+
Betroffen waren die Berufsschüler beim Betrachten der geschwärzten Figuren, die einen tödlichen Unfall symbolisieren.

Nachdenklich machende Ausstellung im Berufsschulzentrum Schongau

"Ich wollte doch leben"

Schongau - Acht Verkehrstote gab es im Landkreis Weilheim-Schongau im vergangenen Jahr zu beklagen. Auch junge Leute waren davon betroffen. Mit der Ausstellung „Ich wollte doch leben“ will der ADAC jetzt Fahranfänger aufrütteln und für das Thema Verkehrssicherheit sensibilisieren.

„Das lässt keinen kalt“, sagt der 18-jährige Steffen Lamprecht aus Peiting. Der angehende Kinderpfleger steht in der Aula der Schongauer Berufsschule betroffen vor einem der sechs Schattenbilder. Es sind sechs lebensgroße, geschwärzte Figuren. Jede dieser Silhouetten steht für einen jungen Menschen, der bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen ist.

„Besonders betroffen macht dabei die Tatsache, dass es sich nicht um fiktive Fälle handelt, sondern diese Unfälle haben sich real ereignet“, erklärte Moderatorin Yvonne Halfar vom ADAC Südbayern. Da seien junge Leute viel zu früh aus dem Leben gerissen worden, wie z.B. die 15-jährige Sarah oder der 19-jährige Benjamin.

Der Verkehrstod kommt in der Regel wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Und es kann jeden treffen. Vor drei Jahren hatte die Berufsschule Schongau den Tod einer Schülerin zu beklagen. Vor zehn Jahren verloren sogar drei ihrer Schüler das Leben (bei einem Unfall im Ostallgäu), wie Vize-Schulleiter Michael Walter bei der Eröffnung der Ausstellung in der Berufsschule mitteilte.

„Den 18-Jährigen fehlt oft noch die Fahrpraxis“, so die Erklärung von Landrätin Andrea Jochner-Weiß. Bei den acht tödlichen Verkehrsunfällen im vergangenen Jahr sei in vier Fällen zu schnelles Fahren die Ursache gewesen. „Junge Leute sind manchmal ungestüm und wollen richtig Gas geben“, so die Landrätin. Das könne verhängnisvolle Folgen haben.

Bei der Ausstellungseröffnung im Beruflichen Schulzentrum in Schongau waren dabei: (v.l.) Bürgermeister Falk Slyuterman, Landrätin Andrea Jochner-Weiß, Georg Glas vom ADAC Südbayern und Vize-Schulleiter Michael Walter.

Das kann auch Schongaus Bürgermeister Falk Slyuterman bestätigen. Er schilderte bei der Ausstellungseröffnung einen Fall, der ihm immer im Gedächtnis bleiben wird. Vor 28 Jahren ist ein Klassenkamerad von ihm mit 18 Jahren tödlich verunglückt. „Ich finde diese Ausstellung in der Berufsschule gut“, betonte der Bürgermeister.

Die ADAC-Ausstellung „Schatten – Ich wollte doch leben!“ will anhand realer tragischer Schicksale von viel zu früh verstorbenen Menschen gleichaltrige Auto- und Mottorradfahrer betroffen machen, aufrütteln und für die Gefahren im alltäglichen Straßenverkehr sensibilsieren. „Und für einen sicheren und verantwortungsvollen Umgang mit individueller Mobilität gewinnen“, betonte Georg Glas, Vorstandsrat des ADAC Südbayern, bei der Ausstellungseröffnung.

Die Texte, die sich auf den Schattenfiguren befinden, erzählen sechs tragische Schicksale. Als Boten aus dem Schattenreich der Toten sollen sie Emotionen wecken und Gleichaltrige vor einem ähnlichen Schicksal warnen. „Denn das Risiko, im Straßenverkehr tödlich zu verunglücken, ist bei jungen Fahrern dreimal höher als bei anderen Verkehrsteilnehmern“, klärte Georg Glas auf. Mangelnde Erfahrung, unzureichende Fahrzeugbeherrschung und jugendlicher Leichtsinn erhöhten das Unfallrisiko für junge Leute. Deshalb hält auch die Landrätin ein Fahrsicherheitstraining für besonders wichtig.

Seit drei Jahren ist am Beruflichen Schulzentrum in Schongau auch ein Krisenteam eingerichtet, das sich regelmäßig trifft und bei Todesfällen beratend zur Seite steht. „Das Schlimmste, was man zu tun bekommt, ist Angehörige von Verkehrstoten zu verständigen“, räumt auch Manfred Maier, Vize-Polizei-Chef von Schongau, ein. „Ich wünsche allen die vielen Schutzengel, die ich schon gehabt habe“, sagte Michael Walter abschließend.

Die Ausstellung im Beruflichen Schulzentrum in Schongau ist zwei Wochen zu besichtigen. Die Idee und das Konzept stammt von Marlene Schlund und ist vom ADAC umgesetzt worden.


Michael Gretschmann

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Denkmalpfleger: Dorfplatz kaum zu retten
„Gestaltung des Dorfplatzes in der Wies.“ So stand es auf der Tagesordnung des Gemeinderates. „Zum 36 422. Mal“, meinte Bürgermeister Xaver Wörle überspitzt. Der …
Denkmalpfleger: Dorfplatz kaum zu retten
Nach Lkw-Unfall: „Im Zweifelsfall gewinnt immer der Zug“
Einen Tag nach dem Unfall am Schongauer Bahnübergang bei UPM zeigen sich alle erleichtert darüber, dass es nur Leichtverletzte gab. Groß ist das Lob für das …
Nach Lkw-Unfall: „Im Zweifelsfall gewinnt immer der Zug“
„Das größte Schaufenster der Region“
Vom 29. September bis zum 3. Oktober findet am Weilheimer Volksfestplatz die 21. Oberland-Ausstellung statt. Sie hat eine enorme Anziehungskraft, rund 30 000 Besucher …
„Das größte Schaufenster der Region“
Prügelei mit Imbiss-Besitzer: Welche Version stimmt?
Die Auseinandersetzung im Döner- und Pizza-Imbiss in Lechbruck zwischen dem Besitzer und einer Gruppe syrischer Asylbewerber aus einer benachbarten Unterkunft stellt die …
Prügelei mit Imbiss-Besitzer: Welche Version stimmt?

Kommentare