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Rund 60 Bauern sind am Dienstagvormittag zum BDM-Aktionstag gekommen. Sie haben sich im Kreisel vor der Molkerei Hochland versammelt und aufgrund verbesserter Marktlage einen höheren Milchpreis gefordert.

BDM-Aktionstag

Bauern fordern von Hochland 40 Cent

  • Johannes Schelle
    vonJohannes Schelle
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Schongau - Der europäische Milchmarkt hat sich ein wenig erholt, Nachfrage und Preise sind gestiegen. Einzig nicht davon profitiert haben bislang die Bauern. Sie fordern die Molkerei Hochland dazu auf, vernünftige Preise auszuhandeln. Ab November wollen sie 40 Cent pro Liter Milch.

„Wir haben die vergangenen zwei, drei Jahre keinen Gewinn erwirtschaftet“, sagt Oliver Maier, Werkleiter der Firma Hochland in Schongau, mehr als 60 besorgten Bauern über ein Megafon so direkt wie eiskalt ins Gesicht. In diesem Moment platzt einigen Landwirten der Kragen. „Und wie viel sie die vergangenen Jahre investiert haben, wollen sie uns nicht sagen!?“, schimpft einer. Andere sind einfach nur sprachlos, schüttelten vehement den Kopf und verdrehen die Augen. „Hat er das wirklich gesagt?“, seufzt eine Bäuerin.

Klare Ansage: Die hiesigen Milchbauern wollen von Hochland 40 Cent pro Liter Milch. 

Dienstagvormittag, 10.30 Uhr in Schongau-West: Mehr als 60 Landwirte tuckern mit ihren Traktoren auf den Kreisel vor Hochland zu. Der BDM veranstaltet dort einen Aktionstag. Das Ziel: Ein höherer Milchpreis für die Bauern. „Nach dreijähriger Talfahrt schießen die Preise für Butter, Blockkäse und Milchpulver teilweise durch die Decke“, teilt Bernhard Heger, Kreisvorsitzender des BDM, über ein Megafon den inzwischen dicht versammelten Bauern mit. Hintergrund: Die Milchproduktion ist europaweit um ein Prozent zurückgegangen, dadurch sind Nachfrage und Preis gestiegen. Heger fordert deshalb Hochland und die anderen Molkereien zu vernünftigen Milchpreis-Verhandlungen auf, die „eins zu eins den Bauern zugute kommen“. In Zahlen ausgedrückt: „40 Cent pro Liter ab November.“

Immer wieder Thema unter den Bauern ist an diesem bewölkten Vormittag der Begriff Spottmilch. Das ist die Milch, die bei Molkereien übrig bleibt und an andere Molkereien, die noch Bedarf haben, weiterverkauft wird. Aktuell, sagt Heger, zu 30 bis 40 Cent pro Liter.

Zum Vergleich: Die Hochland-Lieferanten aus Schongau und Umgebung bekommen momentan nur 26 Cent pro Liter. Viel zu wenig, sind sich die Bauern einig. „Das klingt für viele zwar utopisch, aber wenn wir Bauern wirtschaftlich arbeiten wollen, bräuchten wir inzwischen sogar 50 Cent pro Liter“, betont BDM-Vertreterin Lucia Egner, die nach Heger das Wort ergriff. Viele Landwirte seien verschuldet, beschränken ihre Arbeit wegen des finanziellen Engpasses auf ein Minimum und trauen sich nicht zu investieren – ein Teufelskreis, den Egner mit drastischen Worten beschreibt: „Landwirte und Kühe sind wortwörtlich am Verrecken.“

Thomas Strobl (57) hätte für seinen Milchviehbetrieb in Rottenbuch einen würdigen Nachfolger, kann ihn sich allerdings nicht leisten. 

Thomas Strobl (57) hält auf seinem Hof in Rottenbuch 50 Milchkühe. Er sagt: „Mein Sohn würde den Betrieb gerne übernehmen, aber wir können uns das momentan gar nicht leisten, dass er bei uns zuhause einsteigt.“ Er arbeite deshalb weiter als Heizungsbauer. Mit diesem Generationenproblem hat auch Georg Lang (55) aus Schwabsoien zu kämpfen. Er besitzt mit 100 Milchkühen einen der größten Höfe der Region. Dessen Zukunft ist trotzdem in Gefahr. „Mit 26 Cent kann bei uns keiner was anfangen“, sagt er. Auch er habe einen Sohn, der an der Hofübernahme stark interessiert sei, sich wegen des Draufzahlgeschäfts aber nicht traut. „Er möchte sich die Entwicklung die nächsten drei Jahre noch anschauen, wenn sich bis dahin nichts verbessert, dreht er lieber den Schlüssel um.“

Hochland-Werkleiter Maier kennt die Probleme und Sorgen der Milchbauern, geht auf die geforderten 40 Cent allerdings nicht ein. Zumindest nicht am Aktionstag. „Wir stehen im Wettbewerb, es ist nicht so einfach, den Milchpreis zu erhöhen“, sagt er den Landwirten. „Wir haben zwar ein paar Produkte, mit denen wir preislich nach oben gehen könnten, mit einigen anderen ist das aber nicht möglich.“

Übrigens: Die jüngste Hochland-Verhandlung in Sachen Milchpreis war ebenfalls gestern, zur exakt gleichen Zeit wie der Aktionstag. „Reiner Zufall“, sagt Heger. Das Ergebnis ist noch nicht bekannt.

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