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Die Vorbereitungen in Bernbeuren sind nahezu abgeschlossen, erste Bagger geliefert.

Paradox: Nicht genehmigter Spielplatz wird bereits beworben

Baggerspaß Bernbeuren macht mächtig Ärger

Bernbeuren/Burggen - Gleich zwei Bagger-Spielwiesen im Abstand von fünf Kilometern in zwei Nachbargemeinden? Der Burggener ist genehmigt. Vom Bernbeurer wissen die Gemeinderäte noch nichts, geschweige denn das Landratsamt.

Große Aufregung in Bernbeuren wie in Burggen. Dort, wo im Bernbeurer Gewerbegebiet Straßfeld ein Büro und Lagergebäude mit Betriebsleiterwohnung für einen Landschafts- und Gartenbaubetrieb geplant ist, entsteht derzeit ein Baggertrainingsplatz für die Großen und ein Baggerspielplatz für den Nachwuchs. Im Internet kann jeder nachlesen, was auf den 2500 Quadratmetern geplant ist, Eröffnung am 25. August: „Baggerspaß von 0,8 Tonnen bis 5 Tonnen für jedes Alter, weg vom Alltag und dem Stress, in einer wundervollen Landschaft“.

Stress gibt es nun aber doch, und zwar jede Menge. Burggens Bürgermeister Joseph Schuster ist derart entsetzt über das Vorhaben, dass er bereits am Rande der VG-Sitzung seinen Bernbeurer Kollegen Martin Hinterbrandner fragte, was er darüber wisse. Denn schließlich befasst sich die Gemeinde Burggen mittlerweile seit zwei Jahren mit dem Thema Baggerpark. Die Genehmigung des Landratsamtes liegt seit kurzem vor, der Marktoberdorfer Stefan Zech könnte starten. Schuster: „Irgendetwas läuft da an der Öffentlichkeit vorbei.“

Doch auch in Bernbeuren wussten die Gemeinderäte bisher nichts von einem derartigen Vorhaben – die Nachricht ist ein ziemlicher Aufreger. „Ganz nüchtern gesagt, weiß ich nicht viel“, meint Bürgermeister Martin Hinterbrander auf Anfrage der Schongauer Nachrichten. Bei den Vorbereitungen zum Gewerbetag „Tür auf“ sei der Betreiber an ihn herangetreten. Der Begriff „Baggertraining“ hätte ihn stutzig gemacht, er habe dies auch so an das Landratsamt weitergegeben. Bei einem Gespräch vor fünf bis sechs Wochen sei erneut von „Kinderbaggern“ die Rede gewesen. „Ich habe darauf verwiesen, dass sie sich schlau machen sollen, und dass ihr Vorhaben einer Genehmigung bedarf“, so Hinterbrandner. Ein Trainingsplatz oder gar Baggerspielplatz sei weder aus dem Bauantrag ersichtlich noch aus der Gewerbeanmeldung.

Aus Sicht der Bauherrn, Kirstin und Rainer Forster von der Firma GaLa Oberland, steht dem „Baggerspaß Bernbeuren“ jedoch nichts mehr im Wege. Zwei Mal sei man in der Gemeinde gewesen und habe das im Detail durchgesprochen, so Kirstin Forster. Der Kiosk für die kleine Verpflegung mit Brezeln und Würstel, Kaffee und alkoholfreien Getränken steht, die Fläche ist hergerichtet, die Bagger für die Kinder geliefert. Kirstin Forster: „Alle Voraussetzungen für die Eröffnung sind abgeschlossen.“ Deutlich hervorheben möchte sie, dass es sich eben nicht um einen Baggerpark wie in Burggen handelt, wo wohl überwiegend das Kind im Manne die Diesel-Riesen bis zu 22 Tonnen bewegen soll. „Die Feinheit liegt im Freizeitpark.“ In Bernbeuren liege die Betonung auf dem „Training“.

Sechs Elektrobagger für die Kleinen ab drei Jahren mit Münzeinwurf stehen laut Forsters Auskunft bereits zur Verfügung. Und vier weitere Diesel-Kettenbagger. Um Unfälle auszuschließen, sollen die Bagger bis zu 1,6 Tonnen auf einem Fundament fest verankert werden. Der 5-Tonner kann frei bewegt werden. „Von den Anforderungen wird alles eingehalten.“

Dass natürlich keine Genehmigung für einen Baggertrainingsplatz vorliege, betont Peter Steigenberger vom Landratsamt. Ein Schreiben an GaLa Oberland ist unterwegs. Das Landratsamt könnte einen nicht genehmigten Bau einstellen lassen bzw. die Nutzung untersagen. Lediglich der genehmigte Antrag zum Bau von Büro und Lagerhalle liegt vor, an dessen Umsetzung laut Kirstin Forster jedoch derzeit gar nicht gedacht sei. „Die Gebäude brauchen wir nicht, um den Baggerplatz zu eröffnen.“

Dass die Betreiber zwischenzeitlich nicht mal den Antrag gestellt hätten, findet Hinterbrandner „persönlich dreist oder naiv“, zumal sie so „eine große Unruhe stiften im Verhältnis zwischen Bernbeuren und Burggen – und auch im Dorf“. Der Bürgermeister will am kommenden Dienstag die Gemeinderäte über den Sachstand unterrichten.

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