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Ein Flüchtling aus der Landsberger Klasse zusammen mit Martin Freimut.

19-jähriger Martin Freimut aus Schongau

Schüler für Flüchtlings-Engagement ausgezeichnet

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Schongau - Für sein Engagement in der Flüchtlingsarbeit ist der Schongauer Martin Freimut ausgezeichnet worden. Der 19-jährige Schüler, der nun in Landsberg sein Fachabitur ablegte, erhielt den „Ex Norm Award“ für seinen Einsatz im Begegnungsprojekt.

Anfangs sei es nur darum gegangen, Kontakt herzustellen, die Hemmschwelle zwischen den deutschen Schülern und den Asylbewerbern, die in Landsberg in den berufsvorbereitenden Klassen unterrichtet werden, abzubauen. Und Vorurteile, und zwar auf beiden Seiten, wie Martin Freimut erzählt: Der Deutsche sei überpünktlich, übereifrig, arbeite zu viel, sei spießig und versnobt habe er von den gleichaltrigen Flüchtlingen gehört. Auch über die Asylbewerber gab es seitens der Schüler viele Wertungen, so der Schongauer. „Hauptsächlich sind sie aber eines: schüchtern.“

Es gab Kochabende und Kinobesuche

Das bereits im vergangenen Schuljahr gestartete Begegnungsprojekt der FOS/BOS-Schüler wurde zum großen Erfolg, wie der Abiturient berichtet: Aus dem wöchentlichen Treffen zum Kaffeetrinken und Deutschsprechen wurde mehr. Wenn in der Flüchtlingsklasse etwa Excel-Grundlagen auf dem Stundenplan standen und mal jemand fehlte oder Nachfragen hatte, haben die deutschen Schüler angeboten, zu helfen. Es gab gemeinsame Kinobesuche oder Kochabende, oder auch mal einen Ausflug etwa zur KZ-Gedenkstätte in Dachau. Rund 50 Schüler beteiligten sich anfangs an dem Projekt, wobei viele nur sporadisch hinzukamen – „aber fünf oder sechs Leute waren immer da“, sagt der 19-Jährige. Und Martin Freimut würde den gleichen Weg wieder gehen. „Ich war ehrlich positiv überrascht: Respekt und Freundlichkeit stehen ganz oben bei den Flüchtlingen.“

Martin Freimut aus Schongau zeigt stolz seine Auszeichnung.

Was im Schuljahr 2014/2015 noch unter der Hauptorganisation des Lehrers Thomas Schlütsmeier stand, der in Landsberg die Flüchtlingsklassen koordiniert, übernahmen in diesem Jahr dann weitgehend die Schüler selbst, allen voran der Schongauer, wie auch bei der Zeugnisverleihung gelobt worden war. Für seinen Einsatz bekam Martin Freimut bei dieser Gelegenheit den mit 300 Euro dotierten „Ex Norm Award“ des Elternbeirates der Beruflichen Schulen Landsberg überreicht. „Ich bin Martin sehr dankbar für sein Engagement“, lobt Schlütsmeier. „Er hat einen ganz unbedarften Zugang zu den Menschen, und dies nicht aus Gutmenschentum, sondern er war wirklich interessiert, hat die Leute so genommen, wie sie sind.“ Durch das menschliche Interesse des Schülers sei ein ungezwungenes Miteinander entstanden, und der 19-Jährige habe es nicht nur geschafft, dass alle gut zusammenhalten, sondern auch einen Nachfolger aufgebaut, dem er die Organisation des Begegnungsprojektes nun mit gutem Gewissen übergeben könne. In Landsberg gibt es derzeit neun Flüchtlingsklassen, zwei davon werden in einem Kooperationsprojekt mit dem Gymnasium gemeinsam von Lehrern beider Schulen unterrichtet.

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