Beim gemeinsamen Schafkopfen entsteht die Wette: Von Schongau aus in 80 Tagen einmal um die Welt. foto: ew

Bayerischer Klamauk beim Schultheater

Schongau - „Ein Bayer scherzt nicht, wenn es um eine Wette geht“, sagt Jana Weckbecker alias Phileas Fogg. Ihr Blick lässt keine Widerrede bei den am Tisch Sitzenden zu

„Ein Bayer scherzt nicht, wenn es um eine Wette geht“, sagt Jana Weckbecker alias Phileas Fogg. Ihr strenger Blick lässt keine Widerrede bei den am Tisch Sitzenden zu. Im Publikum hingegen erntet sie dafür die ersten Lacher.

Weckbecker spielt den Exzentriker Fogg im Stück der Pfaffenwinkel-Realschule „Von Schongau aus in 80 Tagen um die Welt“. Eine Adaption des französischen Klassikers von Jules Verne aus dem Jahre 1873. Den haben die engagierten Lehrerinnen Dinah Kurschatke und Hanna Hilzensauer zum Heimatroman umgeschrieben. Und für 24 Schüler der 5. bis 9. Jahrgangsstufe theatertauglich gemacht. „Die Rollen werden von mehreren Personen gespielt“, erklärt Kurschatke. So ist jeder involviert.

Als sich der Vorhang öffnet, bietet sich den circa 80 Zuschauern zunächst eine Szene in unterschiedlichen Dialektfärbungen: Urbayerisch trifft auf Ostdeutsch. Um „fortan nicht mit Untertitel arbeiten zu müssen“, wird in den folgenden Szenen Hochdeutsch gesprochen.

Phileas Fogg ist ein reicher Schongauer und zudem leidenschaftlicher Schafkopfspieler. Beim Karteln kommt ihm die Idee zu einer tollkühnen Wette: Er glaubt, in 80 Tagen die Welt umrunden zu können. Die Anwesenden, darunter auch Sherlock Holmes, wetten dagegen. Einsatz: 20 000 Mark. Prestige und Geld vor Augen, macht sich Fogg gemeinsam mit seinem Knecht Passepartout auf den Weg. Letzteren, einen Emigrant aus dem Osten, hatte er kurz zuvor erst kennengelernt. Die Szene stoppt und eine Erzählerin tritt in den Vordergrund. Sie kommentiert im Laufe des Geschehens noch einige Male die Handlung. Jetzt erklärt sie auf einer Landkarte den adäquaten Weg von Schongau aus rund um den Erdball.

Nicht nur einmal droht der Zeitplan zu scheitern auf dem Weg über Bombay, Kalkutta und Japan. Doch letztendlich gewinnen sie nicht nur die Wette, sondern retten auch Unbekannte und finden Freunde. So lautet auch die Quintessenz des Stücks: Freundschaft ist mehr wert als Geld. Und alle Menschen - egal, wo auf der Welt - sind gleich.

Abgesehen von den direkt ausgesprochenen Botschaften, ist das Stück gespickt mit kleinen Seitenhieben. Aufs Korn genommen werden typische Pauschalen aus Schongau, Bayern und der Welt. Musikalisch umrahmt wird das Theater von der Bläsergruppe der Realschule unter der Leitung von Tobias Roth.

Nach gelungener Aufführung springt ein begeisterter Schulleiter Christian Zingler auf die Bühne - mit einer Überraschung. „Man muss ja den Grips der jungen Leute fordern“, sagt er geheimnisvoll. „Also: Wenn ihr am 7. Juli in den Pausenhof kommt, wartet ein Geschenk auf euch“, verrät er. „Ich bin gespannt, wer sich bis dahin dran erinnert.“

Elena Wlacil

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