt

Auerberg aus Gottesbeton

Bernbeuren - Besiedelung des Auerberges, Neues über die Münzfunde und Bodenuntersuchungen unter dem Parkplatz des Auerbergs: Die Professoren Sebastian Sommer und Jörg Fassbinder sowie Dr. Bernhard Ziegans berichteten im Bernbeurer Pfarrsaal über Forschungsergebnisse der ehemaligen Römersiedlung.

„Die Römer haben sich ganz bestimmt nicht wegen der frischen Luft und dem häufigen Sonnenschein auf den gut 1000 Meter hohen Berg gesetzt.“ Der zudem beschwerlich zu erreichen gewesen sei. Da war sich Prof. Sommer bei seinem von Barbara Zach und Peter Ernst (IG-Auerberg) organisierten Abend im Pfarrstadl sicher.

Häuser sahen wie Baracken aus

Sommer sprach von der Provinz Raetien innerhalb des Römischen Reiches, dem Alpenfeldzug 15 vor Christus, über die letzten Dendrodaten ca. 50 vor Christus, den Brandopferplätzen am Forggensee und der Achse Bregenz – Kempten – Epfach – Augsburg. Auf dieser Achse sei der Auerberg ins Visier der Römer geraten. „Sie bauten auf einer Fläche von 20 Hektar 3,1 Kilometer lange Wälle und eine dichte Besiedelung. Auf elf bis zwölf Hektar Häuser in typisch römischer Bauweise, die wie Baracken ausgesehen hätten. Allesamt bis dich an die Wälle heran. Der Auerberg sei durch eine Unmasse von Importen geprägt worden. Großteils Nahrungsmittel aber auch Töpfe aus Marmor aus dem Sterzinger Raum seien importiert worden. Was verwundert habe, sei die Geschützproduktion auf dem Auerberg gewesen. „Warum machte man da oben Geschütze“ fragte der Referent und gab gleich selbst die Antwort „Jedenfalls nicht, weil man den Auerberg schützen wollte.“ Die Geschütze seien für anderweitige Kriegshandlungen militärisch produziert worden.

Von der Provinz Raetien sprach Prof. Sebastian Sommer.

13 nach Christus ist der Baubeginn auf dem Auerberg datiert. Die Besiedelung wurde 25 bis 27 Jahre lang von den Römern genutzt. In einer Bilderabfolge präsentierte Bernhard Ziegangs römische Münzen vom Auerberg. 244 Stücke insgesamt. „Die Münzen werfen ein Schlaglicht auf den Münzumlauf einer frührömischen Siedlung auf dem Auerberg“, sagte Ziegans. In der die Bewohner nur etwa eine Generation geblieben sind. Die verloren gegangenen Münzen mit Gegenstempeln gehörten wohl einst römischen Soldaten oder Veteranen. Die Masse der gefundenen Münzen, sie stammen aus den Münzstätten Rom und Lugdunum-Lyons, sind aus Bronze, zehn Prozent aus Silber mit Kaiser Augustus auf der einen Seite. 1971 wurden Geldbörsenfunde aus dem Gelände C geborgen. Konkret wisse man, dass die Münzen nach der ersten Besiedelung zwölf nach Christus geprägt worden seien. Interessant sei die Stempelung mit dem Vermerk „für Soldaten und Legionäre.“ Von Augustus wohl als Geschenk gedacht. Weil damals ein akuter Mangel an Kleingeld herrschte, wurden die Münzen einfach halbiert. Die Silbermünzen der Römischen Republik waren mit dem Konterfei des Augustus und Tiberius vom Auerberg versehen. Ein Goldstück war 25 Denare oder 400 Asses wert. Ein Denar aus Silber bedeutete 16 Asses. Zum Vergleich: Ein Tagelöhner bekam sechs Asses. „Die meisten gefundenen Münzen stammen von Kaiser Augustus“, sagte Bernhard Ziegans abschließend.

Über Geophysikalische Prospektion auf dem Auerberg referierte Prof. Jörg Fassbinder vom Bayerischen Denkmalamt in München. Die erste Messung sei datiert im Juli 1977. Dabei seien Messpunkte eingekreist und archäologische Strukturen sichtbar gemacht worden. Mit einem Röntgenbild schauten die Archäologen in den Boden. „Es sieht aus wie eine Mondlandschaft.“ Am südlichen Rand des Auerberges wurden eine Vielzahl von Feuerstellen entdeckt. 2014 habe man einen guten Überblick über die Gesamtanlagen bekommen. Interessant wäre nach Meinung Fassbinders der Brandopferplatz, der außerhalb des Berges liegt.

Ob es einen Friedhof gab, ist noch unklar

Bürgermeister Martin Hinterbrandner meinte eingangs des Abends, wie nur solle man den Auerberg beschreiben. „Ein Endmoränen Hügel klingt nicht sehr romantisch.“ Beim Religionsunterricht würde man doch eher sagen, „Auerberg, aufgeschichtet aus Gottesbeton.“ Das klinge doch deutlich besser.

Nach den Vorträgen konnten die Besucher noch Fragen stellen. Peter Ernst wollte wissen, ob der Auerberg militärisch genutzt worden sei. Eindeutig Nein, war die Antwort von Prof. Sommer. Der Ort oben auf dem Berg sei im zweiten Schritt für Veteranen vorgesehen gewesen. Die zudem für den Bau des Walles und für die Geschützproduktion eingesetzt worden seien. Manfred Karlinger fragte, ob es oben auf dem Auerberg einen Friedhof gegeben habe. Sommer meinte dazu, das sei eine Komponente, die noch fehle. Allerdings, bei einer Größenordnung von bis zu 1500 Leuten da oben, sei gelebt und gestorben worden. „Aber wo die Friedhöfe liegen, wissen wir noch nicht.“

wk

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