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Baggern für den Feuer-Engel

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Die Holzskulptur des Hl. Michaels, lädiert mit nur einem Flügel und ohne Schwert, hat die Brandnacht überstanden.  Foto: herold
Die Holzskulptur des Hl. Michaels, lädiert mit nur einem Flügel und ohne Schwert, hat die Brandnacht überstanden. Foto: herold

Schongau - Viele Abrissarbeiten hat Hubert Guggenmos aus Burggen mit seinem Bagger schon bewältigt. Bei seinem jüngsten Einsatz musste er besonders viel Fingerspitzengefühl an den Tag legen. Es ging um die Rettung eines Hl. Michaels.

Hubert Guggenmos ist an diesem Tag als Baggerführer der Firma Bair aus Burggen im Einsatz. Er kennt die Einsatzstelle sehr genau: Die Brandruine im Gewerbegebiet zwischen Schongau und Altenstadt, wo vergangene Woche der verheerende Brand gewütet hat. In dieser Nacht war Guggenmoos ebenfalls im Einsatz, als Wehrmann der Feuerwehr Burggen. Aber an diesem Nachmittag Tage danach ist er in anderer Mission vor Ort. Er muss das Chaos in der Brandruine zerpflücken, den Beamten der Kripo einen halbwegs sicheren Zugang zu ermöglichen. Verbogene Blechteile, durch die Hitze verformte Eisenträger, verkohlte Holzbalken und Mauerreste - ein Durcheinander wie in einem Katastrophenfilm.

Guggenmos behält Ruhe und vor allem Übersicht. Schließlich darf er keine Spuren, die für die Brandfahnder so wichtig sind, zerstören. Guggenmos weiß noch etwas. Eine wichtige Information von ganz besonderer Bedeutung. Unter dem ganzen Durcheinander sucht er eine besondere Figur. Die personengroße Holzskulptur des Heiligen Michaels. Eine Figur, die vor allem der brandgeschädigten Familie Kögl sehr am Herzen liegt.

Brigitte Martin, die Lebensgefährtin, weiß genau, in welchem Bereich die farbig gefasste Figur stehen muss. Auch Nachbar Johann Wlacil von angrenzenden Antiquitätengeschäft ist sich sicher, wo das gute Stück gestanden war. Früher hatte der hl. Michael seinen Platz in der Altenstadter Basilika. Nach Renovierungsarbeiten in der Kirche wurde der Engel „verbannt“, weil er nicht zum romanischen Stil der Basilika passte. Er wurde einer Altenstadter Familie übergeben, die für die Basilika eine Kirchenglocke stiftete. Die Familie wiederum wollte den Engel restaurieren lassen und übergab ihn an Brigitte Martin. Sie ist Bildhauermeisterin und übernahm die Restaurierung der Figur.

Aber hat sie die Brandnacht überstanden? Wurde sie ein Raub der Flammen oder von herabstürzenden Trägern zerschlagen? Alle müssen sich auf Guggenmos und seine ruhige Hand am Steuerhebel verlassen. Der Baggerfahrer hat mittlerweile eine Gasse geschaffen, um den Beamten der Kripo einen Zutritt zu ermöglichen. Und die verkündeten die frohe Botschaft - der Engel ist gefunden. Zwar hat er leichte Blessuren erlitten: Ein Flügel ist abgeschlagen, das Schwert liegt am Boden und die farbige Fassung ist stark verrußt. Aber er ist in seiner Ganzheit erhalten.

Brigitte Martin fällt ein Fels vom Herzen. Vorsichtig werden alle Teile um die Figur herum entfernt, um die Bergung zu ermöglichen. Und die übernimmt Guggenmos, der den Engel an seiner Baggerschaufel aus der Ruine „fliegen“ lässt. Und noch ein Stück wird kurz darauf gerettet, ebenfalls aus Holz: Brigitte Martins Meisterwerk aus der Bildhauerschule, die Skulptur eines Biafra-Kindes.

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