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Zogen mit vereinten Kräften eine verunglückte Autofahrerin aus dem Wasser (v.l.): Reinhard Pohl sowie Markus und Arwin Hindelang. Ministerpräsident Markus Söder (r.) zeichnete sie nun dafür aus.

Bayerische Rettungsmedaille verliehen  

Drama an der Geltnach: Helden geehrt

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Arwin Hindelang hat die Szenen vor Augen, als wären sie erst gestern geschehen: Im August vergangenen Jahres rettete der 61-Jährige aus Stötten am Auerberg einer 82-Jährigen das Leben. Die Frau war mit ihrem Auto in die reißende Geltnach gestürzt und drohte zu ertrinken. Gemeinsam mit weiteren Rettern wurde Hindelang gestern von Ministerpräsident Markus Söder für den selbstlosen Einsatz geehrt.

München/Stötten „Da kommt ja mein Lebensretter“, sagt die 82-Jährige immer, wenn ihr heute Arwin Hindelang über den Weg läuft. Dem ist das beinahe unangenehm, dabei hat die Frau völlig recht. Hätte der Stöttener, der im Ort ein Autohaus betreibt, nicht so beherzt eingegriffen, wäre die Frau ertrunken.

Es waren dramatische Minuten, die am 11. August 2017 über Leben und Tod entschieden: Die 82-Jährige war mit ihrem Wagen am nordwestlichen Ortsrand von Stötten auf der Oberdorfer Straße unterwegs, als ihr Blumenstock umkippte, den sie im Auto auf der Beifahrerseite abgestellt hatte. Davon abgelenkt, kam die Frau mit ihrem Peugeot von der Straße ab und raste die steile Böschung zur Geltnach hinab, die an dem Tag Hochwasser führte. Am Ufer stürzte der Wagen mit einem seitlichen Überschlag ins Wasser.

Die 82-Jährige trieb zunächst kopfüber und völlig hilflos in ihrem Auto im Bach, der wegen starker Niederschläge von 50 Zentimeter auf 1,80 Meter angeschwollen und dementsprechend reißend war. „Ich war zufällig auf Probefahrt“, erinnert sich Autohaus-Betreiber Arwin Hindelang, warum er kurz nach dem Unfall die Stelle passierte. Eine Frau, die das Unglück beobachtet hatte, hielt den damals 60-Jährigen an, der nicht lange überlegte: „Ich bin am Ufer der Geltnach entlang gelaufen und habe einen Vorsprung herausgeholt“, beschreibt Hindelang die dramatischen Momente. Dann riss er sich die Kleider vom Leib, stieg ins Wasser und bewegte sich langsam auf den Wagen zu, der sich im Bach wieder aufrecht gedreht hatte. Der 82-jährigen Frau stand das Wasser schon bis zum Hals. Als sie den 60-Jährigen auf sich zukommen sah, schöpfte sie wieder Hoffnung zu überleben. „Sie winkte mir zu und rief laut um Hilfe“, erinnert sich Hindelang, dem die schwersten Aufgaben noch bevorstanden. Da der Wagen rückwärts im Fluss trieb, musste der 60-Jährige gegen den enormen Wasserdruck ankämpfen, als er die Beifahrertür öffnete. Es gelang ihm mit all seiner Kraft, die Dame aus dem Wagen zu ziehen.

Die Gefahr war damit aber noch immer nicht gebannt. Retter und Gerettete hingen nun gemeinsam an der Autotür im Wasser. Das Ufer war noch weit entfernt und durch eigene Kraft in der reißenden Geltnach nicht zu erreichen. Der 60- und die 82-Jährige drohten, zusammen mit dem Auto unterzugehen. Wie durch ein Wunder stand plötzlich Hindelangs Sohn Markus (37) am Ufer, der im nahe gelegenen Gewerbegebiet wohnt. „Er hatte zufällig aus dem Fenster gesehen und war sofort losgerannt“, berichtet der Vater von dem unfassbaren Glück. Mit einem Gartenschlauch und der Hilfe des Stötteners Reinhard Pohl, der zwischenzeitlich dazu kam, gelang es schließlich, die 82-Jährige und ihren Lebensretter aus dem Wasser zu ziehen. Beide waren wohlauf.

Die 82-Jährige hat den Hindelangs und Reinhard Pohl nicht nur einmal gedankt. Bei der Ehrung gestern im Antiquariat der Münchner Residenz hat sie aber gefehlt. „Ich habe mich so aufgeregt, ich möchte nicht mehr dabei sein“, bat sie gestern auf Anfrage der SN um Verständnis. Das Retter-Trio freute sich derweil über die anerkennenden Worte des Ministerpräsidenten, der Arwin Hindelang mit der Bayerischen Rettungsmedaille auszeichnete. Markus Hindelang und Reinhard Pohl bekamen von Markus Söder die Christopherus-Medaille überreicht. „Bayern dankt seinen Retterinnen und Rettern für ihren selbstlosen Einsatz in größter Not. Es gehört viel dazu, trotz höchster Gefahr Mitmenschen aus einem reißenden Fluss oder einem verunfallten Auto zu bergen“, lobte der Ministerpräsident.

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