Mit viel Grazie und anmutigen Bewegungen warteten die Akteure beim großen Ballettabend im Marktoberdorfer Modeon auf.

Ballettschule Schongau

200 Akteure tanzen Bilder einer Ausstellung

Schongau/Markt Oberdorf - Zum 19. Mal haben die Schüler der Schongauer Ballettschule ihr Können im Rahmen eines Ballettabends gezeigt. Auf der Bühne des Modeons in Marktoberdorf tanzten die Eleven das Thema „Museum – bewegende Kunst“.

Eine Schulklasse macht einen Besuch im Museum. Die Schüler durchstreifen die Räume mit den unterschiedlichen Themen und erleben dabei viele Überraschungen. Das ist die Einleitung zum diesjährigen Programm der Schongauer Ballettschule in den Worten ihrer Lehrer Anne Blackwell, Gitti Frommhold-Horber und Herbert Groß.

Museum, Kunst, das ist der Überbegriff für den Ballettabend, und erstreckt sich von den Putzfrauen, die das Museum sauber halten, über die Techniker, die das Museum am Laufen halten bis hin zu den Künstlern, deren Exponate im Museum zu sehen sind. All das haben die Ballettschüler auf die Bühne gebracht.

Einem bekannten französischer Maler des 19. Jahrhunderts, Henri de Toulouse-Lautrec, verdanken wir einen Blick hinter die Kulissen des Pariser Nachtlebens. Und wer kennt sie nicht, die Zeichnungen jener Tänzerinnen, für die vor allem das Moulin Rouge bekannt ist. Während der Maler die Tänzerinnen auf Papier festgehalten hat, ging die Ballettschule den umgekehrten Weg. Was wir als Exponat aus dem Museum kennen, auf Papier gemalt, fotografiert oder auch gegenständlich verewigt, erwacht im Museum tänzerisch zum Leben.

Wo die Impressionisten vor 200 Jahren Natur, Frühlingsboten und Blumen, Bienen und andere Insekten auf die Leinwand gebannt hatten, werden die nun wieder lebendig, summen Bienen zu Strauß‘ Ouvertüre der Fledermaus über die Bühne oder tanzt die Frühlingsfee nach Prokoffief, mal Solo oder in ganzen Heerscharen.

200 Akteure, vor allem junge Damen, aber auch zwei Tänzer und ihr Tanzlehrer Herbert Groß, bevölkerten zwei Tage lang die Bühne des Modeons und zeigten vor einem ausverkauften Haus, was sie in den letzten Monaten einstudiert hatten.

Seit Januar, so Gitti Frommhold-Horber, hatten sich die Eleven auf diesen Abend, den es so nur alle zwei Jahre gibt, vorbereitet. Eine Vorbereitung, die sich sehen lassen kann und die dem Zuschauer bewusst macht, dass ein solcher Abend nicht öfter stattfinden kann. Hatten vor allem die jüngeren Tänzerinnen nur eine oder zwei Rollen einzustudieren, kamen die Älteren auf bis zu 17 Dresswechsel. Und mit jedem neuen Dress, ob im klassischen Tutu, modernem Vamp oder Zombie-Look a la Michael Jackson, mal als Miezekatze oder Biene, Lichtreflexe oder quirlige Flämmchen, mussten natürlich auch die Schritte und Figuren einstudiert werden. Da blieb oft nicht mal mehr genug Zeit, um zwischen den Aufzügen zu verschnaufen. Mussten doch in aller Eile Kostüme und Schuhe gewechselt werden. Um danach wieder mit einem strahlenden Lächeln, oder, aufwendig geschminkt, auch mal mit der Fratze eines Untoten, hinter dem Vorhang wieder aufzutauchen und die Menschen davor zu erfreuen.

Vor gut einem Jahr schon hatten sich die Tanzlehrer zusammengesetzt und das Thema für den 19. Ballettabend gefunden. Danach galt es, die Aufzüge auszuarbeiten und die passenden Musik zu finden. 22 Mal wechselte das Bühnenbild, der Raum im Museum zeigte die Impressionisten und moderne Popkünstler, klassische Gemälde und klassische Musik, Meisterwerke und Filmdiven. Und wie im richtigen Museum auch, kann sich so eine Abteilung auch über mehrere Zimmer erstrecken. Immer dabei die Schulklasse und natürlich der Zuschauer im Saal.

Bevor es losgeht, legen die Raumpflegerinnen letzte Hand an, wirbeln die Tänzerinnen mit Feudel und Eimer, Pümpel und Besen über die Bühne. Als ob er es geahnt hätte, gibt es sogar das passende Musikstück von Mussorgsky, „Bilder einer Ausstellung“ . Und so begleiten wir die Schulklasse, die schließlich sogar im Museum eingesperrt ist und erlebt, was nachts alles passiert.

Ausdrucksstark, das ist der Begriff, den alle Eleven von Gitti Frommhold-Horber und Anne Blackwell eint. Man weiß nie so recht, wohin der Blick schweifen soll, außer es steht eine Solistin auf der Bühne. Immer wieder überraschen die Bilder, aber auch deren tänzerische Umsetzung, etwa wenn die Naturwissenschaften auf dem Programm stehen und der Vulkan brodelnd zum Leben erwacht. Oder die Zeitgeschichte und mit ihr die 80iger Jahre, die Herbert Groß mit seiner Jazz-Dance und HipHop-Klasse umgesetzt hat. Wobei die Ballettschule nicht nur hierbei aus ihrem umfangreichen Kostümfundus schöpfen kann, der seit 1981 stetig wächst. „So gelungen, wie ich es mir vorgestellt habe“, befand die Chefin denn auch, sei der diesjährige Ballettabend. Für den die Tänzer nicht nur viel Disziplin, sondern auch Zeit aufbringen müssen und nach einem stressigen Schultag erstmal ein paar Übungen an der Stange brauchen. Ballett, in welcher Ausprägung auch immer, lässt weder Tänzer noch Zuschauer je wieder aus seinem Bann.

os

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