Ausstellung in Steingaden: Beziehungen zwischen Berg und Mensch

Steingaden - Es sind nur drei Worte. Und es ist doch ein gewaltiges Thema, das die „Galerie am Klosterhof“ in Steingaden für ihren ersten großen öffentlichen Auftritt gewählt hat: „Berg. Mensch. Reduktion.“ heißt die Ausstellung. Und das Erstaunlichste ist vielleicht: Die gar nicht so große (aber gehaltvolle) Ausstellung wird dem großen Thema gerecht.

Die Steingadener Ausstellung zu besuchen, lohnt sich aus mehreren Gründen. Schon die Räume an sich sind sehenswert: Die Galerie ist in den Gewölben der einstigen, Mitte des 16. Jahrhunderts erbauten Klosterschmiede untergebracht - jenem markanten Gebäude am Marktplatz, das später das Kaufhaus Echtler war, danach wechselnde Mieter hatte. Seit heuer verwirklicht das in Schönberg lebende Sammler-Ehepaar Angelika (62) und Hermann Klein (63) dort seinen Traum von einer Galerie, präsentiert „Kunst zwischen Tradition und Moderne“, so das Motto.

In der Ausstellung „Berg. Mensch. Reduktion.“ ist dieses Motto bestens umgesetzt: Klassischen Berg- und Menschenbildern aus der eigenen Sammlung stellen die Kleins Zeitgenössisches von Bernhard Jott Keller und Matthias Buchenberg gegenüber. Letzterer lebt als Bildhauer in Vorderburg im Allgäu (zwischen Immenstadt und Nesselwang), am Fuße des Grüntens. Der Maler Keller, im Ortsteil Riesen direkt am Lech zu Hause, ist in Steingaden bekannt wie ein bunter Hund, hat vor Ort aber noch kaum ausgestellt. Die modernen Arbeiten beider gehen in den historischen Räumen eine höchst spannende Beziehung ein mit den „alten“ Gemälden des Spätimpressionisten Otto Pippel oder des Landschafts- und Genremalers Hans Best, der Anfang des 20. Jahrhunderts zum Beispiel regelmäßig bei den Ausstellungen im Münchener Glaspalast vertreten war.

Keller (63), der in Riesen mit Blick auf die Allgäuer und Tiroler Alpen arbeitet, wirft einen völlig anderen Blick auf die Berge als die Malerklassiker - einen weniger idyllischen Blick. Und einen Blick, der sich dem Betrachter nicht immer auf den ersten Blick erschließt. Berge wie der Säuling sind in seinen Gemälden oft nur noch Strukturen, tauchen in naturfremder Farbigkeit auf, werden zum „Resonanzboden für die Schwingungen der Seele“, wie Kunsthistorikerin Brigitte Battenberg bei der Vernissage erklärte. „Ich verstehe den Berg immer als Metapher“, sagt Keller selbst: „Der Berg ist zum Beispiel eine Spitze - und das kann dann auch die Spitze einer Nadel sein oder die Spitze eines EKGs...“. Bei allen Höhen, aller Tiefe wirken Kellers Bilder doch meist leicht und poetisch - „auf eine Art, die relativ selten ist in unseren Breiten“, wie Galeristin Angelika Klein schwärmt.

Als Meister der Reduktion stellt sich Matthias Buchenberg in Steingaden vor. Das Thema des Bildhauers ist der Mensch, dessen Individualität sich in seinen filigran aus Schweißdraht geflochtenen Objekten allerdings verliert. „Der Mensch verschmilzt mit der ihn umgebenden Atmosphäre, wird von ihr durchdrungen, reduziert bis zu einer Hülle“, so beschreibt Battenberg die oft torsihaften Werke des 49-Jährigen.

Es steckt viel in Matthias Buchenbergs Menschen, in Bernhard Jott Kellers Bergen. Man kann sich lange in sie vertiefen. Doch man kann sie auch ganz einfach schön finden.

Zu sehen ist die Ausstellung „Berg. Mensch. Reduktion.“ in der „Galerie am Klosterhof“ Steingaden (Marktplatz 3) bis zum 26. Dezember: Di/Do/Fr 9.30-12 und 15.30-18 Uhr, Sa 10.30-15.30 Uhr. Zehn Prozent des Reinerlöses von Verkäufen kommen der Gemeinde Steingaden für ein Restaurierungsprojekt zugute. Info: 08862/9324621, www.galerie-am-klosterhof.de.

mr

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