Boten einen grandiosen Auftakt der Reihe „Festlicher Sommer in der Wies“: Das Orchester Neue Süddeutsche Philharmonie, der Chor der Stadt Schongau, die vier Solisten und Dirigent Christoph Garbe. Foto: rwg

Auftakt nahezu überirdisch schön

Wies - Wer die Musik von Ludwig van Beethoven liebt, der kam in der Wieskirche ins Schwärmen beim Auftakt der Reihe „Festlicher Sommer in der Wies“.

Eines vorne weg: Ein Lob an das Orchester Neue Süddeutsche Philharmonie, den Chor der Stadt Schongau und die vier Solisten Anna Karmasin (Sopran), Hannah Weiß (Alt), Robert Sellier (Tenor) und Martin Danes (Bass), die unter der Leitung von Christoph Garbe einen unvergesslichen, eineinhalbstündigen Konzertabend präsentierten. Der stehende Beifall nach dem obligatorischen Erklingen der Glocken und dem Segensspruch von Wiespfarrer Gottfried Fellner war frenetisch und mehr als verdient.

Es war schön, dass Christoph Garbe die 4. Sinfonie von Beethoven gewählt hat, die eigentlich ein wenig im Schatten der Giganten „Eroica“ und der „Schicksalssinfonie steht. Beides gewaltige, manchmal düster-melancholische und in jedem Fall dramatische Werke. So ganz anders klingt die 4. Sinfonie. Sie ist heiter, beschwingt und fröhlich. Beschäftigt man sich mit der Biographie Beethovens, dann weiß man auch, warum.

Der Komponist war 1806 schlicht und einfach verliebt in Josephine Brunswik, und seine Gefühlslage kann man buchstäblich heraushören. Wie auf Flügeln, so beschwingt klingt der erste Satz, das „Adagio - Allegro vivace“. Mit einer Beethoven eher untypischen Leichtigkeit klingt da die Musik, jauchzen die Geigen und trällern die Flöten. Man spürt förmlich Beethovens mit Liebe gefülltes Herz. Zärtlich, teilweise mit einer einzelnen Querflöte dann das „Adagio“, wunderbar herausgearbeitet vom durchweg herausragenden Orchester.

Das bekannte „Menuetto“ im dritten Satz fliegt nur so dahin, und im rasant schnellen vierten Satz „Allegro ma non troppo“ spürt man Christoph Garbes Freude an dieser Sinfonie. Er peitscht die Geigen in einem stakkatohaft-rasanten Tempo durch die an- und abschwellenden Klangwellen, dass es nicht nur ihm eine Freude ist - auch die Zuhörer sind begeistert.

Auch die C-Dur Messe ist längst nicht so berühmt wie Beethovens „Missa solemnis“, und sie ist auch bei der Erstaufführung 1807 bei Fürst Esterhazy nicht besonders beliebt gewesen. Heute ist das unvorstellbar, denn die Messe ist gewaltig und einfach wunderschön. An diesem Abend wurde sie von allen Mitwirkenden mit einer derartigen Perfektion und Konzentration vorgetragen, dass es einfach ein Genuss war. Jedes Chormitglied fürchtet sich so manches Mal vor dem einen oder anderen schwierigen Einsatz.

An diesem Abend brauchte keiner der Beteiligten Angst zu haben. Durch das punktgenaue Dirigat Garbes und der Konzentriertheit des Chors war nicht nur jeder Einsatz perfekt, sogar die schwierigen Fugen beim Gloria und beim Credo wurden mit einer filigranen Leichtigkeit präsentiert. Die Solisten harmonierten hervorragend, was vor allem im wunderschön-melodiösen „Benedictus“ zum Tragen kam. Hier verlor auch Altistin Hannah Weiß ihre anfänglich hörbare Belegtheit, und ihre Stimme strahlte genau wie die der anderen Solisten Kraft und Sicherheit aus.

Im abschließenden „Agnus dei“ - bei düster hin- und hergeworfenen „Miserere“ Rufen - leitet eine einzelne Klarinette zum „Dona nobis“ über, das dann in einem Mal von einem Waldhorn, mal von einem Fagott, begleitet im innig gesungenen „Pacem“ endet. Hier wird wieder deutlich spürbar, wie zeitlos, wie beeindruckend diese Musik ist. Und wenn dann in der herrlichen Kirche für einen Moment die Sonnenstrahlen auf einzelne Musiker fallen, Klang und Farbe zu einer Gesamtheit verschmelzen, dann ist das nahezu überirdisch schön.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Schlichtes Holzkreuz erinnert an schlimmes Unglück vor 75 Jahren
Den 29. Mai des Jahres 1945 werden Franz und Siegfried Bleichner aus Peiting nie vergessen. An diesem Tag verunglückte ihr Bruder Georg in der Nähe ihres Elternhauses …
Schlichtes Holzkreuz erinnert an schlimmes Unglück vor 75 Jahren
Mit Moped in Auto gekracht: 16-Jähriger bricht sich mehrere Knochen und kommt mit Hubschrauber in die Klinik
Mehrere Knochenbrüche hat sich ein 16-jähriger Kleinkraftrad-Fahrer zugezogen, der am Freitagmittag bei Herzogsägmühle mit einem Pkw zusammengestoßen ist. Er wurde mit …
Mit Moped in Auto gekracht: 16-Jähriger bricht sich mehrere Knochen und kommt mit Hubschrauber in die Klinik
Kruzifix von Hans Hartung erinnert an Fallschirmabsturz
Das Holzkruzifix am Hohen Graben in Schongau wurde frisch renoviert. Hans Hartung ließ es aufstellen - nach seinem Absturz als Ausbilder für Freifall Springer.
Kruzifix von Hans Hartung erinnert an Fallschirmabsturz
Verheerender Dorfbrand legt Bernbeuren in Schutt und Asche
Es war einer der schwärzesten Tage in der Geschichte Bernbeurens. Vor genau 300 Jahren legte ein verheerendes Feuer beinahe das gesamte Dorf in Schutt und Asche. Mit …
Verheerender Dorfbrand legt Bernbeuren in Schutt und Asche

Kommentare