Balanceakt mit der Ziach

Burggen - „Noblesse“ und „Veitl“ heißen die beiden Partner von Sebastian Erhart. Balancierend auf den Gesäßbacken der Süddeutschen Kaltblüter, reitet der Burggener auf beiden Pferden gleichzeitig stehend. Und hat auch noch freche Stückl auf der Ziach parat.

Wer auf den Aussiedlerhof im Borzenwinkel kommt, sieht sofort, dass dort alles von Pferden dominiert ist. Der Schnee dämpft das Schnauben und das Tripptrapp der Hufe, die Tiere kommen neugierig an den Zaun. Wenn Sebastian Erhart um halb fünf aus der Landwirtschaftsschule in Kaufbeuren kommt, wo er gerade die Ausbildung zum Wirtschafter für Landbau angefangen hat, tauscht er oft sofort die Jeans gegen eine feste Hose.

Der vierjährigen „Noblesse“ und dem achtjährigen „Veitl“ steigt der 21-Jährige ziemlich regelmäßig auf die Kruppe - das Pferdegesäß. Ob nun für sich alleine als sportlicher Ausgleich oder gemeinsam mit der Oberländer Reitertruppe - der junge Landwirt lässt die Tradition der „Ungarischen Post“ wieder aufleben. Und nicht nur diese besondere Formation - die Quadrille - zeigen die Reiter, sie gehen sogar noch ein Stück weiter. Sie bieten den Zuschauern auch noch etwas fürs Ohr: Einige Reiter spielen auf den Pferderücken ein Instrument, wobei die Tiere hierbei stehen. Mit zwölf Reitern und 24 Pferden trat der Reitertrupp erst im November in Stuttgart auf, die Gruppe rund um Initiator Peter Lerch faszinierte die Zuschauer in der Porsche Arena.

Der Burggener glänzt dabei mit der Steirischen Harmonika. „Die Ziach braucht keinen Strom - Du kannst sie auch spielen, wenn das Licht ausgeht“, zitiert Erhart seinen Lehrer, Sepp Wohlfahrt vom Auerberg. Noten kennt der junge Landwirt nicht - hat dies aber bisher auch nicht vermisst. Sein Repertoire umfasst dennoch 42 Stücke. „Mit der Ziach bin ich fast mehr unterwegs als mit dem Ross“, erzählt er. Der junge Landwirt spielt für die Plattler in Burggen, für die Goaßlschnalzer in Steingaden, in der Lechgaugruppe der Plattler - der „Elite“, wie er sagt - und immer wieder mal in anderen Zusammensetzungen in einer kleinen Gruppe - gerne auch mit Schwester Maria an der Gitarre.

Das Lernen nach Gehör und durchs Beobachten fiel ihm leicht - aber Talent paart sich auch mit Fleiß und Ehrgeiz: Am Tag nach dem Musikunterricht holte er die Ziach noch vor der Schule hervor, um das neu gelernte Stück nicht zu vergessen. Noch mehr mit Übung, vor allem aber Vertrauen, hat die Arbeit mit den Pferden zu tun. Die Eltern Stefan und Gabi Erhart haben einen Forstbetrieb. Neben dem Bulldog mit Rückewagen und Rückekran kommen ganz regelmäßig die Pferde zum Einsatz. Die Arbeit mit den einzelnen Pferdestärken ist sowohl schonender für den Boden als auch für den stehenden Bestand - und schneller, als mit jeder Seilwinde, wie Erhart versichert. „Wenn man zu zweit ist und das Gelände passt, muss der Bulldogfahrer schauen, dass er nachkommt.“ Sebastians Partner im Wald ist ebenfalls „Veitl“ - „das ist für mich fast das Schönste, was es gibt: Wer kann schon behaupten, den ganzen Tag mit einem Freund zusammenzuarbeiten.“

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