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Der Pfarrstadl platzte aus allen Nähten: Zahlreiche Besucher aus Nah und Fern wollten die Autorin Doris Dörrie hören.

Autorenlesung mit Doris Dörrie in Bernbeuren

Spritziger Humor in bildhafter Sprache

Bernbeuren - 200 Besucher – mit so einem Ansturm hatte niemand gerechnet. Als jedoch bereits eine halbe Stunde vor Beginn kaum mehr Plätze frei waren, sorgte das Bücherei-Team schnell für weitere Sitzmöglichkeiten, damit möglichst viele die Lesung von Doris Dörrie besuchen konnten.

Bis aus München oder Kaufbeuren kamen die Zuhörer ins beschauliche Bernbeuren, denn Lesungen mit dem Allroundtalent Doris Dörrie – eine bekannte Schriftstellerin, Film- und Opernregisseurin – sind selten. Lehrerin Elisabeth Schmölz bewies langen Atem, denn Telefonate und Terminabsprachen waren schwierig, drehte Dörrie doch in den vergangenen Monaten in Japan den Film „Grüße aus Fukushima“, der im März ins Kino kommen wird. Erlebnisse aus Japan fließen auch immer wieder in ihre Bücher ein, denn genau wie Elmar Wepper im Film „Hanami“ ein Adressschild bei sich trug, ließ sich Dörrie ein Schild mit japanischen Schriftzeichen ihres Hotels geben, als sie bei einer ihrer ersten Reisen durch die Region trampte.

Interessiert verfolgte das Publikum sowohl die Lesungen aus ihren Kurzgeschichten „Samsara“ und ihrem neuen Buch „Diebe und Vampire“, als auch die privaten Erzählungen über die Eigenheiten dieses für sie so faszinierenden Landes. Im Gegensatz zu den Chinesen, die kein „r“ aussprechen können, haben Japaner dieses Problem mit dem Buchstaben „l“. Natürlich brachten die Trennungsgeschichten einer Frau, die in der Nacht permanente Anrufe mit dem Worten „I want to make rove to you“ die Anwesenden genauso zum Lachen wie die Fengshui-Expertin Frau Fu.

Deren Einstellung zu weisen Sprüchen: „Als Chinesin kann ich dummes Zeug erzählen und alle glauben, es sei von Laotse oder Konfuzius.“ Auch die Dreharbeiten zum Film „Erleuchtung garantiert“ waren zu komisch, denn sie fanden in einem strengen Zen-Kloster statt. Dort musste sich die Filmcrew – inklusive Uwe Ochsenknecht – den Regeln des Klosters angepasst morgens um halb sieben Uhr putzend auf den Knien vorstellen. Aufstehzeit für alle war übrigens halb drei in der Nacht. Die dortigen Mönche konnten insbesondere die Rolle der Regisseurin nicht verstehen und forderten die herumstehende Dörrie immer wieder auf zu putzen, was auf Dauer sehr anstrengend gewesen sein muss.

Doris Dörrie schreibt und erzählt in sehr bildhafter Sprache, mit spritzigem Humor und klaren, knappen Worten, wenn es sein muss. Der Büchertisch mit Romanen, Erzählungen, Kinder- oder Hörbüchern war am Ende komplett leergefegt, und nicht jeder kaufwillige Gast konnte ein Werk mit persönlicher Signierung ergattern. Um zwischen den Lesungen das Gehörte sacken lassen zu können, spielten Grundschulrektor Matthias Igerl auf der Gitarre, Armin Haf auf der Ziach und Johannes Kretzinger auf der Trompete Stücke von Herbert Pixner. Der Elternbeirat verköstigte die vielen Zuhörer mit Getränken und einem Imbiss.

Die Spenden des Abends möchte Dörrie dem Asylhelferkreis in Bernbeuren zur Verfügung stellen, der damit dringliche Ausgaben unbürokratisch bestreiten können soll. Damit drückte die Schriftstellerin ihre Verbundenheit zu ihrer Heimat Bernbeuren aus, wo sie, wenn es der Terminplan zulässt, bereits seit 26 Jahren wohnt. Sie selbst sei auf ihren Reisen „auch immer wieder Ausländer, allerdings nicht als Geflüchtete, sondern beruflich und aus Abenteuerlust heraus".

Kathrin Zillenbiehler

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