Am Auerberg ist nichts zu finden, wo "Damasia" draufsteht

Bernbeuren - Im Streit um das Urheberrecht für die Bezeichung „Damasia“ und „Via Damasia“ ist noch nicht das letzte Wort gesprochen.

Die Diskussion wird wohl noch länger andauern, denn ein endgültiger Beweis, dass „Damasia“ der Auerberg ist, wird nach Auskunft der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in München wohl nie zu erbringen sein.

„Es gibt keine Methode, um das zu beweisen“, stellt Werner Zanier von der Kommission zur vergleichenden Archäologie römischer Alpen- und Donauländer bei der Akademie der Bayerischen Wissenschaften in München fest. Da müsste man am Auerberg schon eine Inschrift finden, wo „Damasia“ draufstehe, meint Zanier. Und das sei mehr oder weniger aussichtslos.

Von einer Scherbensuche am Auerberg hält der Geschichtsforscher und Kunstwissenschaftler Christian Huber aus Bernbeuren nichts. Er beruft sich in seinen Forschungen vielmehr auf die Aufzeichnungen des griechischen Historikers und Geographen Strabon, der vor rund 2000 Jahren gelebt und 17 Bücher verfasst hat.

„Keiner hat sich mit Strabon so auseinandergesetzt wie ich“, ist Huber überzeugt und verweist auf ein 320 Seiten umfassendes Werk, das er zusammengestellt hat und mit dem er eigenen Angaben zufolge beweisen kann, dass das von Strabon beschriebene „Damasia“ auf den Auerberg zutrifft. Dass dies so ist, davon gehen die Archäologen auch aus, aber sie können es halt nicht endgültig beweisen.

Seine Studien zu Damasia-Auerberg und Cambodunum-Kempten hat Christian Huber vor knapp zwei Jahren der Bayerischen Akademie der Wissenschaften zukommen lassen und dafür auch ein Dankesschreiben erhalten. Hubers Studien könnten auf eine lange Tradition zurückblicken, schreibt Professor Volker Bierbrauer. Bei der bis ins 19. Jahrhundert zurückgehenden wissenschaftlichen Beschäftigung mit dem Auerberg und mit dem frühen Kempten habe von Anfang an die schriftliche Überlieferung (insbesondere von Strabon) eine bedeutende Rolle gespielt.

Eine nähere Charakterisierung des Fundplatzes auf dem Auerberg und eine begründete Identifizierung mit dem antiken Namen „Damasia“ haben nach Auskunft von Prof. Bierbrauer aber erst die Grabungen von Prof. Günther Ulbert in den 1960er und 1970er Jahren ermöglicht. Über dessen Ausgrabungen seien bereits drei stattliche Bände erschienen (den vierten und abschließenden Auerberg-Band bereitet Professor Ulbert derzeit vor).

Davon lässt sich Christian Huber aber nicht beeindrucken. Er ist nach wie vor überzeugt, dass er in seinen Studien den Beweis erbracht hat und deshalb die Begriffe „Damasia“ und „Via Damasia“ ohne seine Zustimmung nicht übernommen werden dürfen. Er hat - wie bereits berichtet - der Gemeinde Bernbeuren mit einer Klage gedroht, weil sie die Bezeichnung „Damasia“ für die neu geschaffenen Kulturwege am Auerberg benutzt - ohne ihn vorher um Erlaubnis gefragt zu haben.

Macht Huber mit seiner Klageandrohung ernst? Vorerst noch nicht, denn er will zunächst weitere Stellungnahmen abwarten „und nicht aus dem hohlen Bauch heraus schießen“.

Auch die Gemeinde Bernbeuren, die gegen Huber eine Klage wegen Verleumdung (wegen des Vorwurfs „schäbige Diebe“) in Erwägung gezogen hatte, hält sich (noch) zurück. Man wolle erst die Rückkehr von Professor Bierbrauer (er weilt derzeit in Italien) abwarten und seine Einschätzung in diesem Fall heranziehen, deutete Bürgermeister Heimo Schmid an. Und er macht kein Hehl daraus, dass sich die Gemeinde eine gerichtliche Auseinandersetzung mit Huber am liebsten ersparen wolle. Daran habe man kein Interesse, so Schmid.

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