Neubau in Schwabsoien

Aus Schandfleck wird Vorzeigeobjekt

Schwabsoien - Barrierefrei, optisch ins Ortsbild passend und mit neun Wohneinheiten versehen: So soll das Mehrfamilienhaus mit Tiefgarage werden, das im Ortskern von Schwabsoien entstehen soll.

Bereits im September vergangenen Jahres hatte die Schwabsoier Firma „W&H Schlüsselfertiges Bauen“ geplant, auf dem Gelände eine abbruchreifen Grundstück an der Schongauer Straße 12 ein neues, barrierefreies Mehrfamilienhaus mit 17 Wohneinheiten für altersgerechtes Wohnen zu errichten. Damals war der Antrag der Firma auf Änderung des Ortskern-Bebauungsplans für dieses Vorhaben jedoch abgelehnt worden.

In der Zwischenzeit, so sagte Schwabsoiens Rathauschef Siegfried Neumann in der jüngsten Gemeinderatssitzung, haben sich zum einen die Planungen der Firma etwas verändert. Jetzt sind nur noch neun Wohneinheiten geplant. „Zum anderen hat sich herauskristallisiert, was wir wollen: Barrierefreie und ausreichend große Wohnungen für Senioren ebenso wie für Familien mit Kindern, um dem demografischen Wandel Rechnung zu tragen.“ Und das dabei entstehende Gebäude solle sich harmonisch ins Ortsbild einpassen.

So soll das barrierefreie Haus in der Schwabsoier Ortsmitte einmal aussehen.

So weit, so gut. Allerdings geht die Gemeinde noch einen Schritt weiter: Während Artikel 48 der Bayerischen Bauordnung für Barrierefreiheit vorsieht, dass ein Drittel der Wohneinheiten entsprechend räumlich so gestaltet sind, möchte man in Schwabsoien, dass alle neun Einheiten nach den Maßgaben der Barrierefreiheit gebaut werden. Und das wiederum verlangt vom Bauträger höhere Investitionen für die Umbauten. "Wir wollen etwas vom Bauwerber, also ist es das normalste, dass wir ihm dafür auch etwas geben“, leitete Neumann einen Punkt ein, der später hitzig diskutiert wurde. Denn Neumann beantragte - für dieses Bauprojekt und unter Berücksichtigung des erwähnten Artikels 48 - eine Änderung des Ortskern-Bebauungsplanes. Diese besagt, dass die Zahl der höchstzulässigen Wohneinheiten von sechs auf neun erhöht werden kann, bei einer Grundstücksfläche von über 2101 Quadratmetern, wenn alle Wohnungen dafür barrierefrei gebaut sind. „Die ,Kann-Formulierung’ lässt der Gemeinde Spielraum, der Gemeinderat muss im Einzelfall entscheiden, ob er mitreden und den Bonus der höheren Grundstücks- und Wohneinheitenzahl gewährt“, erklärte dazu Kreisbaumeister Horst Nadler.

Wie Nadler weiter ausführte, sei ein senioren- bzw. behindertengerechtes Wohnbauprojekt eine starke städtebauliche Begründung, den Bebauungsplan zu ändern. Bei lediglich sechs Wohneinheiten würde sich ein solches Projekt und Objekt wirtschaftlich nicht rechnen.

Mit dem Verweis darauf, dass die Bevölkerung immer älter werde, sprach sich die Mehrheit des Gemeinderates für barrierefreie - und nicht die noch aufwändiger gestalteten und teureren behindertengerechten - Wohnungen aus. Ulrich Starker war das zu wenig: „Genau mit der Begründung müsste man behindertengerecht bauen“, sagte er. „Du kannst doch nicht vom Bauträger verlangen, alle Wohnungen behindertengerecht zu machen“, entgegnete Konrad Leichtle. „Doch, genau das meine ich“, antwortete Starker.

Letztlich einigte sich der Gemeinderat darauf - gegen die Stimme von Ulrich Starker - es bei barrierefreien Wohnungen zu belassen. In diesem Sinne wird nun der Ortskern-Bebauungsplan geändert. Demnach kann die Gemeinde - wenn alle Auflagen für Barrierefreiheit in allen Wohnungen erfüllt sind - die höchstzulässige Wohneinheitenzahl bei über 2101 Quadratmetern Grundstücksfläche von sechs auf neun erhöhen.

In dem geplanten neuen Mehrfamilienhaus in Schwabsoiens Ortsmitte sollen neun variable Wohneinheiten von 87 bis maximal 138 Quadratmetern Wohnfläche Platz finden. „Keine Wohnklos also“, sagte Bürgermeister Siegfried Neumann erleichtert. Ganz im Gegenteil: mit Bergblick. Das neue Gebäude wird nach den bisherigen Planungen kaum größer als die Bestehenden auf dem Grundstück, „es rückt aber etwas von der Straße weg“, so Neumann. Die 19 nachzuweisenden Pkw-Stellplätze finden in einer unterirdischen Tiefgarage sowie auf dem Gelände selbst Platz, durch das ganze Haus führt ein Aufzug.

Um das Bauvorhaben zu realisieren, war jedoch eine Befreiung von den Bebauungsplan-Festsetzungen hinsichtlich der Dachneigung und der zu verwendenden Dachmaterialien nötig. Um mehr Licht ins Dachgeschoss auf der nach innen liegenden Südseite zu bekommen, ist dort ein Schleppdach vorgesehen. Dieses sei aber nicht einsehbar und daher auch nicht störend.

Rudi Kögel brachte es auf den Punkt: „Wir wollen den Schandfleck weghaben, haben Leute aus dem Ort, die da was Barrierefreies bauen, es passt optisch in die Umgebung, also können wir dem zustimmen.“

Und damit geht die Arbeit für Herbert Hefele und Weinhold Peter, die beiden Geschäftsführer von „W&H schlüsselfertiges Bauen“, erst richtig los: Ausschreibungen und Grundstücksverhandlungen müssen gemacht werden, außerdem müssen Käufer für die neun Wohnungen gesucht werden. Der Zeitplan sieht vor, das im Herbst das bestehende Gebäude abgerissen und mit dem Neubau begonnen werden soll. Der Bezug der Wohnungen wird dann im Laufe des Jahres 2014 erfolgen.

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