Dr. Volker Zahn vom Arche Noah-Hof in Kreut hatte für die Beteiligten an der Ausstellungseröffnung „Sehnsucht Wildnis“ Schatzkisten gepackt. Von links: Dr. Volker Zahn, Hubert Endhardt (Vorsitzender Förderverein Nationalpark Ammergebirge), Dr. Josef Heringer, Claudia Fenster-Waterloo (Vorsitzende Umweltinitiative Pfaffenwinkel), Dichter Werner Sämann und Kurator Hans-Peter Bergmann. Foto: uf

Ausstellung in Peiting: Wilde Mischung zum Thema Natur

Peiting - „Sehnsucht Wildnis“ ist das Motto einer Ausstellung, die in der Scheune des Arche-Noah-Hofs in Kreut zu sehen ist.

Zur Eröffnung gab es einen Vortrag von Dr. Josef Heringer zum geplanten „Nationalpark Ammergebirge“ und ein wildes Hoffest. Die Ausstellung zum Thema „Kunst und Landwirtschaft“ findet bereits zum sechsten Mal statt.

Dr. Volker Zahn, Eigentümer des Arche-Noah-Hofs, hatte auch in diesem Jahr wieder eine bunte Mischung aus Schülern, Studenten, Künstlern und Hobbykünstlern gewinnen können, Werke zum Thema auszustellen. Dieses Mal unter der Federführung von Kurator Hans-Peter Bergmann, Inhaber einer Münchener Werbeagentur, der sogar eine Leihgabe aus der Kunstakademie, ein riesiges Bergpanorama, organisierte.

„Wir wollen hier nicht mit Galerien konkurrieren, sondern mit der wilden Mischung, die Werke mit dem Thema Naturerhaltung verbindet, ein Gesamtkunstwerk mit improvisiertem Charakter schaffen“, so Hans-Peter Bergmann zur Ausstellung, zu der er selbst ein Werk aus seinem Privatbesitz beisteuerte, das er vor Jahren auf dem Flohmarkt gefunden hatte.

„Brauchen wir einen Nationalpark Ammergebirge oder brauchen wir nicht viel mehr?“, fragte schließlich Dr. Josef Heringer, ehemaliger Mitarbeiter der bayerischen Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege in Laufen. In seinem lebendigen Vortrag prangerte er den ausbeuterischen Umgang mit der Natur an und forderte eine Rückkehr zur naturnahen und umweltverträglichen Lebensweise.

„Wir brauchen mehr als Delegationen und die Guten und die Bösen. Es geht uns alle an“, so Heringer zum Streit um die Ausweisung des Bergwalds zwischen Linderhof und Neuschwanstein als Nationalpark. Nicht der Ausverkauf der Landschaft an Investoren sei das Ziel, sondern der Erhalt der bayerischen Naturidylle, die auch zur regionalen Identität beitrage.

In diesem Zusammenhang prangerte er Aktivitäten, wie den geplanten aber gescheiterten Nachbau eines Allgäuer Bergdorfes als Touristenattraktion oder die Zerstörung im Umfeld der Wieskirche durch einen Münchner Unternehmer an. Regionale Wertschöpfung und ein besseres Leben mit weniger materiellen Dingen in Fortführung alter Traditionen müsse das Ziel sein. Dazu brauche man auch keine „zertifizierte Wilderness“, sondern eine Bevölkerung, die sich für ihr Lebensumfeld einsetze. Bauern sollten für ihre Landschaftspflegeleistung bezahlt und die einheimischen Flächenbesitzer zum Beispiel bei der Nutzung von Qualitätsgewässern angemessen beteiligt werden. Holz solle nicht, wie es bereits praktiziert wird, exportiert, sondern in der Region veredelt werden. Wer den Erhalt der regionalen Identität mit der typischen Landschaft, Tracht und Volksmusik wolle, dürfe der „agro-industriellen Mafia“ in Gestalt von Großkonzernen keinen Vorschub leisten.

„Wir gehen Zeiten eines sehr deutlichen Umschwungs entgegen, und die müssen wir gestalten“, so Heringer, der sich unter anderem für Landschaftspflegeprojekte durch Senioren einsetzt. Leuten, die die Nationalpark-Befürworter als „Spinner“ bezeichnen, hielt er entgegen: „An Neuschwanstein und den anderen Bauten Ludwigs II. kann man am besten sehen, wie weit so genannte ,Spinner’ die Region gebracht haben!“

uf

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